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Schlagwort-Archive: Psychotherapie

Jedem seine Prüfung – Zwischenfrage

Der Philosoph hat Zweifel, Sophie schwankt zwischendurch – und der entscheidende Arztbesuch für eine Art der „Tauglichkeitsbescheinigung“ steht nun kurz vor der Tür. Vorher interessiert uns aber, was IHR glaubt. Kann jemand mit ASS überhaupt als „tauglich“ angesehen werden, um später im psychotherapeutischen Bereich zu arbeiten? Hat das Vorteile? Oder doch eher Nachteile? Wir sind gespannt auf das Ergebnis.

Auflösung am 14.02.2015:

„Logisch! Wo ist das Problem?“ – 74,67 %

„Hm. Ein bisschen skeptisch wäre ich schon.“ – 25,33 %

„Klare Sache. Ein absolutes No-Go.“ – 0 % 🙂

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Verfasst von - 4. Februar 2015 in Alltägliches

 

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Die Trance – Teil I

Sophie:

 Wie immer bin ich zu früh. Mein Parkplatz ist frei. Ich warte im Auto, die Uhr fest im Blick. Der Ablauf ist zwischenzeitlich selbstverständlich, es ist ein „Wie-immer“-Ablauf geworden. Trotzdem gibt er mir heute nur wenig Sicherheit, ich bin  abgelenkt. In meinem Kopf läuft ein Film. Der aus der Arztpraxis. Immer und immer wieder sehe ich die Situation vor meinem geistigen Auge.

17:25 Uhr – 17:26 Uhr – 17:27 Uhr – 17:28 Uhr.

Aussteigen. Abschließen. An der Beifahrertür einmal kontrollieren, ob der Schließmechanismus funktioniert. Die Straße überqueren, bis zum Haus.

Punkt 17:30 drücke ich auf die Klingel, die blau blinkt. Vielleicht würde mir auffallen, mit welcher Selbstverständlichkeit, welcher Sicherheit ich mich zwischenzeitlich hier bewege. Aber das Grübeln über die Situation in der Arztpraxis lässt mich das gar nicht wahrnehmen. Ich ärgere mich selbst in mehrfacher Hinsicht. Zum einen, dass ich offenbar nicht in der Lage war, die Situation trotz ihrer Banalität adäquat aufzulösen. Zum anderen darüber, dass es einer solchen Bagatelle gelingt, mich über Stunden zu beschäftigen.

Die Tür öffnet sich. Der Philosoph.

Platon:

Sophie ist gedanklich noch immer in der Situation beim Arzt. Der Dialog mit der Arzthelferin geht ihr wie eine Endlosschleife durch den Kopf. Sie sagt, sie könne das nicht ausblenden, sie hänge wie festgewachsen in dieser Situation fest. Und Sie mache sich Vorwürfe, suche immer wieder den Fehler, was sie besser hätte machen können. Sie misst ihren Puls. Der liegt bei über 120. Mal wieder viel zu hoch.

Wir haben heute wieder unsere reguläre Sitzung. Passt ganz gut. Wir hatten es schon ein paar Mal mit Entspannungs- und Achtsamkeitsübungen erfolglos probiert. Erfolglos deshalb, weil Sophie ihren Körper kaum spürt, kaum Körperempfindungen wahrnimmt. Und sich auch nur ungern darauf einlässt. Ich starte jetzt einen neuen Versuch, ändere etwas die Strategie. Ich versuche heute, eine Trance herbeizuführen.

Sophie:

Der Philosoph bemerkt meine gedankliche Abgelenktheit. Selbst das merke ich kaum, wie gut er sich zwischenzeitlich auf mich einstellen konnte, wie sehr er wohl schon subtile Anzeichen in meiner Stimmung wahrnehmen und deuten kann. Meist muss ich nicht mal etwas sagen.

Eigentlich ist es diese doofe Arzthelferin nicht wert, dass ich mir wegen ihr so einen Kopf mache. Das weiß ich auch. Allerdings hilft es mir nicht, wenn der Philosoph mir das so auch sagt, die Gedankenschleife läuft einfach. Und läuft. Und läuft. Und läuft. Ist ja nicht so, dass ich das nicht kennen würde. Er schlägt vor, dass wir versuchen, das Ganze mit einer Art Trance zu durchbrechen. Ich bin skeptisch. Mit den Achtsamkeitsübungen kam ich in der Vergangenheit keinen Schritt weiter und kam mir zudem auch ziemlich bescheuert vor. Von Ent-Spannung keine Spur, eher das Gegenteil. Zudem weigere ich mich konsequent, im Beisein anderer Menschen die Augen zu schließen. Das kommt mir vor wie eine Art Kontrollverlust. Trotzdem willige ich ein. Denn – zugegeben – neugierig, ob das klappen kann, bin ich schon.

Platon:

Ich werde die Trance einleiten, allerdings mit ganz direkten Suggestionen, ohne den Schwerpunkt auf Körperempfindungen zu legen. Und einfach mit Geduld und vielen Wiederholungen. Irgendwann muss Sophie ja mein monotones Sprechen zumindest in den Anfangsbereich einer Trance versetzen, denke ich. Ich bitte sie, sich entspannt hinzusetzen und sich eine Stelle im Raum zu suchen, auf die sie sich konzentriert.

