RSS

Schlagwort-Archive: Interaktionsanalyse

16. Nachricht von Platon an Sophie

Platon:

„Hallo Sophie,

ich habe noch einige Fragen:

1. Hatten oder haben Sie Konzentrationsprobleme?

2. Fällt es Ihnen schwer, Dinge zu Ende zu bringen, also Vorgänge zu beenden?

3. Wechseln Sie häufiger spontan von einer Tätigkeit zur anderen Tätigkeit?

4. Verspüren Sie häufiger innere Unruhe?

5. Neigen Sie zu Hyperaktivität?

6. Neigen Sie zur Tagträumerei, zum „Abschalten“? Haben Sie also bei Vorlesungen, damals in der Schulklasse oder jetzt in Besprechungen das Bedürfnis, an ganz andere Dinge zu denken, also gedanklich abzuschweifen?

7. Haben Sie in den letzten 14 Tagen etwas anderes als Nudeln und Spinat gegessen?

8. Hat sich Ihre Schlafsituation etwas verbessert?

9. Was sind Ihre typischen Beschäftigungen zwischen Dienstschluss und Dienstbeginn? Also die Dinge, die Sie in Ihrer Freizeit machen. (nur die wichtigsten Beschäftigungen nennen)

Sie können auch bei einzelnen Fragen mit Ja bzw. Nein antworten …

Mit lieben Grüßen

Platon“

 
3 Kommentare

Verfasst von - 20. April 2014 in Briefe

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , ,

13. Brief von Sophie an Platon

Sophie:

„Hallo Platon,

In den vergangenen Tagen sind mir einige Dinge im Alltag aufgefallen, die ich auch in der Vergangenheit immer wieder beobachten konnte. Vielleicht haben Sie eine Erklärung für mich. Ich bemühe mich auf der Arbeit in der Regel um ein
„unauffälliges Verhalten“, auch wenn mir das wahrscheinlich nur semi­optimal gelingt. Immer wieder kommt es vor, dass ich nicht mit Namen, sondern nur mit Personalkürzel angesprochen werde (also der erste Buchstabe des Vor- und die ersten beiden Buchstaben des Nachnamens). Das Phänomen ist mir bislang in fast jeder Arbeitssituation aufgefallen – selbst dann, wenn die Kollegen sich untereinander mit dem Namen ansprechen. Ich bin nicht wirklich namensaffin, trotzdem irritiert mich das ein wenig.

Ich war heute wegen des Feiertags nicht arbeiten und der Tag recht ruhig. Aber mir ist verstärkt aufgefallen, wie sehr mich meine Katze im Moment stört. Aktuell weiß ich kaum, wie ich mit dem Tier umgehen soll. Ich habe den Eindruck, als würde er sich wie ein Elefant durch die Wohnung bewegen. Ich höre ihn, wenn er durch die Räume läuft und wenn er übers Dach geht. Besonders schlimm ist sein Spieltrieb, er rutscht dann auf Teppichen durch die Wohnung oder kickt Bälle durch die Gegend. Warum macht mich das im Moment so wahnsinnig und wie kann ich das wieder in den Griff bekommen, ohne dem Tier gegenüber ungerecht zu sein?

Ich hatte am Dienstag noch einen Gedanken, bei dem ich nicht wusste, ob es klug ist, da näher drauf einzugehen. Aber vielleicht erklärt es etwas. Sie hatten sich meiner Erinnerung nach gewundert, dass kein schulisches Hilfssystem angesprungen sei während meiner Schulzeit. Ich habe da auch noch einmal drüber nachgedacht und glaube, dass das damals auch gar nicht möglich gewesen wäre. Im Kindergarten und in der Grundschule konnte ich ­ von wenigen kleineren Konflikten abgesehen ­ recht unauffällig mitlaufen. Ich war lieber alleine, ­ das ist auch durchaus aufgefallen, ­ aber so lange es keine Konflikte mit Lehrkräften gab, wurde ich kaum registriert – wahrscheinlich, weil Mädchen eben schüchtern sind? Meine Klassenkameraden habe ich so direkt gar nicht wahrgenommen, ich ließ sie in Ruhe, so lange man mir meine Ruhe ließ. Und es gab durchaus laute und auffällige Schüler, die teils auch sehr aggressiv waren, das war häufiger ein Thema, das die Lehrer beschäftigte.

