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Tohuwabohu – Teil III

03 Jan

Sophie

Wir verschieben das Sortieren der Unterlagen auf den nächsten Tag. Eigentlich hasse ich es, Dinge unerledigt liegen zu lassen, muss aber selbst eingestehen, dass der Papierberg heute mich eher dem Wahnsinn denn der Ordnung näher bringt.
Am nächsten Tag liegt der Papierberg immer noch so, wie ich ihn verlassen hatte. Der Philosoph beginnt – wohl, um zu verhindern, dass ich wieder heillos im Chaos versinke – scheinbar planlos irgendwelche Stapel zusammenzuschieben. Seine Systematik leuchtet mir nicht ein. Als ich nachfrage, stellt sich heraus, dass es keine Systematik zu geben scheint. Wichtig sei, dass man die Unterlagen wiederfinde, ein logisch nachvollziehbares System gebe es da nicht. Für mich schon ein Grund, alles wieder sein zu lassen und all den Papierkram in der Nordsee zu versenken. Ich versuche, mitzusortieren, aber das fehlende System setzt mich schachmatt. Vielleicht sollte ich alle Dokumente, die in mehrere Stapel passen, einfach kopieren? Aber dann wäre das ja noch mehr Papier…

Platon

Der Bericht ist jetzt geschrieben und abgeschickt. Ich denke, ein ehrlicher und vielleicht unangemessener Bericht ist besser als gar keiner. Ich bin auf die Reaktionen gespannt. Nun können wir die gesamte Aufmerksamkeit auf die ganzen unsortierten Dokumente, Briefe und sonstigen Belege richten. Ich beginne, einige Haufen anzulegen, merke aber gleichzeitig ein fragendes Zögern bei Sophie. Ich frage, was los sei. Sie murmelt, warum ich den gerade das darauf legen würde, und jenes dort. Und warum ich nicht die Haufen nach Datum sortieren würde. Und sie findet auch schnell Dokumente, die gleichzeitig in zwei oder drei Haufen passen würden: Gleichzeitig Rechnung, Institution und sonstwas. Gezielt kleinlaut schiebt sie hinterher: „So finde ich die Sachen ja nie wieder.“

Sophie

Ordner. Der Philosoph verschwindet, um Ordner zu suchen, damit die Sachen abgeheftet werden können. Als er nach einigen Minuten zurückkommt, hat er drei Ordner in der Hand. Ein grauer, ein blauer, ein schwarzer. Mein Entsetzen ist kaum zu beschreiben. Schräg auf die Ordnerlaschen ist etwas geschrieben, was so gar nichts mit meinen Papieren zu tun hat. Das. Geht. Nicht. Irgendwo in meinem Hinterkopf macht sich ein Stimmchen bemerkbar, dass sich fragt, ob es wirklich wichtig ist, welche Farben die Ordner haben. Aber mein Sträuben gegen die unterschiedlichen Ordnerfarben ist stärker. Wenn ich schon nicht in der Lage bin, Ordnung in die Papiere zu bringen, dann sollen wenigstens die Ordner ordentlich aussehen. Unterschiedliche Farben, vorige Beschriftungen (und dann auch noch schräg), das geht gar nicht. Dies erkläre ich Platon ausführlich und sehr nachdrücklich. Normalerweise würde ich hier das Sortieren unterbrechen und erst einmal die „richtigen“ Ordner holen.
Mir scheint, ich strapaziere die Geduld des Philosophen aufs Höchste. Und sie wird auf eine neue Probe gestellt, als er farbige Trennlaschen zur Unterteilung der einzelnen Abteile in den Ordnern holt…

Platon

Ich erinnere sie daran, dass ihr System bisher aus zwei ausgeleierten Einkaufskörben bestehe und wir jetzt auch keine Zeit und Lust hätten, das perfekte Ablagesystem zu entwickeln. Widerwillig willigt sie ein, weiter zu machen. Ich hole drei Ordner aus dem Schrank, um erst einmal das Gröbste zu sortieren. Ihr Blick entgleist. Die hätten ja alle eine unterschiedliche Farbe. Und die Etiketten wären ja falsch. Ich antworte, dass die abgerissen und dann neue drauf geklebt werden würden. Ob ich jetzt welche hätte. „Nein.“ Der widerwillige Blick erlebt eine Fortsetzung. Ich sage jetzt ganz deutlich, das ich es sehr befürworten würde, wenn wir zumindest übergangweise ersteinmal meine alten Ordner verwenden würden. „Ok.“

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2 Kommentare

Verfasst von - 3. Januar 2015 in Alltägliches

 

2 Antworten zu “Tohuwabohu – Teil III

  1. Ismael Kluever

    3. Januar 2015 at 15:56

    Ihr lieben zwei beiden, jetzt mal im Ernst:
    Braucht ihr…
    …ähm… Hilfe? 🙂

     
  2. Karin Moser

    6. Januar 2015 at 12:03

    Kann ich helfen?

     

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