Sie findet schließlich eine kleine Spinne oben im Fenster. Irgendetwas daran erheitert Sophie. Sie lacht. Auch ich lache, und nutze die Situation.

 
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Verfasst von - 21. Juni 2014 in Die Sitzungen, Die Trance

 

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Zwischen Gedanken – Nach der zweiten Sitzung – Teil II

Sophie:

Ich bin weiter unsicher. Normalerweise würde ich die Dinge auf sich beruhen lassen. Aber vielleicht lohnt es sich doch? Und was, wenn nicht? Was, wenn das alles ein einziger großer Reinfall wird? Und ich nachher vielleicht nicht nur keinen Schritt weiter, sondern sogar Schritte zurückgehen muss?

Ich weiß nicht genau, was es ist. Neugier? Irgendwas ist da. Irgendwas, was es mir nicht ermöglicht, das zu tun, was ich sonst machen würde: Die Sache abbrechen, schweigend warten, dass es sich im Sand verläuft.

Vielleicht ist es wirklich Neugier. Eine vorsichtige Neugier – eine, bei der man nicht aus der Ferne beobachten kann, sondern mitten im Geschehen ist. Ich beobachte lieber.

Platon:

Ich fange an im Internet zu recherchieren. Finde tatsächlich ein Foto von ihr. Finde weitere Informationen. Und ich erfahre, dass sie sich schon mit dem Thema Autismus beschäftigt hat. Ich bin irritiert. Habe ich etwas falsch verstanden?

Hinzu kommen weitere Dinge, die nicht zu ihren Erzählungen zu passen scheinen. Ganz und gar nicht. Liegt es an mir, dass ich das nicht passend zusammen bekomme? Nein, ich bin zwar manchmal unkonzentriert, zerstreut und chaotisch, habe aber eine treffsichere Intuition. Autismus ist das eine. Erklärt aber nicht alle ihre Probleme. Da ist noch mehr, so vermute ich.

Sophie:

Ich beschließe, noch nicht den Rückzug anzutreten. Vorerst. Ich merke, dass mich all das so sehr beschäftigt, vielleicht ist es sogar zielführend. Dass dafür Vertrauen notwendig ist, ist mir klar. Und dass genau das ein Punkt ist, der mir extrem schwer fällt. Ich verlasse mich lieber auf mich. Das ist sicherer, einfacher, berechenbarer. Andere Menschen bringen nur Unordnung, machen die Dinge konfuser, komplizierter und basteln Probleme, wo gar keine sind.

Ich kann nicht mehr sagen, inwiefern ich die Dinge noch klar sehe. Vielleicht braucht es wirklich jemanden, der einen anderen, neutralen Blick hat. Und der die Differenzen in meiner Wahrnehmung klar und ohne Urteile benennen kann.

Wenn ich lernen will, dass ich nicht immer berechnen kann, wohin ein Weg führt, dann sollte ich hier vielleicht anfangen. Auch wenn ich meine Zweifel habe – andere würden es vielleicht eher Angst nennen.

Ich bleibe dran. Vorerst.

Platon:

Für einen Moment merke ich, wie ich unsicher werde, nach Erklärungen suche, die die Widersprüche auflösen. Oder werde ich vor irgendeinen Karren gespannt?  Werde ich getestet?

Nein, so darf ich gar nicht erst denken. Vielleicht entstehen diese Widersprüche nur in meiner Sinn­Konstruktion, nicht aber in ihrer. Vielleicht sind diese Widersprüche auch eine weitere Ursache ihrer Probleme. Es ist letztlich unerheblich.

Ich werde weiterhin geduldig mit den Informationen auskommen müssen, die sie mir gibt. Und das ist auch gut so. Den Takt soll sie bestimmen. Ich beschließe, sie einfach zu Beginn der nächsten Sitzung auf diese Widersprüche direkt und unvoreingenommen anzusprechen, ihr von meiner Irritation zu berichten, und ihr gleichzeitig zu sagen, dass, egal welchen Weg sie mit mir einschlagen möchte, ich sie unterstützend begleiten werde, so gut ich das kann, und solange sie das möchte. Es ist nicht unbedingt ihre Aufgabe, mir Dinge zu erklären und plausibel zu machen oder Informationen nicht vorzuenthalten. Es ist vielmehr meine Aufgabe, so gut es geht vertrauensvoll und tatsächlich helfend da zu sein.

 
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Verfasst von - 12. Januar 2014 in Alltägliches, Zwischen Gedanken

 

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Zwischen Gedanken – Nach der zweiten Sitzung – Teil I

Sophie:

Ich bin wach. Unruhig. Unsicher. Zu müde, um klar zu denken. Zu viele Fragen geistern durch meinen Kopf, Fragen, die ich mir nicht stellen will. Was davon ist wichtig, was unwichtig. Überhaupt: ist es richtig, was ich gerade mache?