In den zwei Jahren, die ich auf der ersten weiterführenden Schule war, waren die Konflikte hingegen wesentlich heftiger – allerdings habe ich die Ursachen und Anbahnungen dieser Konflikte nie kommen sehen. Es kam immer wieder zu Gängeleien, vor allem von seiten zweier Lehrkräfte. Letzten Endes und nach gut zwei Jahren konfrontierte man meine Eltern und mich überraschend mit einer Schulsuspendierung. Meine Eltern suchten daraufhin das Gespräch mit den Lehrkräften, allerdings liefen sie hier gegen eine sprichwörtliche Wand. Die Suspendierung sei auf Anraten des Schulpsychologen geschehen, den ich bis dahin und auch danach nie zu Gesicht bekommen hatte. Heute weiß ich, dass diese Suspendierung so auch keineswegs erlaubt war, es gab keine Klassenkonferenz, keine Elterngespräche – und auch in der Schulakte tauchte diese Suspendierung nicht auf, wie ich Jahre später erfuhr. Trotzdem legte mir die Schule auf, dass ich – wieder auf Anraten des Schulpsychologen – in der Woche, die ich zu Hause verbringen musste, das Haus nicht verlassen und keinen Kontakt zu Klassenkameraden haben durfte. Das war der Punkt, an dem meine Eltern sich entschlossen, mich von der Schule zu nehmen. Damals wussten sie schlicht nicht, dass weder die Suspendierung rechtens oder gar genehmigt war, noch dass die Schule das Recht hatte, mir einen Hausarrest und eine Kontaktsperre aufzuerlegen.

Nach dem Schulwechsel war mein Misstrauen dann natürlich entsprechend groß. In der neuen Schule hielt ich mich von Lehrern und Schülern gleichermaßen fern, auch wenn hier die Bosheiten vor allem von Klassenkameraden ausgingen.

Ich weiß nicht, ob das Ihre Frage beantwortet, warum kein „Hilfssystem ansprang“, wie Sie es formulierten. Ich würde behaupten, dass ­ selbst wenn diese Systeme „ansprangen“ ­ sie keine Chance hatten, das Ziel zu erreichen – ich hatte schließlich gelernt, dass es nur ein unauffälliges Mitschwimmen ermöglicht, einigermaßen in Ruhe leben zu können.

Mit lieben Grüßen

Sophie“

 
Hinterlasse einen Kommentar

Verfasst von - 22. März 2014 in Briefe

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , ,

Zwischen Gedanken – Nach der dritten Sitzung

Sophie:

Als ich den Philosophen verlasse, ist der Parkplatz frei. Es ärgert mich ungemein, dass mein Wagen auf dem falschen Platz steht. Die Räder der vorbeifahrenden Autos auf dem Kopfsteinpflaster erscheinen unglaublich laut, die Scheinwerferlichter greller als sonst. Ich versuche, es zu ignorieren.

Nach Hause fahre ich einen Umweg. Ich kenne die direkte Strecke nicht, nur die über meine Arbeit. Also fahre ich erst zu meiner Arbeit und von da aus nach Hause. Der Philosoph sagte mir, ich bräuchte nur zwanzig Minuten bis nach Hause. Auf dieser Strecke brauche ich vierzig. Immer wieder geblendet von den grellen Scheinwerfern.

Platon:

Ich habe mir vorgenommen, mein Interesse und meine Neugier weniger stark zum Ausdruck zu bringen. Ich werde meine Fragen deutlich reduzieren. Ich werde etwas passiver werden, um ihr Raum für eigene Aspekte und Themen zu ermöglichen. Ich möchte sie nicht mit meinen Fragen erdrücken. Darum hatte ich ihr am Ende des Gesprächs noch gesagt, dass ich unsicher sei mit meinen vielen Anfragen und nun ihr die Initiative überlassen werde. Ich bin gespannt, wie sie darauf reagiert.

Auch die dritte Sitzung hat bei mir wieder mehr Fragen als Antworten generiert. Und wieder bin ich mit mir nicht ganz zufrieden. Einerseits. Ich habe aber ­ ohne es begründen zu können – andererseits den Eindruck, dass ich ihrem Sein, ihrer Art zu denken näher gekommen bin, als sie üblicherweise im Alltag erfährt. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum sie meine vielen Unzulänglichkeiten toleriert.

Sophie:

Ich bin unsicher, wie ich es einordnen kann, dass er angekündigt hat, vorerst nicht zu schreiben. War es nur eine einfache Ankündigung? Oder bahnt sich da gerade wieder ein Problem an, weil im Sub-Text noch irgendeine andere Aussage verborgen ist? Habe ich wieder irgendetwas falsch gemacht, ohne es zu merken?

Die Lichter am Straßenrand lenken mich ab. Dazu selbst die kleinen, mir vertrauten Geräusche im Wagen, die sich anfühlen, die falsch klingen, zu laut sind. Ich muss in die Wohnung. Irgendwohin, wo es ruhig ist und dunkel. Die Konzentration strengt an, so dass ich bereits den Faden zur Sitzung verliere.

Platon:

Ich mache mir Gedanken, wie es weitergehen kann. Ich versuche, die Dinge zu sortieren, zu gewichten. Der Arztbesuch erscheint mir wichtig, daran möchte ich festhalten. Die Sicherung des Arbeitsplatzes ist ein weiteres großes Thema. Wobei ich mir immer noch nur sehr schwer vorstellen kann, wie es mit ihr überhaupt funktioniert am Arbeitsplatz. Die vielen Termine, Planänderungen, Unwägbarkeiten, nötige Flexibilität, Gelassenheit. Viele Menschen, Machtspielchen, Klatsch und Tratsch. Das volle Programm.

Ich frage mich, wie sie überhaupt auf die Idee gekommen ist, sich so weit fern von Familie und  Bekannten und auf sich gestellt sich dem Job und dem rauen Leben zu stellen.

