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Archiv der Kategorie: Das Kochen

Zwischen Gedanken – Nach dem Kochen

Sophie:

Nachdem der Philosoph gegangen ist, stehe ich etwas ratlos vor den beiden Töpfen. Schließlich mache ich das, was ich immer mache und fülle Wasser in den mit den Spinatresten. So trocknet erst mal nichts an. Aber ich glaube, ich bleibe weiterhin bei meiner Ein-Topf-Methode. Das Ergebnis ist das gleiche und es scheint mir effizienter zu sein.

Nach wenigen Stunden merke ich, dass etwas nicht stimmt. Ich kann nicht genau einordnen, was es ist und benutzte eine bewährte Taktik: Nach und nach werden einzelne Körperregionen durchgegangen und auf ihre korrekte Funktionalität überprüft. Findet sich hier nichts Auffälliges, widme ich mich äußeren Faktoren und schaue, ob irgendetwas ist, was unter Umständen eine Reaktion hervorrufen könnte. Allerdings ist in diesem Fall der Urheber relativ schnell gefunden – offenbar vertrage ich das Mittagessen nicht.

Platon:

Ob man das Ganze nun „kochen“ oder „zubereiten“nennen möchte, ist letztlich unerheblich. Für mich sind jedoch bei dieser ganzen Thematik zwei Faktoren von besonderem Interesse:
1. das Zubereiten der Nahrungsmittel von Sophie überhaupt einmal  miterleben zu dürfen.
2. Möglichkeiten zu finden, die tägliche Ernährung qualitativ zu bereichern.

Punkt eins ist uns wohl teilweise geglückt und war zwischenzeitlich sogar von Heiterkeit geprägt, aber auch von Irritationen. Mir ist aber auch klarer geworden, dass bestimmte Routinen von Sophie durchaus sinnvoll sind, auch wenn ich sie für unvorteilhaft halte. Sophie möchte etwas ändern, aber es muss ein Weg sein, den sie selbt einschlagen will und kann. Sophies Körpergewicht  nimmt von Woche zu Woche ab, da sollte schon irgendwann von ihr  gegengesteuert werden. Sophie hat offenbar weniger Empfindung für Hunger, Durst, Kälte, Wärme. Es geht ums Optimieren der bestehenden Ressourcen und Fähigkeiten. Es geht um ihre unendliche große permanente Müdigkeit, die sie überwinden möchte.

Sophie:

Die Nacht wird zur Tortur. Irgendwas scheint komplett aus dem Gleichgewicht geraten zu sein – wenn da denn mal eines war. Ich schlafe kaum und noch unruhiger als sonst. Der Philosoph vermutet, dass meine Probleme vom Öl kommen. Ich bin erst verwundert, denn solche Wirkungen hätte ich eher vermutet, wenn ich eine ganze Flasche davon getrunken hätte. Dass die paar Tropfen solch eine Wirkung haben, erstaunt mich. Wenn das der Preis für Varianz bei Lebensmitteln ist, weiß ich nicht, ob das mein Weg ist. Mir ist bewusst, dass die Einseitigkeit der Lebensmittel auf Dauer ungünstig wird – oder bereits ist. Wenn mein Körper sich aber dann auch noch gegen die Lebensmittel wehrt – und das sehr nachdrücklich – dann läuft irgendetwas schief.

Platon:

Punkt zwei ist leider zunächst gescheitert. Selbst winzigste Mengen vom Öl an den Nudeln haben offenbar sehr schnell zu erheblichen Verdauungsproblemen geführt. Andererseits zeigt dieser Versuch offenbar, wie einseitig die Verdauungsfunktionen von Sophie mittlerweile nur noch arbeiten. Fette können vermutlich nicht mehr richtig verarbeitet werden.