Der Philosoph ist nett. Verwirrend, aber trotzdem nett. Ich weiß nur nicht, ob es echt ist. Seine Fragen bringen Unruhe in eine Zeit, die noch nicht ruhig ist. Und ich weiß nicht, ob ich es zulassen kann und will – was die Frage aufwirft, ob er jemand sein könnte, dem man „vertrauen“ kann. Ich merke, dass Dinge in Gang gesetzt werden, die viel zu lange still stehen mussten. Oder sollten? Aber ist es das überhaupt wert? Sollte ich die Dinge nicht so lassen, wie sie sind? Mich noch mehr bemühen, mich anzupassen, „richtig“ zu sein – so, wie andere Menschen auch. Einfach „normal“.

Platon:

Ich mag den Begriff „Autismus“ nicht. Er sagt im Grunde nichts über den Menschen aus, der damit in Verbindung gebracht wird. Genauso wie bei ADHS spreche ich dabei nicht von Störung oder Krankheit. Ich spreche so oft es geht von „Andersartigkeit“. Und diese Andersartigkeit i letztlich nur auf die Häufigkeit bestimmter zwischenmenschlicher Phänomene bezogen. Also nur quantitativ, nicht aber qualitativ begründet.

Diese Andersartigkeit als solche therapieren zu wollen – in welcher Form auch immer – erscheint mir als Verletzung der persönlichen Integrität. Auf Standardprogramme und ­konzepte zurückzugreifen ist vielleicht einfach und geht schnell, berücksichtigt aber nicht die persönlichen Stärken und individuellen Probleme im Alltag. Um diese Stärken und Probleme in den Blick zu nehmen, ist allerdings viel Zeit notwendig. Und echtes Interesse daran.

Sophie:

Ich bin wieder dabei, die Dinge zu zerdenken. Im Kopf hin und her zu schieben, zu drehen und zu wenden und doch nicht voran zu kommen. Menschen sind seltsam. Sie sagen oft Dinge, meinen sie aber anders. Oder sie sagen oft Dinge und behaupten, sie zu meinen, obwohl es eigentlich nicht stimmt. Ich weiß nicht, wie oft ich darauf herein gefallen bin. Auf vermeintlich nette Menschen, die mich angeblich nicht seltsam fanden – und sich mit anderen über mich lustig machten, wenn ich den Raum verließ. Die Informationen von mir wollten, nur, um diese nachher gegen mich zu verwenden. Nachher, wenn es nicht mehr genug war, sich insgeheim  Dinge, die ich sagte, lustig zu machen.

Ich bin vorsichtig geworden. Und trotzdem passiert es mir immer wieder, dass ich darauf hereinfalle. Ich passe auf, was ich sage. Wann ich es sage. Ob ich es überhaupt preisgebe. Ich mag diese imaginäre Glaswand zwischen mir und den anderen Menschen nicht, dieses „Ich-im-Aquarium“. Gleichzeitig aber ist es mein Schutz. Die wenigsten kommen nahe genug heran, um hinter das Glas zu schauen. Die wenigsten wollen nahe genug heran. Nur – wenn sie es schaffen, können sie mir weh tun.

Ich traue ihm nicht. Auch wenn ich es gerne täte.

Platon:

Ihre Wahrnehmung unterscheidet sich offenbar extrem von meiner Art und Weise, die umgebende Welt wahrzunehmen. Aber wie nimmt sie die Welt wahr? Kann ich ihr überhaupt helfen, ohne ihre Sicht auf die Dinge zumindest ansatzweise zu verstehen? Wenn ja, welche Form von Hilfe ist letztlich wirklich eine Hilfe für sie? Was war bisher eine Hilfe für sie? Auch diese Frage sollte geklärt werden.

Ich bin kein Autismus-Spezialist. Eher so etwas wie ein Landarzt unter den Medizinern. Unterstütze und helfe bei den vielfältigsten Anliegen. Falls ich nicht oder nicht mehr helfen kann, dann verweise ich an Fachleute. Ich überlege, ob ich sie an ein Autismus-Zentrum oder eine andere Fach-Institution verweisen soll. Ich habe aber damit meine Erfahrungen. Und ich habe den Eindruck, dass die sogenannten Spezialisten und die Reisen dorthin, die Untersuchungen und weiteren Fragen eine zusätzliche Belastung für sie wären. Kurz: kontraproduktiv.

Ich entschließe mich, mit weiteren Fachleuten und Institutionen noch zu warten. Noch mehr zu erfahren.

Ihre Familie scheint mir ein wichtiger Weg zu sein. Doch sie möchte noch nicht, dass ich mit ihr nahestehenden Personen Kontakt aufnehme. Warum nur? Gründe wird es mit Sicherheit geben, aber so muss ich nun auf vielleicht wichtige Informationen verzichten. Vielleicht ändert sie irgendwann diese Meinung. Ich bleibe hartnäckig bei dieser Frage.