Vielleicht beurteile ich aber die Situation auch falsch. Ich bin unsicher. Schon wieder unsicher.

Sophie:

Ich gehe im Dunkeln zur Wohnungstür. Habe die nächsten Schritte klar vor Augen und alles mich sonst umgebende ausgeblendet, habe nur noch eine Art Tunnelblick. Schlüssel und Schloss. Mehr existiert nicht. Die Sitzung – vergessen.

Der Schlüssel hakt, verhakt. Ich probiere es wieder, weiß nicht, wie viel Zeit vergeht. Es können nur Sekunden sein, aber es reicht, dass ich in einen Zustand zwischen Stress und Panik gerate und den Schlüssel am liebsten wegwerfen würde. Unangemessen, ich weiß. Das rede ich mir ein. Damit ich den Schlüssel nicht wirklich wegwerfe. Endlich öffnet sich die Haustür und ich betrete die Wohnung. Wohl fühle ich mich trotzdem nicht. Ich lasse das Licht aus, hoffe, dass die Dunkelheit und die Stille dazu beitragen, dass sich die überreizten Sinne regenieren. Dass der Druck im Kopf nachlässt.

Platon:

 Wie kann es weitergehen? Kann es weitergehen?

Ich werde die Dinge, die ich für wichtig erachte, in einem Plan zusammenfassen. Das wird sie mögen. Hoffe ich. Und ich habe den Eindruck, dass sie noch nicht so viele positive Erfahrungen im Rahmen von persönlichen, unmittelbaren Begegnungen gesammelt hat. Oder noch allgemeiner gesagt, dass sie bisher im Aufbau und der Aufrechterhaltung von sozialen Kontakten überwiegend Schiffbruch erlitten hat. Das möchte ich ändern. Ich möchte ihr vermitteln, dass Kommunikation möglich ist, ohne Angst vor Unangemessenheit, vor Häme, vor Spott und Gelächter. Ohne diese permanente Unsicherheit.

Ich überlege, was sie wirklich braucht. Sicherheit. Ruhe. Struktur. Einen Rückzugsort, der ihr dieses gibt. Orientierung. Verständnis. Wertschätzung. Menschen, die ihr dieses geben. Herausforderung, Begeisterung, Erfolg. Aufgaben, die ihr dieses geben.

 
2 Kommentare

Verfasst von - 6. Februar 2014 in Alltägliches, Zwischen Gedanken

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , ,

Die dritte Sitzung – Teil III

Sophie:

Er scheint etwas zu suchen. Geht um den Schreibtisch, auf dem sich bereits wieder ein leichtes Chaos breit gemacht hat, hebt Ordner und Blöcke an, murmelt etwas unverständliches. Ich überlege, ob er etwas zu mir gesagt haben könnte, da setzt er sich wieder hin. „Ich finde den Flyer nicht.“ Ich nehme die Information zur Kenntnis, da springt er wieder auf und beginnt erneut, die Ordner und Blöcke wieder hochzunehmen. Ich kann mir das Lachen nicht verkneifen und mache ihn darauf aufmerksam, dass er erst vor wenigen Augenblicken an diesen Orten nachgesehen hat. „Glauben Sie ernsthaft, dass der Flyer nun dort liegt, obwohl er es vor einer Minute noch nicht tat?“ Er muss selbst lachen. „Ziemlich bescheuert, oder?“ Ich komme nicht umhin, die Sinnlosigkeit seiner zweiten Suche zu bestätigen. Und merke zugleich, dass ich das außerhalb dieser vier Wände nicht so offen gesagt hätte. Die Gefahr, dass jemand das, was ich sage, als Angriff oder Beleidigung aufgefasst hätte, wäre zu groß. Oft wird nicht verstanden, dass ich die Dinge so meine, wie ich sie sage. Ohne Zwischentöne oder versteckte Botschaften.

Platon:

Das Telefon klingelt. Ich merke, wie sie zusammenzuckt. Ich lasse es durch klingeln, solange ist Gesprächspause. Ich merke auch, wie sehr sie der Lärm auf der Straße stört. Mir war das bisher nie so deutlich aufgefallen. Mittlerweile fühle ich regelrecht mit, wenn wieder ein großer LKW durch den Ort fährt.

Sie vermutet auch Tiere bei mir im Raum, oder zumindest im Fußboden. Und eine Mücke im Raum ist besonders lästig. Aber erschlagen darf ich die Mücke nicht, sie sagt die könne da ja auch nichts für. Auch das Licht habe ich mittlerweile so gut es geht abgedunkelt.