Ein wichtiger Faktor des allgemeinen Wohlbefindens ist unter anderem auch die Ernährung. Ich versuche, die richtige Balance zu finden zwischen „positiv motivieren und unterstützen“ und „nicht auf die Nerven gehen“. Denn Interventionen mit Öl, Käse und ähnlichen natürlichen Lebensmitteln sind aus meiner Sicht vorrangig und auch wesentlich harmloser als Versuche mit Medikamenten. Vor allem dann, wenn die aktuelle Nahrungsmittelzufuhr sehr einseitig ist.

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Das Kochen – Teil II

Sophie:

Das Wasser kocht auf den rechten Platten wirklich schneller. Mich irritieren die zwei Töpfe ein wenig, eine Dauerlösung ist das nicht. Der Philosoph hat zwischenzeitlich eine Flasche Öl hervorgezaubert, davon möchte er nachher etwas über die Nudeln gießen. Wusste ich es doch.

Als ich das Wasser abgießen will, stoppt er mich. Normalerweise würde ich den Deckel auf den Topf legen, festhalten und dann das kochende Wasser in den Ausguss schütten. Der Philosoph macht sich jedoch Sorgen um meine Finger, die ich mir bei der Aktion verbrühen könnte. Nicht, dass das jemals passiert ist. Der Deckel wird nach meinem Empfinden warm, mehr aber auch nicht. Der Philosoph macht irgendwas mit dem Handtuch und dem Deckel, aber das sieht nach gehobener Koordination und Motorik aus. Ich passe und würde gerne meine Methode verwenden, aber der Philosoph macht deutlich, dass er sich das nicht mitansehen könne. Er scheint wirklich davon auszugehen, dass das Wasser zu heiß ist. Sogar mir fällt auf, dass ihn das offenkundig nervös macht. Schließlich gehe ich als Kompromiss auf die Suche nach einem Sieb. Auch wenn ich wenig koche, habe ich doch alles da. Ich nutze es nur nie. Eigentlich brauche ich es ja auch gar nicht.

Platon:

Sophie hantiert geschickt mit den Gerätschaften. Ich habe nicht den Eindruck, dass ich übermäßig störe. Während das Wasser anfängt zu kochen, unterhalten wir uns. Parallel rührt sie in dem Topf mit Spinat. Ich gab ihr auch vorher schon den Tipp, die Kochplatten mit dem roten Punkt in der Mitte zu verwenden. Damit geht es schneller. Ebenso, wenn sie jetzt  auf den Topf mit den Nudeln einen Deckel legen würde, bis es kocht. Sophie äußert allerdings Bedenken. Das werfe unter Umständen ihre minutengenaue Planung über den Haufen.

Sophie:

Die Ölflasche habe ich schon eine ganze Weile misstrauisch im Blick gehabt. Der Philosoph behauptet, dass man es nicht schmecken würde. Mit einem kurzen Schwunk kippt er etwas der gelben Flüssigkeit in den Nudeltopf. Fast sofort steigt mir ein unangenehmer Geruch in die Nase. Bevor ich aber etwas sagen kann, ist er wieder verflogen. Na gut. Auf den Versuch lasse ich es ankommen. Der Spinat im zweiten Topf ist auch fertig, aber es sind mehr Handgriffe als sonst. Der automatische Ablauf funktioniert nicht ganz.

Der Philosoph verabschiedet sich Punkt 13:14 Uhr. Er wird beim Essen nicht dabei sein. Da wäre, glaube ich, auch wirklich die Grenze erreicht. Ich bin mir nicht sicher, ob ich etwas essen könnte, wenn ich nicht alleine bin.

Platon:

Die Nudeln sind fertig, nun fügen wir etwas Rapsöl hinzu. Einen kleinen Spritzer, vielleicht maximal ein halbes Schnapsglas. Anschließend kippt sie den Spinat darüber und verrührt alles. Jetzt ist es für mich an der Zeit, zu gehen. Ich hatte Sophie gesagt, dass ich beim Essen natürlich nicht dabei sein werde. Ich verabschiede mich schnell und verlasse die Wohnung, bevor der Zeitplan durcheinander kommt.

 
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Verfasst von - 15. April 2014 in Das Kochen, Die Sitzungen