 
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Verfasst von - 11. Januar 2014 in Alltägliches, Zwischen Gedanken

 

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Die zweite Sitzung – Teil III

Sophie:

Irgendwie fehlt der rote Faden. Ich komme dem Gespräch nicht hinterher. Zu sprunghaft. Die Wechsel sind nicht vorhersehbar, willkürlich. Mal geht er auf die Emails ein, dann wieder auf das Thema Essen, dann auf Berührungen. Strukturlos. In meinem Hinterkopf macht sich ein dumpfer Druck breit, ich merke, dass meine Konzentration nachlässt. Der Philosoph ist anstrengend. Die Straße vor dem Fenster scheint immer lauter, immer unruhiger zu werden. Manchmal blenden die Scheinwerfer der Autos. Draußen reden Leute. Das Telefon klingelt. Ich erschrecke.

Platon:

Sie hat Humor. Sie hat häufiger gelächelt. Ich habe den Eindruck, dass die Art von Annäherung, die wir gerade vollziehen, auch für sie neu ist.

Ich sage ihr, dass ich wie ein Trainingspartner sei. An mir könne sie sich und neue Techniken ausprobieren. Sie bekomme von mir immer ein Feedback. Bei mir gebe es keine sozialen Sanktionen. Sie könne auch Fragen stellen. All die Fragen, die vielleicht in den letzten Jahrzehnten nicht gestellt wurden.

Sophie:

Die Sitzung ist zu Ende. Sie schien lang gedauert zu haben, ich weiß es aber nicht genau. Es ist dunkel draußen, angenehm dunkel. Ich würde gerne rausgehen, muss aber die Verabschiedung hinter mich bringen. Wieder weiß ich nicht, wie ich vorgehen muss. Wie der Anschluss zu finden ist. Ob es überhaupt einen gibt. Die Briefe, die Emails sind einfacher. Das sage ich ihm auch. Er lässt die Möglichkeit offen, möchte, dass ich mich melde. Aber ich weiß nicht, was ich ihm schreiben soll, wenn er nichts fragt. Ich weiß nicht, was wichtig ist. Was er wissen muss. Ich suche den sozialen Fahrplan, damit ich verstehe, welche Informationen er von mir braucht. Und welche ich ihm überhaupt geben darf.

Ich bin müde.

Platon:

Ich bin unsicher, ob der bis jetzt überdurchschnittlich umfangreiche Email­kontakt für sie zu viel ist, zu sehr in ihre Welt eindringt, stört. Ich sage ihr, dass ich ihr den Umfang der Email­Kommunikation überlasse, selbst vielleicht erst mal eine Pause mache. Sie reagiert, ich kann aber die Bedeutung  nicht genau erkennen. Die Unsicherheit bleibt.

Jetzt kommt wieder die Verabschiedung. Ich muss die einzelnen Schritte der Beendigung des Besuchs deutlich einleiten. Begleite sie bis vor die Tür. Sie sagt „Tschüss“, dreht sich um, zögert etwas in ihrer Bewegung, dreht sich nochmals halb zu mir zurück: „Sie können ruhig weiter Emails schreiben“. „Ja, okay.“

Dann geht sie.

 
 

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Die zweite Sitzung – Teil II

Sophie:

Wieder ist das Thema der Blickkontakt. „Wissen Sie eigentlich, wie ich aussehe?“ Was will er denn jetzt? Draußen rauschen die Autos vorbei, rumpeln über das Kopfsteinpflaster. Hinter mir gluckern die Fische im Aquarium. Manchmal kommen sie an den Wasserrand und es gibt ein blubberndes Geräusch.

Menschen. Er will über Menschen reden. Über ihr Aussehen. Der Philosoph bringt mir ein Bild. Ein Teppich, darauf ein Hund und ein Mensch. Ein Mensch mit kleinen Händen. Ein Kind. Auf den ersten Blick könnte ich nicht sagen, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist. Aber ein Kind. Da ist auch eine Zahnlücke. Die hat der Philosoph selbst noch gar nicht gesehen. Verrückt. Dabei hängt das Bild doch in seinem Büro an der Wand.

Nein, ich weiß nicht, wie er aussieht. Ich weiß, welche Kleidung er trägt, welche Brille (wenn er sie nicht gerade selbst sucht) und was für Schuhe. In diesem Praxis-Kontext weiß ich, dass er es ist. In der Innenstadt wüsste ich es nicht. Ich erkenne Leute häufig nicht wieder. In dem Moment, in dem ich sie nicht mehr sehe, verschwinden sie auch aus meinem Gedächtnis. Ich weiß, was sie gesagt und getragen haben. Aber wie sie „aussehen“, das weiß ich nicht. Fehlt ein wichtiges Detail, erkenne ich selbst Verwandte nicht mehr wieder.

Platon:

Ich spreche mit ihr über Menschen, über Äußerlichkeiten. Darüber habe sie sich so noch keine Gedanken gemacht. Es ist wohl nicht ihr Lieblingsthema. Genauso wie ihr Essverhalten. Das hätte schon immer zu langen Diskussionen geführt. Ich frage trotzdem nach. Mich interessiert in erster Linie, ob eventuell Mangelerscheinungen möglich sind, durch einseitiges essen. Sie isst einseitig, sehr einseitig. Ihr scheint die Problematik einer möglichen Fehlernährung nicht bewusst zu sein.