Sophie:

Das Telefon klingelt. Genauer: Vier Telefone klingeln. Damit habe ich nicht gerechnet. Ein störendes Geräusch. Es frisst soviel Aufmerksamkeit, dass ich dem Gespräch kaum folgen kann und selbst den Faden verliere. Also sage ich nichts mehr. Und bin verwundert, dass er auch nichts sagt. Er verspricht, das Telefon beim nächsten Mal auszumachen. Dabei sind ständig irgendwelche Geräusche in diesem Raum. Geräusche, die er gar nicht wahrzunehmen scheint. Das Vibrieren des Handys auf dem Schreibtisch. Der Laptop, der im Stand-By vor sich hin summt. Das Trappeln kleiner Pfoten in der Wand. Das leise Platschen, wenn die Fische im Aquarium sich plötzlich bewegen. Hustende Nachbarn. Schritte im Haus. Der ständige Verkehr vor dem Fenster. Und das Summen einer Fliege. Zumindest die scheint er auch wahrzunehmen, denn er fragt, ob er sie erschlagen soll. Ich verneine. Menschen neigen dazu, gerade kleine Tiere als Störfaktor zu betrachten, die man ohne Bedenken töten darf. Aber die Tiere wissen nicht, dass sie sich in einen Raum verirrt haben, in dem sie als Störfaktor wahrgenommen werden. Draufschlagen scheint da einfacher zu sein als das Tier einzufangen und draußen wieder einzusetzen. Zweiteres ist vielleicht mühsamer. Aber in meinen Augen auch respektvoller.

Ich weiß nicht, ob er das versteht. Aber er lässt die Fliege in Ruhe.

Er bringt unvermittelt den Vorschlag eines Arztbesuchs. Er hielte es für sinnvoll. Ich nicht. Ich mag es nicht. Und versuche, aus der Situation zu kommen. Äußere mich nicht näher dazu. Und hoffe, dass er das Thema schnell wieder vergisst.

Platon:

Ich mache mir Gedanken um ihre Gesundheit, sie isst einseitig, und sie schläft zu wenig. Hinzu kommt, dass sie offenbar sehr schreckhaft und wachsam ist. Auch schon beim letzten Besuch.

Insgesamt scheint sie zusätzlich eine stark erhöhte Körpererregung und Anspannung zu haben. Sie knetet permanent ihre eigenen Finger, sitzt sprungbereit auf der vorderen Sesselkante. Das hat nicht unbedingt etwas mit Autismus zu tun. Darauf werde ich sie noch ansprechen. Aber nicht jetzt.

Ich empfehle ihr, einen Arztbesuch aufgrund der sehr starken Müdigkeit in Erwägung zu ziehen. Ich sage, dass ich sie dabei unterstützen würde. Sie sagt, dass Arztbesuche bisher Erfahrungen waren, auf die sie gerne verzichten könne. Ich denke, dass ich das mit ihr bestimmt besser hinbekomme.

 
 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , ,

Die dritte Sitzung – Teil I

Sophie:

Mein Parkplatz ist besetzt. Dahinter sind fünf Plätze frei, aber auf meinem steht ein Auto. Ich schaue auf die Uhr und bin froh, dass ich – wie immer – zu früh bin. Einen Moment halte ich Ausschau, ob ich vielleicht den Fahrer des Wagens auf meinem Parkplatz sehen kann. Nichts.

Noch mal ein Blick auf die Uhr – sicher ist sicher. Ich biege links ab, folge dem schmalen Weg, halte mich die nächste Abbiegung wieder links. Der Theorie nach müsste ich dann irgendwann wieder an dem Ort herauskommen, wo ich meine Rundfahrt gestartet habe. Ich habe nur nicht mit den verwinkelten Straßen gerechnet und bereits nach wenigen Metern die Orientierung verloren.

Blick auf die Uhr. Da, plötzlich, eine Wegmarke. Ich weiß wieder, wo ich bin. Biege erneut in die Straße vor der Praxis ein. Mein Parkplatz ist immer noch besetzt.

Blick auf die Uhr. Noch eine Runde um den Block. Der Wagen steht immer noch auf meinem Parkplatz.

Blick auf die Uhr. Eine weitere Runde schaffe ich nicht, dann komme ich zu spät. Und wenn der Parkplatz dann nicht frei ist? Ich muss mein Auto auf dem Parkplatz dahinter abstellen, mir bleibt nichts anderes übrig.

17:27 Uhr. Ich behalte die Straße im Blick, hoffe, dass der Fahrer des Wagens kommt. Dann könnte ich noch zurücksetzen und meinen Wagen dort abstellen, wo er die beiden vergangenen Wochen auch stand. Niemand kommt.

17:28 Uhr. Kein Mensch in Sicht. Der fremde Wagen bleibt auf meinem Parkplatz. Mein Wagen steht auf dem falschen. Aber es ist Zeit. Ich wäge ab. Zu spät kommen ist schlimmer als mein Auto auf dem falschen Parkplatz. Aber richtig wäre es, wenn ich pünktlich wäre UND mein Auto auf dem richtigen Platz steht.

Ich habe keine Wahl. Aussteigen. Abschließen. An der Beifahrertür einmal kontrollieren, ob der Schließmechanismus funktioniert. Die Straße überqueren, bis zum Haus. Noch mal ein Blick zurück. Vielleicht kommt der Fahrer doch noch? Nichts.

Punkt 17:30 Uhr drücke ich auf die Klingel, die blau blinkt. In Gedanken bin ich noch beim Parkplatz.

