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Jedem seine Prüfung – Teil III

31 Jan

Sophie

Die Unterlagen kommen. Einen Teil habe ich daheim, einen Teil muss ich beantragen. Das Gesundheitsamt konnte mir nur einen ungefähren Prüfungstermin nennen. In acht Wochen. Ich habe Zeit. Ich frage den Philosophen, wo ich das bekomme. Auch zum ärztlichen Tauglichkeitsattest frage ich, er meint, das ginge schnell und sei kein Problem. Ich bin erleichtert, denn im Anhang steht, dass sowohl Zeugnis als auch Attest maximal vier Wochen vor der schriftlichen Prüfung ausgestellt werden sein dürfen. Nur – genau der Termin steht eben noch nicht fest.

Ab und zu blättere ich in dem Buch. Vieles ist mir vertraut und bekannt, also setze ich mich gedanklich eher mit den Widersprüchlichkeiten auseinander. Genau diese Widersprüchlichkeiten in der Systematik spreche ich auch beim Philosophen an. Konstruiere komplexe Störungsbilder, deren Einordnung mir nach dem ICD-10 als schwierig erscheint, die korrekte Diagnostik aber grundlegend. Mit Erstaunen registriere ich, dass der Philosoph passen muss.

Platon

Sophie hat sich tatsächlich angemeldet. Ich bin nicht sicher, ob ich mich darüber freuen soll oder nicht, ob ich dazu raten oder abraten soll. Einerseits bemerke ich natürlich, wie schnell sie sich in Themen und ganze Sachgebiete einarbeiten kann. Es kommt mittlerweile nicht selten vor, dass ich sie zu bestimmten Fragen oder Problemstellungen um Rat frage. Und ihre Antworten helfen mir auch oft weiter. Zudem scheint der gesamte Bereich Psychologie sie sehr zu interessieren, sonst würde sie nicht derart umfangreich ihre Zeit damit verbringen. So denke ich. Muss aber auch feststellen, dass sie bisher keinerlei Anstalten macht, zu lernen. Darüber reden und diskutieren macht sie gerne, doch vom Büffeln ist sie weit entfernt.

Sophie

Der Philosoph schimpft mit mir. Er will wissen, wie viele Seiten ich im Buch schon gelesen habe. Ich habe jedoch nur die Oberkapitel gelesen. Ich weiß, dass ich zur Demenz noch lernen muss. Und die Schizophrenie ist mir nicht ganz geläufig, da fehlt mir etwas der rote Faden. Aber das hat Zeit. Zum ersten Mal in meinem Leben vertraue ich auf mein Gedächtnis.

Viel wichtiger erscheint mir die Art der schriftlichen Prüfung. Inhaltlich sehe ich wenig Probleme, wenn nicht gerade die ganze Schizo-Ecke (Schizophrenie, schizoid, schizotyp) kommt. Aber die in teils schon grob gemeine Fragestellung scheint mir eher eine Püfung von Lesekompetenz statt von Fachwissen zu sein. Im Internet finde ich zahlreiche Fragebögen aus den vergangenen Jahren. Und schwöre mir, dass ich erst zur Prüfung antrete, wenn ich all diese Fragebögen fehlerfrei gelöst habe.

Platon

Ich beginne, mir Gedanken zu machen: was passiert, wenn sie mit Pauken und Trompeten durchfällt? Das Gesundheitsamt und die Prüfungskommission werden erfahren, dass wir bereits zusammenarbeiten. Denn wir haben den Antrag, dass ich nicht die Prüfung abnehmen darf, bereits eingereicht. Aber müsste ich mir dann die Fragen gefallen lassen, wie ich es verantworten konnte, sie zur Prüfung zu ermuntern? Ich als Prüfer müsse so etwas doch viel besser wissen müssen. Und schließlich noch die Kernfrage, ob jemand mit der Diagnose „Asperger“ überhaupt grundsätzlich als Heilpraktikerin für Psychotherapie arbeiten solle.

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Verfasst von - 31. Januar 2015 in Neue Wege

 

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