Ich stelle Fragen, sehr viele Fragen. Zu viele? Ich gehe mit ihr die letzten Emails durch, hatte mir einige Stellen markiert. Frage sie, ob sie Gesichter erkennen kann, ob sie ihren Chef auf der Straße erkennen würde. Sie sagt: „Wohl nicht.“ Eher an den Kleidern, dem Stil, der Art zugehen, der Stimme. Ich nehme ein Bild im Büro von der Wand, frage sie, was darauf zu sehen ist. Ein Hund und wohl ein Mädchen, wegen der Hände, und der Zahnlücke.

Sophie:

Abrupt wechselt der Philosoph das Thema. Will wissen, was ich esse. Wie ich esse. Ich mag das Thema nicht. Erzähle von meinen Nudeln. Und dem Spinat. Und den grünen Äpfeln. Ein bestimmtes Grün müssen sie haben, müssen „richtig“ sein. „Wie essen Sie die Äpfel?“, will er von mir wissen. „Mit dem Mund“, gebe ich zur Antwort. Während ich mich noch über die seltsame Frage wundere und mich frage, ob ich ausführlicher ins Detail gehen muss, fängt er an zu lachen. 99 Prozent der Menschen, so erklärt er mir dann, hätten nun dargelegt, ob sie Äpfel schneiden oder schälen. Und das wollte er auch eigentlich von mir wissen. Ich komme mir dumm vor.

Er bleibt lange bei dem Thema Essen. Ich fühle mich an die Situationen zu Hause erinnert, an endlose Diskussionen: „Andere Sachen schmecken auch“ oder „Probier doch einfach mal was Neues“, hieß es da häufig. Dabei mag ich die Sachen, die ich esse. Ich kenne sie. Weiß, wie ich sie zubereiten muss, wie sie schmecken, wie sie riechen. Sie sind ein fester Bestandteil, etwas Geordnetes. Ob ich das Essen genieße, will er wissen. Ich verneine. Es ist eine Notwendigkeit, auf die ich verzichten würde, wenn ich es könnte. Aber die Biologie verbietet es. So einfach ist das. Er scheint das anders zu sehen.

Platon:

Das Gespräch ist schleppend, manchmal geht es besser, manchmal scheint es festgefahren, verzettelt. Das liegt an mir, ich kann mich nicht klar und präzise ausdrücken, zumindest nicht immer so, wie ich es gerne möchte.

Hinzu kommt ein diffuses Gefühl, eine Vermutung. Autismus? Ja, aber da scheint noch mehr zu sein, die einzelnen Teile passen noch nicht zusammen. Ich habe noch kein Gesamtbild. Gibt es Widersprüche? Ich verlagere deswegen meine Fragen unvermittelt in neue Themen, springe zurück, weil mir zu bereits besprochenen Dingen noch Informationen fehlen. Ich merke, wie ich teilweise ins Trudeln gerate, meine Gedanken meinen Verstand überholen. Ich suche fehlende Puzzleteile, fehlende Verbindungsstücke, die Klarheit bringen. Komme aber irgendwie nicht weiter.

Die Sitzung ist jetzt schon zeitlich enorm überzogen. Und ich suche immer noch nach Ansatzpunkten. Ich bin tiefer in ihre Welt eingedrungen, habe aber mit jedem weiteren Schritt wieder neue Fragen.

 

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Die zweite Sitzung – Teil I

Sophie:

Der Parkplatz ist frei. Der Parkplatz, auf dem ich auch in der vergangenen Woche stand. Er hat Potenzial, „mein“ Parkplatz zu werden. Sollte ich öfter kommen, wird es mein Parkplatz.

Ich bin wieder zu früh. Und wieder warte ich im Auto. Mit Blick auf die Uhr.

17:25 Uhr – 17:26 Uhr – 17:27 Uhr – 17:28 Uhr.

Aussteigen. Abschließen. An der Beifahrertür einmal kontrollieren, ob der Schließmechanismus funktioniert. Die Straße überqueren, bis zum Haus.

Punkt 17:30 Uhr drücke ich auf die Klingel, die blau blinkt. Wieder das blaue Blinken, das ich irgendwie mag. Der Philosoph öffnet die Tür, erstaunlich schnell. Kein Händereichen, das sagte er bei der vergangenen Sitzung. Ob er sich daran erinnert? Oft sagen Menschen Dinge, die sie dann schnell wieder vergessen. Oder sie sagen Dinge, die sie nicht so meinen, wie sie sie sagen. Ob das mit den Berührungen genau so ist? Er sagt nur „Hallo Sophie“. Ich finde es immer seltsam, wenn ich mit meinem Namen angesprochen werde. Ich kann ihn nicht mit mir in Verbindung bringen. Noch befremdlicher finde ich es, wenn ich andere Menschen mit Namen ansprechen muss. In Briefen oder Emails kann ich dieses Befremden ignorieren, bei meinem direkten Gegenüber aber nicht. Meistens versuche ich, die Ansprache mit dem Namen zu vermeiden. Habe Ausweichstrategien, um Namen zu umgehen. Also sage ich nur „Hallo.“

Platon:

Ich habe diesmal den Termin an das Ende des Tages gelegt. Damit das Gespräch nicht irgendwann abgebrochen werden muss, kein Zeitdruck entsteht.