Platon:

Ich bin auf die Sitzung gespannt. Ich merke, wie ich zwischendurch immer wieder an das kommende Gespräch denken muss. Ich versuche meine Eindrücke und Fragen zu sortieren. Ihre Antworten möchte ich verstehen. Aber nicht jede einzelne ihrer Antworten isoliert verstehen, sondern das Gesamtbild. Nicht nur einige gern oder weniger gern gesehene Facetten, die vielleicht aus unterschiedlichen Gründen besonders hervortreten, sondern die gesamte Person als solche in ihrer Vielfalt und Komplexität verstehen. Es fällt mir schwer. Diesmal wird mir das besonders bewusst. Sonst denke ich nicht derart darüber nach. Ich habe fast den Eindruck, als wäre ich jetzt gleichermaßen fasziniert und überrascht von meiner eigenen Unfähigkeit, von ihr einen Gesamteindruck zu erhalten. Und wenn es auch zunächst wenigstens nur ein vorläufiger Eindruck wäre. Aber es gelingt mir offenbar nicht. Vielleicht sehe ich sie bis jetzt genauso wie sie die Welt sieht: Nur einzelne Details, aber kein richtiges Gesamtbild.

Sie klingelt wieder pünktlich auf die Minute. Ich öffne, und das gleiche Ritual wie beim letzten Besuch startet. Allerdings weise ich erst noch auf die Baumaßnahmen im Flur hin. Eine Antwort bekomme ich darauf nicht wirklich. Ich bitte sie dann wieder in den Raum, ich bitte sie sich zu setzen, ich bitte sie, sich sicher und wohl zu fühlen. Sie blickt sich um. Ich habe wieder die mir bekannten Fixpunkte unberührt bzw. gut sichtbar für sie gelassen. Ich sehe, wie sie auf meine Schuhe blickt. Ich habe extra wieder das Paar angezogen, welches ihr besser gefallen hatte. Sie lächelt.

Sophie:

Der Flur ist verändert. Ein Gerüst steht direkt hinter der Tür. Der neue Windfang – oder das, was davon bereits steht. Der Philosoph hat davon geschrieben, darauf konnte ich mich einstellen. Nicht einstellen konnte ich mich darauf, dass mein Auto heute auf dem falschen Parkplatz stehen muss. Ich mag sowas nicht. Also suche ich Bekanntes.

Die Muschel ist da, im Glas, wo sie hingehört. Die Schachfiguren daneben. Der abgerissene Schnürsenkel, er hat wieder die anderen Schuhe an, aus der ersten Sitzung. Das Chaos im Regal – Chaos zwar, aber immerhin verlässlich Chaos. Er scheint kein System in den Büchern zu haben. Manche sind vertauscht, er muss sie herausgenommen und anders wieder eingestellt haben. Ein Teil der Bücher sind immer noch eingeschweißt. Ich finde das respektlos, wage aber nicht, es zu sagen. Jedes meiner Bücher hat seinen festen Platz im Regal. Sie sind ordentlich sortiert, ich kenne jedes einzelne und weiß genau, wo ich es finde. Und jedes meiner Bücher verdient es, gelesen zu werden. Nicht irgendwann. Sondern sofort. Bücher nicht einmal auszupacken – das geht nicht. Er sagte, keine Sanktionen. Es ist mir wichtig, dass man Bücher mit Respekt behandelt. Ich wage es trotzdem nicht, etwas zu sagen.

Platon:

Sie schaut sich wieder im Raum um. Ich lasse ihr die Zeit. Ihr Blick bleibt beim Regal hängen. Es ist immer noch unsortiert. Ich habe fast den Eindruck, einen missbilligenden Blick bei ihr zu erkennen. Sie sagt, ich hätte einige Bücher umgestellt oder ganz raus bzw. neu wieder einsortiert. Falsch sortiert. Ich stimme zu.

Mir wird wieder dieser besondere „Bruch“ in meiner Wahrnehmung besonders deutlich. Wie beim letzten mal. Die unmittelbare Begegnung mit ihr trifft und berührt mich offenbar völlig anders als es bei der schriftliche Kommunikation der Fall ist. Ich beobachte meine eigene Empfindung.

Ich erzähle ihr von ihren Beiträgen, die ich im Internet gelesen habe. Und von meinen Irritationen, die durch diese Beiträge bei mir entstanden sind. Sie gibt mir eine Antwort, die ich wohl nicht bis in alle Tiefe verstehe. Ich merke aber auch, dass Nachfragen jetzt nicht sinnvoll ist. Ich gebe ihr zu verstehen, dass die Antwort für mich völlig okay ist. Und so ist es auch wirklich.

