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Tohuwabohu – Teil IV

07 Jan

Sophie

Der Philosoph bringt einige farbige Trennlaschen ins Zimmer. Teils beschriftet, bunt durchgemischt, in blau, in rot, in grün. Er packt den Packen Laschen auf die Ordner und zückt den Stift. Ich schreite ein. Unterschiedliche Farben – nein. Bereits beschriftete Laschen – nein. In meinem Geist taucht ein Bild des Philosophen auf, wie er permanent mit dem Kopf auf den Tisch schlägt. Er holt weitere Laschen. Sie reichen nicht für alle Ordner. Zumindest nicht in einheitlicher Farbe. Die Diskussion um die Laschen nimmt – ähnlich wie um die Ordner – eine gute Stunde in Anspruch. So langsam, glaube ich, wird nachvollziehbar, warum ich selbst keine Ordnung in die Sachen bringen konnte. Weil ich an den „falschen“ Details stundenlang festhänge und in der eigentlichen Sache nicht vorankomme. Getreu dem Motto: „Dein Leben kann den Bach runtergehen. Aber wehe, die Stifte sind nicht nach Größe sortiert.“

Platon

Jetzt fehlen noch die farbigen Trennlaschen. Ich habe noch einen kleinen Haufen alter Trennlaschen, die nur mit einigen kurzen Zahlen beschriftet sind. Die könne man ja einfach umdrehen, versuche ich schon Einwände ihrerseits vorzubeugen. „Nein, das geht überhaupt nicht“ antwortet sie unmissverständlich. Vermutlich wird jetzt mein Blick etwas unwillig. Ok, ich hole noch unbeschriftete. „Die haben aber nicht eine einheitliche Farbe, und das Blau gibt es nicht ausreichend in exakt gleichen Farbtönen“, wirft Sophie sofort ein. Mein Blick wird wohl noch unwilliger. Ob Sophie das bemerkt? Irgendwo finden sich dann doch noch ausreichend neue verpackte und absolut einfarbige Trennlaschen. Ich sortiere meine gebrauchten wieder zusammen und lege sie zurück und denke dabei, das die armen gebrauchten Trennlaschen für mich allemale ausreichend sind.

Sophie

Bevor ich die Laschen beschrifte, probiere ich den Stift. Der GAU wäre es, wenn während des Beschriftens der Stift versagt und ich einen anderen nehmen müsste. Der Philosoph hüllt sich in Schweigen. Ich bin unsicher, ob es Müdigkeit, Unwilligkeit oder Ärger ist – oder alles zusammen. Ich möchte die Laschen selbst beschriften, er soll mir nur die Kategorien nennen. So weiß ich, dass ich es lesen kann.Und natürlich dauert es nicht lange und ich baue den ersten Fehler ein. Die Lasche wird entsorgt. Der Blick des Philosophen folgt der aussortierten Lasche und ich sehemich bemüßigt, zu erklären. „Und weil da ein Fehler ist, wird die weggeworfen?“ Ich schlage, eher aus Spaß, vor, dass er die Laschen ja gerne noch verwenden kann, wenn er eine Verwendung dafür hat. Die anderen sind ja auch beschriftet und ihn scheint das nicht zu stören. Tatsächlich klaubt er die Lasche vom Papierstapel für den Müll. Zwei weitere, bei denen ein Fehler auftaucht, schiebe ich ihm kommentarlos zu.

Schließlich scheint der Kompromiss gefunden. Jeder Ordner bekommt eine andere Laschenfarbe, einen Tag später kommen auch die neuen – einheitlichen! – Ordner. Sicherheitshalber hefte ich in jeden Ordner noch einige Laschen der gleichen Farbe zur Reserve. Das Zeugnis, weswegen ich den ganzen Aufwand überhaupt angefangen habe, ist immer noch nicht aufgetaucht. Das spricht dafür, dass irgendwo noch irgendwelche Unterlagen sein müssen. Irgendwo wartet das nächste Kapitel auf mich…

Platon

Sophie beginnt mit dem Beschriften. Ich muss die Kategorien vorsagen. Natürlich komme ich dabei durcheinander. Und ich hatte es schon geahnt: Sobald nur der kleinste Fehler bei der Beschriftung passiert, muss die ganze Trennlasche entsorgt werden. Netterweise sagt Sophie, dass die fehlerhaften ja noch für meinen Stapel der gebrauchten Trennlaschen in Frage kommen könnten. Vielen Dank!

Dann gibt es noch einige wichtige Dokumten, die besser in eine Klarsichthülle gesteckt werden sollten. Ich reiche ihr einen Stapel meiner – gebrauchten – Hüllen. Sophie ist anfangs erfreut. Allerdings bemerkt sie schnell, dass die Hüllen nicht alle die gleiche Länge haben. Wie das kommen könne, fragt sie entsetzt. Ich gab ihr den Ratschlag, alle gleichlangen rauszusuchen und nur die dann zu verwenden. Sie willigte ein.

Irgendwann waren tatsächlich die drei Ordner gefüllt. Die Begeisterung hielt sich beiderseits in Grenzen. Auf der anderen Seite waren wir beide froh, diesen Ballast nun im wahrsten Sinne des Wortes wegsortiert zu haben. Und Sophie fügt noch hinzu: Ich habe bestimmte noch einige weitere Körbe bei mir rumstehen, die muss ich nur noch suchen … Oh wie schön, denke ich.

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Ein Kommentar

Verfasst von - 7. Januar 2015 in Alltägliches

 

Eine Antwort zu “Tohuwabohu – Teil IV

  1. anderssein2000

    7. Januar 2015 at 10:35

    sprachlos…..
    Ich fühle mit Dir Sophie und enthalte mich guter Ratschläge (die ich auch nicht befolgen würde), ich kann mir allerdings auch Platons Fassungslosigkeit ob diesen Chaos vorstellen, zucke aber nur mit den Schultern, sorry. *zwinker*

     

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