Den Schreibtisch habe ich schon gestern aufgeräumt. Mir fällt auf, dass ich mit einem etwas veränderten Blick mein Büro betrachte, vor allem das Bücherregal. Und den ganzen anderen Krams. Mir fällt jetzt auch auf, dass der Straßenlärm stört, trotz geschlossener Fenster. Ich bin etwas angespannt.

Sie ist pünktlich. Auf die Minute.

Ich bitte sie herein, es gibt keine Berührung, kein Handreichen. Ich bitte sie, sich zu setzen. Ich setze mich, warte einige Sekunden, sage dann: „Fühlen Sie sich sicher und entspannt“. Ich meine, ein Lächeln zu erkennen.

Sophie:

Erste Tür rechts. Linker Hand das Aquarium. Das Chaos-Regal an der Wand. Rechts der Chaos-Schreibti… nein. Der Schreibtisch. Aufgeräumt, fast leer. Binnen Sekunden gleicht sich das aktuelle Bild mit dem Bild ab, das ich in der vorigen Sitzung sah. Wie zwei halbdurchsichtige Fotografien, die man übereinanderlegt. Es fehlen viele Sachen. Und der Schreibtischstuhl steht falsch. Die logarhitmische Spiral-Muschel ist nicht zu sehen. Am liebsten würde ich den Stuhl wegrücken, denn ich mag die Muschel. Sie ist ein fester Punkt im Raum, ein Fixpunkt. Und jetzt ist sie verdeckt. Genauso wie die Schachfiguren. Am Schreibtischbein finde ich einen hellen Punkt, eine weiße Macke im Holz. Neuer Fixpunkt. Ausweichfixpunkt. Etwas, an dem die Augen hängen bleiben können. So kann ich mich auf das konzentrieren, was ich höre.

Ich mag die Schuhe des Philosophen nicht. Es sind nicht die selben wie vergangene Woche. Diese Schuhe sind dunkler und irgendwie – alltäglich. Der abgerissene Schnürsenkel fehlt. Die Schuhe habe er von Aldi. Ob ich auch bei Aldi einkaufe? Ich weiß nicht, was er von mir will. Rette mich in irritiertes Schweigen, hoffe, dass die Situation vorüber geht. Er steht auf, geht durch den Raum. Wo will er hin? Nirgendwo. Er gehe einfach gerne mal durch den Raum und mache nicht vorhersehbare Dinge, sagt er. Ein bisschen seltsam ist er schon.

Platon:

Sie schaut sich intensiv im Büro um. Ist sie irritiert? Nicht zu erkennen. Sie sagt: „Sie haben den Schreibtisch aufgeräumt.“ Ich sage: „Ja, weil Sie heute wieder da sind.“ Ihre Augenbrauen heben sich leicht an. Sie blickt sich weiter um. Dann sagt sie mir, welche Dinge auf dem Schreibtisch fehlen, zum Beispiel zwei Teelicht-­Gläser. Ich frage nach weiteren Dingen. Ja, sie hat sich alles gemerkt. Auch meine Schuhe. Ich hätte jetzt andere Schuhe an. Die Schuhe vom letzten Mal hätten ihr besser gefallen. Da wäre auch ein Schnürsenkel abgerissen gewesen. Stimmt. Ich hatte nur einen einfachen Doppelknoten gemacht. Ich sage, dass ich die Schuhe bei Aldi gekauft habe. Sie reagiert darauf, ich kann es aber nicht genau deuten. Ich verzichte jetzt auf eine Nachfrage.

 
 

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2. Nachricht von Sophie an Platon

Sophie:

„Sehr geehrter Platon,

vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort.

Heute ist bereits das erste Buch angekommen. Zumindest in Bezug auf das Internet scheinen sich viele Segmente aus der Esoterik in bestimmte Definitionen einzuschleichen, daher werde ich davon wohl Abstand nehmen.

Nachdem vor acht Jahren bereits seitens des Schulpsychogologischen Dienstes eine angebliche Hochbegabung attestiert wurde, kam ich in das Förderprogramme meiner Schule. Anfangs dachte ich, dass hier vielleicht ein Schlüssel liegt für die gefühlte ‚Andersartigkeit‘. Ich habe an mehreren Programmen teilgenommen bzw. teilnehmen müssen, aber da bereits gemerkt, dass ich den richtigen Weg offenbar nicht gefunden habe. Es war mir nicht möglich, in irgendeiner Weise einen adäquaten Kontakt herzustellen.