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , ,

6. Nachricht von Sophie an Platon – Teil III

Sophie:

“ […] 5. Auch das ist ein Beispiel, das unwahrscheinlich ist. Aber es gab mal während meiner Schulzei jemanden, der vielleicht dem nahe kam, was man als „Freundin“ bezeichnet. Wir galten beide als seltsam, waren beide Außenseiter und interessierten uns beide für Star Trek. Es gab keine dieser „Wir umarmen uns, weil wir Freunde sind“-Szenen und keine inhaltsleeren Gespräche. Sie atte ein neues Star­-Trek­-PC­-Spiel, dann kam ich zu ihr und wir spielten es durch. Ich hatte ein neues Raumschiff­, dann kam sie und schaute es sich an und wir erörterten, ob der Maßstab korrekt ist oder die Details angemessen ausgearbeitet sind. In den Schulpausen trafen wir uns immer an der gleichen Stelle und sprachen über die Star­-Trek-­Folge, die am Vortag gelaufen war. Wir entwickelten ein Spiel, eine von uns nannte eine Kennnummer (z. B. 74656) und die andere musste dann sagen, welcher Raumschifftyp das ist und wie das Schiff heißt (Intrepid­ Klasse, U.S.S. Voyager) Es war einfach, klar und strukturiert.

Wenn es nichts zu sagen gab, sagten wir nichts. Und vor allem gab es nie diese Missverständnisse, weil jemand Dinge verstand, die nie gesagt worden waren. Wir kannten uns insgesamt zwei Jahre, dann verließ sie die Schule und der Kontakt brach ab.

Ja, es hilft mir, wenn ich solche Dinge vorab weiß. Gerade Bauarbeiten machen mich generell nervös, sie sind mit Veränderungen, Staub und vor allem Lärm verbunden.

Ich war bislang einmal auf einer Insel, habe das aber als extrem voll in Erinnerung. Bis zur Ostseite kam ich dann wohl gar nicht, die Strände, die ich sah, waren voll mit Menschen.

Vielleicht sollte ich noch mal einen Versuch wagen, denn grundsätzlich mag ich die See. Vor sieben Jahren war ich auf einer Hallig, kurz nach meiner Ankunft gab es einen heftigen Sturm und dann ein Land­Unter. Ich mag die Weite, den Blick bis zum Horizont, die Dünenlandschaft, den Wind, das Salz in der Luft, die Bewegung des Wassers, das Sonnenlicht, das sich dort spiegelt, die Muscheln, die Seehunde, die Leuchttürme, die Deiche, die Schafe, die Möwen (vor allem ihren Flug bei Sturm), die Art, wie die Wellen brechen, das Sammeln der Zugvögel und auch das vermeintlich „Karge“. Aber ich mag auch den Sturm, wenn es kalt und windig wird, wenn die See sich nicht bändigen lässt, wenn die Gewitterwolken aufziehen und es in Strömen regnet.

Wenn es mir bislang zu laut vor Menschen geworden ist, bin ich meist Richtung Leuchtturm gefahren, dort sind ab dem beginnenden Herbst weniger Menschen als in den Orten und ich habe meine Ruhe. Aber vielleicht war ich bislang auch nur auf der „falschen Seite“ der Insel.

Liebe Grüße

Sophie“

 
Hinterlasse einen Kommentar

Verfasst von - 30. Januar 2014 in Alltägliches, Briefe

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , ,

6. Nachricht von Sophie an Platon – Teil II

Sophie:

„[…] 2. Ich nehme an, Sie wollen nicht über das „Wie“ des Sehvorgangs informiert werden, sondern über das „Was“? Ich habe den Eindruck ­ allerdings keine Vergleichswerte ­ dass ich genauer als andere Menschen sehe. Grundsätzlich sind ­ trotz Brille ­ meine Augen sehr gut, meine ursprüngliche Sehstärke lag bei 150 Prozent und ist im Moment noch bei 130 Prozent. Die Abnahme von 20 Prozent hat mich jedoch sehr gestört, da ich für mein Empfinden ohne Brille zwischenzeitlich schlecht sehe. Außerdem ist die Brille ein Hilfsmittel, sie „rahmt“ mein Blickfeld ein, daher wollte ich auch keine randlose Brille.

Wenn ich mit der Kamera arbeite, bekomme ich oft die Rückmeldung, dass ich Dinge sehe, die andere nicht wahrnehmen oder über­sehen. Bestimmte Dinge sehe ich besonders gerne, klare Linien, regelmäßige Strukturen, fließende Bewegungen. Unregelmäßigkeiten oder Ungenauigkeiten fallen mir ziemlich schnell auf, teils schon direkt beim Betreten eines Raumes. Das kann eine Teppichfluse sein (wie vergangene Woche bei Ihnen auf dem Boden), ein Nagel in der Wand, ein Riss in der Deckenlampe und anderes. Und ich bekam während der Kameraausbildung gesagt, dass ich eine „ungewöhnliche Perspektive“ auf die Dinge hätte ­ was auch immer damit gemeint ist.

3. Bei meinen eigenen Bildern kommen in der Regel keine Menschen vor. Ich fotografiere Menschen sehr ungern (es gibt genau ein Bild, auf dem ein Mensch zu sehen ist. Der ist mir reingelaufen und ich wollte es löschen, aber dann sah ich, dass die Person ausnahmsweise nicht stört). Für die Arbeit ist es nötig, aber da gehen meist Gruppenbilder. Ab und zu habe ich da mal einen Glückstreffer.

