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Jedem seine Prüfung – Teil IV

14 Feb

Platon

Doch bevor es soweit ist, muss sie ja erst noch die formalen Hürden nehmen. Zum Beispiel das amtliche Führungszeugnis. Das sollte kein Problem sein. Und ein ärztliches Attest, das keine Einschränkungen bei der Ausübung bescheinigt. Auch das sollte kein Problem sein. Es ist gar nicht so leicht, einen Arzt zu finden, der sich mit ganzen rechtlichen Rahmenbedingungen auskennt. Die Unsicherheit scheint hier noch groß zu sein, von Unwissenheit nicht zu sprechen. Da Sophie wieder einmal alles auf den letzten Drücker macht, kann ich auch nicht mehr zeitnah helfen. Ich vereinbare für sie einen Termin beim Arzt, mehr schaffe ich nicht. Aber der Termin sollte machbar sein, schließlich braucht sie ja nur den Wisch.

Sophie

Der Prüfungstermin rückt näher. Ich habe zwischenzeitlich das Datum per Post erhalten und ärgere mich. Einerseits dürfen Atteste und Co. nicht älter als vier Wochen sein, andererseits bekomme ich erst zwei Wochen vor dem Prüfungstermin Bescheid – das ist verdammt eng. Natürlich ist die ärztliche Versorgung hier so eine Katastrophe, dass die Arzthelferinnen beim Satz: „in den nächsten zwei Wochen“ schon in Ohnmacht fallen.

Der Philosoph schlägt seinen Hausarzt vor. Nach meinen Erfahrungen mit dem Herrn – der, der mich fragte, ob ich Stimmen höre – habe ich meine Zweifel. Aber eine andere Wahl habe ich gerade nicht. Freitag vor der Prüfung bekomme ich einen Termin, muss dort alleine hin.

Der Arzt hört sich mein Anliegen an, weiß, welches Attest ich brauche. Kein Problem. Dann ruft er meine Akte auf. Überfliegt seine Notizen. Schaut mich an. „Wo ist denn Ihr Begleiter?“ will er wissen. In mir brodelt es. Er will den Philosophen sprechen. Die bereits im Minus befindliche Sympathieliste des Arztes saust gerade in unendliche Tiefen. Aber bitte – ich gebe ihm die Telefonnummer.

Platon

Der Arzt ruft mich an. Ich rede mit Engelszungen auf ihn ein, aber es fruchtet nicht. Der erste Versuch, solch ein Attest zu erlangen, endet für Sophie kläglich.

Sophie ist wütend. Sie fühlt sich vom Arzt nicht ernst genommen. Schon wieder. Sie betont, dass das das letzte Mal war, dass sie diese Praxis betreten habe. Irgendwie fühlte ich mich direkt angesprochen, denn dieser Arzt ist mein „Hausarzt“.

Sophie

Der Arzt schickt mich aus dem Raum, als er mit dem Philosophen spricht. Meine Wut steigt ins Unermessliche. Er soll gefälligst MIT mir reden, nicht ÜBER mich. In Gedanken fallen mir zahlreiche sehr unfreundliche Worte für diesen Mann ein. Nach wenigen Minuten darf ich wieder in den Behandlungraum. Und bekomme eröffnet, dass ich das Attest nicht ausgestellt bekomme. Schließlich habe ich den Status „schwerbehindert“. Und damit darf man gar nicht zur Prüfung zugelassen werden. Das ist so frech, dass es mir wirklich die Sprache verschlägt. Und falsch ist es obendrein. Mein entsprechender Hinweis wird geflissentlich überhört. „Ich möchte da ja nichts kaputt machen an Ihrer Zukunftsplanung. Aber so geht das nicht. Nicht mit einer Behinderung. Ich wünsche Ihnen alles Gute.“

Dieser – mit Verlaub – Vollpfosten von einem Mediziner!  Ich nehme das persönlich. Wirklich persönlich. Am kommenden Mittwoch ist die Prüfung. Und ich habe kein Attest…

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4 Kommentare

Verfasst von - 14. Februar 2015 in Alltägliches

 

4 Antworten zu “Jedem seine Prüfung – Teil IV

  1. Frau A.

    14. Februar 2015 at 11:35

    Krasse Sache! Also für meine Prüfungszulassung hätte das jeder mir unbekannte 0815 Arzt vor Ort bestätigt. Zum Glück hatte ich damals aber auch keine Diagnose. Ich bin übrigens oft für Formalitäten bei neuen Ärzten, weil ich noch gute Ärzte suche und selten krank bin. Daher guck ich mir so viele einfach mal an. Ich erzähle oft, ich bin angeblich grade in die Gegend gezogen und brauch fix nen Stempel für ne Prüfung. Dann folgte meist ne kurze Frage ob alles okay seie, schwere körperliche Erkrankungen vorlägen und dann gabs den Wisch für eine kleine Gebühr. Ist natürlich die Frage wie das bei dir ist von den Anforderungen her und ob du verpflichtet bist eine für dich nicht als störend empfundene Behinderung anzugeben.

     
  2. Karin Moser

    14. Februar 2015 at 12:22

    unglaublich!!!!!!

     
  3. Johannes Lewke

    15. Februar 2015 at 7:19

    Das könnte man fast als Diskriminierung bezeichnen. Und dann wünscht er noch alles Gute…
    Ein Schelm, der böses dabei denkt.

     
  4. Aspergiller

    18. Februar 2015 at 10:43

    Manche Ärzte sind wirklich schlimm! Aber, warum sollte jemand wie Frau Dr. [Name unkenntlich gemacht] ein Einzelfall sein?
    http://auticare.de/wir-sind-autisten-aber-keine-kinder

     

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