Nach meinem Abitur schlug meine Schule mich für ein Ausbildungs-Stipendium vor. Hier wurde ich angenommen und hatte die Hoffnung, unter Personen, die das gleiche Berufsziel wie ich haben, eher die ‚gleiche Wellenlänge‘ zu finden. Leider war auch das ein Trugschluss. Und letzten Endes der Punkt, den ich bis heute nicht verstanden habe.

Das, was Sie von einer rein kognitiven Erarbeitung schreiben, kann ich so bestätigen. Jedoch war ich bislang der Meinung, dass andere Menschen das genau so systematisch erlernen müssen. Daher habe ich mich auch immer gewundert, wie diese das erstens so schnell erlernen, es zweitens noch schneller anwenden und drittens dabei auch noch einen solchen ‚Spaß‘ verspüren, dass sie sich freiwillig, wiederholt und quasi exzessiv sozialen Situationen aussetzen. Ich selbst gehe quasi nach einem ausgearbeiteten ‚Fahrplan‘ vor, nach dem ein bestimmtes Aktionsmuster meines Gegenübers ein klares Reaktionsmuster meinerseits nach sich zieht. Dass das jedoch ziemlich fehleranfällig zu sein scheint, erwähnte ich ja bei unserem Gespräch.

Unter diesem Gesichtspunkt wird mir dann auch klar, warum ich viele Situationen, die anderen leicht zu fallen scheinen, für mich eher einem Hochleistungssport gleich kommen.

Nun sind mir neben der sozialen Komponente noch andere Parallelen aufgefallen, wobei ich mir allerdings unschlüssig bin, ob sie wirklich störend sind oder nur von anderen, also von außen, als störend empfunden werden. Da fallen mir auch zahlreiche Situationen ein, in denen seitens meiner Familie versucht wurde, ‚meinen‘ Weg zu einem gewissen Ziel zugunsten eines allgemeingültigen Weges abzutrainieren. Das Ergebnis blieb das gleiche, aber die Art, wie ich Dinge tat, schien falsch zu sein.

Offenbar schätzen Sie das alles optimistischer ein als ich. Ich bin eher skeptisch eingestellt ­ aber wahrscheinlich bleibt das bei den Erfahrungen nicht aus. Allerdings möchte ich nicht wieder warten, bis alles aus den Fugen gerät.

Was das Chaos in meinem Kopf angeht: Ich merke, dass mir unzählige Situationen einfallen, die unschön bis katastrophal verlaufen sind. Und frage mich, ob Autismus wirklich eine Antwort sein kann. Einfach adaptieren kann ich es nicht. Und sortiert ist das ganze auch noch nicht. Vieles erscheint in einem neuen Licht und ich frage mich, ob der Blickwinkel so wirklich stimmt…

Wie könnte eine konkrete Unterstützung aussehen? Ich bin nicht wirklich geübt darin, um Hilfe zu fragen. Zudem weiß ich nicht, ob Sie ­ – da Sie ja offensichtlich über eine gewisse Erfahrung auf dem Gebiet verfügen ­ – bestimmte Konzepte (?) haben.

Mit freundlichen Grüßen

Sophie“

 
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Verfasst von - 29. Dezember 2013 in Alltägliches, Briefe

 

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2. Nachricht von Platon an Sophie

Platon:

„Sehr geehrte Sophie,

jetzt kann ich Ihnen etwas ausführlicher antworten.

Eins vorweg: die von Ihnen zu Recht als diffus bezeichneten Kriterien sind der Versuch, anhand von Symptomen ein Kategoriensystem aufzubauen. Das soll dann allen beteiligten Institutionen (Ärzten, Krankenhäusern, Krankenkassen etc.) helfen, eine gemeinsame Sprache zu sprechen.

In der Theorie klingt das gut, in der Praxis gibt es damit allerdings Probleme. Zum einen sind die meisten Symptome, zum Beispiel Konzentrationsstörungen, in unterschiedlichen Kategorien zu finden, zum anderen liegt es immer im Ermessen, inwiefern und in welcher Ausprägung einzelne Symptome für die Beurteilung herangezogen werden.

Darüber hinaus gibt es häufig Mischformen und fließende Übergänge, niemand kann genau sagen,ab wann ein Störungsbild beginnt. Daher gibt es auch so große Unterschiede in der Bestimmung der Epidemiologie, also der Auftrittshäufigkeit von Störungen innerhalb der Bevölkerung. Sehr häufig wird zum Beispiel traumatisierten Kindern und Jugendlichen AD(H)S diagnostiziert. Dann bekommen diese Kinder über Jahre Pillen verordnet und werden ruhig gehalten, und die Ursachen verfestigen sich.

Auch Autisten wird häufig AD(H)S attestiert. Diesen Kindern wird dann Bösartigkeit, Faulheit und Unkonzentriertheit vorgeworfen. Niemand sieht, dass die Kinder über Jahre für Verhaltensweisen bestraft werden, die sie selber nicht verstehen und beurteilen können, ja sogar aus ihrer Sicht haben diese Kinder richtig reagiert. Große Frustration und Abkehr ist dann die nur verständliche Folge.

Diese Kategoriensysteme sind von Menschenhand gemacht und daher künstlich. Gerade im Bereich Autismus hat man bemerkt, dass die Definitionen den Betroffenen nicht immer gerecht werden. Hier sind tatsächlich einige Dinge im Umbruch.

Für Sie ist doch letztlich entscheidend, welche Beeinträchtigungen Sie selbst verspüren. Ob Sie nun Asperger oder Hochbegabt genannt werden, letztlich ist die Kategorisierung ein Konstrukt und eine Reduktion der Komplexität.

Ich würde mich weniger mit den Begrifflichkeiten, sondern mehr mit den zugrunde liegenden Ursachen beschäftigen.

Zum jetzigen Zeitpunkt würde ich sagen: Sie sehen und erkennen die (soziale) Welt in einer anderen Art und Weise. Ihre Konstruktionen von den (sozialen) Dingen in der Welt stimmen nicht mit den Konstruktionen der meisten anderen überein. Da, wo andere intuitiv und gefühlsmäßig Übereinstimmungen und soziale Konventionen erkennen und anwenden, müssen Sie mühsam diese Konvention kognitiv erarbeiten und auswendig lernen.

Oft sind Sie vermutlich enttäuscht, wenn dann doch die mühsam erlernte Handlungsfolge bei den Mitmenschen durchfällt. Ihr Gehirn muss vermutlich täglich unglaubliche Leistungen vollbringen, um mit diesen für Sie sehr unstrukturierten und nicht verstehbaren sozialen Reizen klar zu kommen. Und genau hier liegt eventuell eine Möglichkeit, besseren Zugang zur anderen Welt zu finden.

Sie haben Recht, Verständnis bedeutet nicht verstehen. Sobald sie etwas mehr von den anderen verstehen, um so besser können Sie darauf reagieren. Und wenn andere Sie besser verstehen, dann werden die Mitmenschen ihr Verhalten entsprechend anpassen. Natürlich gibt es da auch Ausnahmen.

Ist meine Einschätzung bis hier zumindest teilweise zutreffend?

Sie haben den großen Vorteil, dass System Sprache zu beherrschen, vermutlich besser als die meisten der Mitmenschen. Und hier liegt ein weiterer Schlüssel eines möglichen Erfolges. Es gibt eine Schnittmenge, eine gemeinsame Sprache.

Alleine wird das schwer, Sie produzieren nur immer wieder Ihre eigenen Wirklichkeiten, weil Sie immer wieder nach den gleichen Plänen konstruieren.

Ich möchte Ihnen Mut machen. Ich kann mir gut vorstellen, dass Sie selbst sich bald so akzeptieren wie Sie sind und Sie ihre Stärken ausspielen können. Es ist auch möglich, dass Sie Ihre sozialen Kompetenzen verbessern können.

Ich hoffe, dass ich dass Chaos in Ihrem Kopf jetzt nicht noch größer gemacht habe. Ich könnte zu einzelnen Aspekten noch seitenweise mehr schreiben, will aber jetzt nicht gleich zu viel schreiben.

Ich würde mich freuen, wenn ich Sie in irgendeiner Form unterstützen kann.

Fragen von Ihnen beantworte ich gerne wieder per Email.

Beste Grüße

Platon“

 
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Verfasst von - 28. Dezember 2013 in Alltägliches, Briefe

 

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1. Nachricht von Platon an Sophie

Platon:

„Sehr geehrte Sophie

auch ich habe noch lange über unser Gespräch nachgedacht. Mich hat es tief berührt. Ich denke, dass ich ansatzweise verstanden habe, was zur Zeit Ihre Gedanken sind. Sie haben die wunderbare Gabe, sich sprachlich präzise und verständlich auszudrücken. Vor diesem Hintergrund sehe ich Ihre Befürchtungen nicht ganz so ausweglos wie Sie. Im Gegenteil, ich sehe gute Chancen für Sie, dass es „anders“ wird, dass es sich „ändert“. Dass die Dinge nicht bleiben, wie sie sind.

Ich betreue im Moment zwei weitere diagnostizierte Autisten (frühkindlicher Autismus). Es scheint so zu sein, dass es mir zumindest ansatzweise gelingt, in die Gedankenwelt der Menschen einzutreten, die vermeintlich Probleme haben, an sozialer Interaktion angemessen teilnehmen zu können.

Ich bin sicher, dass ich eine ganze Menge von Ihnen lernen und erfahren kann. Umgekehrt könnte ich die Sie umgebende Welt für Sie in einigen Bereichen übersetzen, verstehbar machen. Ich würde mich freuen, wenn ich Sie dabei unterstützen darf.

Ich bin gerade dabei, den morgigen Tag vorzubereiten, daher habe ich keine Zeit, jetzt ausführlicher zu antworten.

Ich werde mich bald wieder melden. Wenn Sie bis dahin noch Fragen oder Anregungen haben, dann senden Sie gerne noch weitere Nachrichten.

Ich verbleibe mit besten Grüßen

Platon“

 
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Verfasst von - 26. Dezember 2013 in Alltägliches, Briefe

 

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