Wenn ich mit meiner Kamera unterwegs war, hatte ich kein konkretes Vorgehen. Ähnlich wie bei der Brille hat der Blick durch den Sucher meinen Blick begrenzt, das mochte ich. Ich nenne das immer „der Welt einen Rahmen geben“ ­ ich kann mich auf das, was ich im Sucher sehe, konzentrieren, was links und rechts davon ist, nehme ich durch die Kamera nicht mehr wahr. Bei der Bildeinrichtung gehe ich nach Gefühl. ­ In dem Buch las ich einen Namen, der zu dem Gefühl „passt“. Es wird dort als „Just­ Right“ bezeichnet. Und genau das ist es. Ich kenne einige Dinge wie den goldenen Schnitt, aber das ist bei meinen Bildern nicht ausschlaggebend. Ich sehe das Bild und „weiß“ in dem Moment, dass es so und nur so „richtig“ ist.

4. Es gibt keine Wunder. Unabhängig davon kann ich aber auch nicht sagen, woran ich es merken würde. Ich sehe, dass viele Dinge bei anderen Menschen anders laufen als bei mir, aber ich weiß nicht, woran man merkt, dass es so richtig ist. […]“

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 28. Januar 2014 in Alltägliches, Briefe

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

6. Nachricht von Platon an Sophie

Platon:

„Hallo Sophie,

es sind nicht so viele Fragen. Ich will Sie auch nicht zu sehr von Ihren anderen Dingen abhalten.

1. Beschreiben Sie drei Probleme der letzten Wochen bei der Ausführung Ihrer Arbeit (Schwerpunkt soziale Interaktion).

2. Beschreiben Sie, wie Sie sehen, wie Sie also die Welt visuell wahrnehmen.

3. Ich glaube, Sie hatten es schon erwähnt. Sie fotografieren gerne. Wie gehen Sie vor, um den Bildaufbau und den richtigen Moment abschätzen zu können, wenn Menschen Motiv sind?

4. Wenn über Nacht ein Wunder geschehen würde, und Ihre Probleme plötzlich größtenteils behoben wären, woran würden Sie das am nächsten Tag feststellen?

5. Wenn alle Menschen so wären wie Sie, wie wäre dann die soziale Interaktion auf unserem Planeten. (Hierzu könnte man vermutlich einen ganzen Roman schreiben. Vielleicht beschreiben Sie einfach nur die Dinge, die Ihnen ganz spontan zuerst einfallen).

Mich hat übrigens ein Anflug von Ordnungsliebe getroffen, ich habe aufgeräumt. Nur das Regal ist noch unverändert. Ihre Muschel habe ich allerdings nicht einen Millimeter verschoben. Ich habe Ihnen auch neue Fixpunkte besorgt, damit Sie sich schnell wieder orientieren können.

Zudem wird gerade ein Windfang im Flur gebaut, also nicht erschrecken, wenn Sie Mittwoch das Haus betreten (helfen Ihnen solche Ankündigungen zur Vorbereitung?).

Waren Sie schon einmal an der Küste? Ich könnte mir vorstellen, dass die Strände Ihnen sehr gefallen würden: so gut wie keine Menschen, eine ganz klare, waagerechte Horizontlinie. Natürliche Farben, natürliche Struktur (Wasser, Strand, Dünen). Keine Hindernisse, vor die man laufen könnte oder denen man aus dem Weg gehen muss. Und vor allem: klare, saubere Luft. Wenn es einen Ort gibt, der das Gegenteil einer Großstadt sein könnte, dann wäre es aus meiner Sicht einer dieser Strände.

Liebe Grüße

Platon“

 
9 Kommentare

Verfasst von - 25. Januar 2014 in Alltägliches, Briefe

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , ,

5. Nachricht von Sophie an Platon – Teil III

Sophie:

“ […] 6. Ziemlich eindeutig eine Notwendigkeit. Ich mag bestimmte Lebensmittel mehr als andere, aber ich bin nicht so „verrückt“ danach wie andere es scheinen.

7. Ja, ich kenne Smileys. Und nein, ich verwende sie selten. Ich habe es mal mit der Verwendung von Smileys versucht, diese aber eher nach „Gefällt mir“­Kriterien ausgewählt. Das hat dann in der schriftlichen Kommunikation zu Irritiationen geführt, weil der Smiley eine Bedeutung hatte, die mir nicht ersichtlich war und ich ihn demnach falsch verwendet habe.

Daher bin ich dazu übergegangen, die meiste Zeit gar keine mehr zu verwenden.

8. Ich weiß nicht, wie man Müdigkeit beschreiben kann. Ich merke dann, dass ich leicht irritierbar bin, mich wahnsinnig viele Dinge in meinem Umfeld stören und auch schneller als sonst überfordern. Außerdem reagiere ich dann sehr empfindlich darauf, wenn Planungen nicht funktionieren. Es ist ambivalent ­ einerseits halte ich dann extrem an meinen Plänen fest, weil mich ein Abweichen ganz aus dem Konzept bringt, gleichzeitig habe ich aber eigentlich gerade nicht das Bedürfnis, das zu tun, was ich mache. Dinge außer der Reihe kann ich dann nicht machen.

9. Was meinen Sie damit? Ich habe keine „Techniken“, wüsste aber auch nicht, was Sie konkret damit meinen könnten.

10. Wenn Sie die Frage gelöscht haben, warum schreiben Sie dann auf, dass Sie sie gelöscht haben?

Liebe Grüße

Sophie“

 
3 Kommentare

Verfasst von - 23. Januar 2014 in Alltägliches, Briefe

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , ,

5. Nachricht von Sophie an Platon – Teil II

Sophie:

„[…] 2. Ihr Schuh und der damit verbundene Schnürsenkel ist ein beweglicher Punkt. Allerdings haben bewegliche Fixpunkte auch ihre Tücken, denn sie können meine Aufmerksamkeit auch komplett absorbieren. Besonders gefährlich ist das bei Gegenständen, die sich drehen, da muss ich mich zwingen, nicht hinzusehen, denn dann bekomme ich gar nichts mehr mit.

Was Ohr oder Brille angeht, meine ich zu wissen, worauf Sie hinauswollen. Es gab Menschen, die versucht haben, mich dazu zu bringen, ihr beim Gespräch zumindest auf die Nasenspitze zu schauen, um so wenigstens die Illusion eines Blickkontaktes zu schaffen. Die Punkte, die mich im Raum anziehen, haben jedoch meist einen besonderen Reiz, weswegen ich sie auch als Fixpunkte wählen und nutzen kann. Die Muschel im Glas auf Ihrer Fensterbank hinter Ihrem Schreibtisch ist zum Beispiel gedreht, ich mag diese Muschelform sehr. Das Verhältnis der einzelnen „Muschelringe“ entspricht einem mathematischen Zahlenverhältnis, da übrigens sehr häufig in der Natur zu finden ist. Im Fall der Muschel kann man dieses Zahlenverhältnis aber von vorneherein „sehen“. Das wiederum macht die Muschel als Fixpunkt für mich interessant, sie ist etwas, worüber ich nicht nachdenken, mich nicht darauf konzentrieren muss. Ich weiß nicht, ob es dauerhaft möglich wäre, mich auf eine Brille zu fixieren. Im Fall der Nasenspitzewar es so, dass ich nicht mehr mitbekommen habe, was sie eigentlich sagte, weil ich so damit beschäftigt war, ihre Nase nicht „zu verlieren“.

3. Als ich Ihnen mein Handy gab, war ich mehr darauf konzentriert, wie ich Ihnen das Gerät übergeben kann, ohne Ihre Hände zu berühren. Da Sie das Handy mit beiden Händen entgegen genommen haben, ist mir das allerdings nicht gelungen. Zusätzlich bin ich niemand, der gerne Dinge aus der Hand gibt – ­ wahrscheinlich, weil ich sie dann nicht mehr direkt unter Kontrolle habe und nicht klar bestimmen kann, was als Nächstes kommt oder ob mit diesen Dingen „richtig“ verfahren wird. Ich habe bei vielen Dingen ein System oder eine für mich durchaus logische Ordnung, die ich als schön empfinde und die mir zudem hilft, meine Sachen wieder zu finden. Wenn andere Leute da dann etwas verändern, verliere ich Zeit, weil ich die Dinge entweder wieder ordnen muss oder aber Teile suchen muss. Zurückgegeben haben Sie mir das Handy übrigens mit nur einer Hand, da war es dann einfacher, eine Berührung zu umgehen.

4. Ich habe keinen „festen“ Schlafrhythmus, scheint mir. Pro Nacht komme ich auf einige Stunden, bin dazwischen aber mehrfach wach. Es gibt zudem Nächte, in denen ich gar nicht schlafe. Eine Nacht ohne Schlaf kann ich kompensieren, bei zwei und mehr merke ich doch erhebliche Einbußen im Tagesablauf.

5. Ja, ich träume. Vorrangig akustisch, wobei ich das, was ich höre, meist auch einer konkreten Situation zuordnen kann, dem also im Nachhinein „Bilder“ geben kann. Es gibt aber auch immer mal wieder Träume mit visuellen Eindrücken, wobei mir dann auch meist klar ist, dass ich träume. Und Träume mit einer Art „Nicht­Sicht“ ­ ich nehme akustische Reize wahr und mir ist in dem Moment bewusst, dass ich nicht sehe, aber es gelingt mir nicht, die Augen zu öffnen. Diese Nicht­-Sicht ist zudem gekoppelt an irgendwelche Wendeltreppen, die ich nach oben muss oder wenn ich durch sehr enge Passagen hindurch soll.

Allerdings habe ich immer wieder Phasen, bei denen irgendetwas in der Schlaf­-Regulation „stottert“. Dann setzt die eigentlich für die REM­-Phase typische Paralyse ein, ich bin aber eigentlich noch wach. Seit ich weiß, was da genau passiert, habe ich mich einigermaßen daran gewöhnt. Vorher habe ich immer versucht, den Zustand aktiv aufzuheben, indem ich einen Finger bewege (was in dem Fall wirklich Schwerstarbeit ist), zwischenzeitlich warte ich einfach ab. […]“

 
3 Kommentare

Verfasst von - 21. Januar 2014 in Alltägliches, Briefe

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , ,