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Die Gewichtsdecke – Teil I

13 Dez

Sophie

Irgendwann hatte ich dem Philosophen von meinen Decken erzählt. Zwei Stück, die eine sechs, die andere acht Kilo schwer. Ich liebe diese Decken, besonders dann, wenn es stressig, laut, wuselig war. Genauso wie heißes Wasser in der Dusche beruhigt das Gewicht ungemein. Die Decken sind eine Handarbeit, die ich geschenkt bekommen habe, ich habe nach der ersten Decke aber schnell festgestellt, dass sechs Kilo zu leicht sind. So kam die Acht-Kilo-Decke dazu, in Kombination hatte ich dann 14 Kilo Gewicht – die ich durchaus als hilfreich, aber immer noch zu leicht empfand.  Zwischenzeitlich hatte ich gelesen, dass auch andere mit Gewichtsdecken arbeiten, ich mir also auch nichts einzubilden scheine – auch wenn die Helfer bei meinem Umzug schon etwas irritiert schienen, als sie nichtsahnend die Decke einpacken wollten.

Ich hatte bereits herausgefunden, dass es Decken gab, die mit Sand gefüllt sind. In der Ergotherapie werden diese wohl genutzt, aber die kleinste Version kostet bereits gute 200 Euro.

Als ich dem Philosophen gegenüber fallen ließ, dass mir eine Decke mit knapp 20 bis 25 Kilo vorschwebt, diese aber finanziell über den regulären Handel mit normalen Mitteln nur schwer zu stemmen ist, wurde er kreativ. Selbst machen sei die Devise. Meine Decken sind ja auch selbstgemacht, allerdings war hier klar, dass gewichtstechnisch bei der Bearbeitung bei acht Kilo eine Grenze erreicht war. Und so fingen wir an zu überlegen.

Platon

Die Decke muss schwer sein. Sehr schwer. Und ich denke, es kann doch nicht so schwer sein, eine schwere Decke nähen zu lassen. Etwa 20 Kilo schwer. Das ist doch tatsächlich die einfachste Möglichkeit, etwas Entspannung und Ruhe zu bewirken. Für mich ist diese Decken-Geschichte zwar etwas suspekt und rätselhaft, aber wenn es hilft? Warum nicht. Also, es muss jemand gefunden werden, der einen Plan hat. Und jemand, der es dann umsetzt. Das einfachste wäre es ja, eine zu kaufen. Aber die sollen sehr teuer sein. Und es selbst zu organisieren, hat ja auch seinen Charme.

Ich frage also meine Bekannte, die für solche Dinge sehr offen und schnell zu begeistern ist. Sie kennt auch gleich einige Näherinnen, die in Frage kommen. Und Stoff hat sie auch. Und Ideen. Und eine gewisse Begeisterung. Wir setzten uns alle zusammen und beraten. Sophie ist auch dabei. Etwas später sagt sie mir, das meine Bekannte ihr sehr nahe gekommen wäre, etwas zu nahe. Ja, das ist ihre freundliche Art, die Menschen zu berühren, ihnen direkt und nahe ins Gesicht zu schauen. Vertrauen zu schaffen. Für Sophie war das zu nah.

Sophie

Der Philosoph hatte mit einer Bekannten gesprochen, die, was Stoffe anbelangt, zu den Jägern und Sammlern zu gehören scheint. Nun ging es – vor allem für mich Näh-Legastheniker – um die praktische Umsetzung. Am einfachsten ließen sich wohl Kassetten nutzen, die anschließend gefüllt werden. Ich hatte den Gedanken, die Kassetten leer zu vernähen und mit Reißverschluss zu versehen – so könnte man die Füllung in Beutel verpacken und bei Bedarf aus den Kassetten herausholen. Die Decke wäre somit waschbar, was bei meinen zwei Decken nicht möglich ist. Außerdem müsste die Schneiderin dann nicht mit einer 20 Kilo schweren Decke kämpfen, sondern könnte mir die Füllung überlassen. Aus irgendeinem Grund fand diese Idee wenig Anklang.

Der Philosoph war für Sand, schließlich gibt es den an der Nordsee zu Genüge. Allerdings war schnell klar, dass mit normalen Mitteln die Nähte nicht so eng vernäht werden konnten, dass der Sand in den einzelnen Fächern bleibt. Kirschkerne lehnte ich wegen der Lautstärke ab. Doch Reis, wie in meinen anderen Decken?

Schließlich vereinbarten wir einen Termin bei der Bekannten des Philosophen, um hier die Einzelheiten durchzusprechen. Die Decke, die sie gerne für das Projekt nutzen würde, hatte schon ein ordentliches Eigengewicht und zudem ein tolles Muster. Aber meine Konzentration ließ doch stark zu wünschen übrig, denn sie gehörte zu den hochsozialen Menschen. Die Sorte, die einem gerne die Hand auf die Schulter legt, fast Nase an Nase beim Gespräch ist oder einem beim Gehen freundlich mit der Hand auf dem Rücken den Weg weisen möchte. Die Wohnung war winkelig und ich hatte entsprechend wenig Ausweichmöglichkeiten. Und wollte gleichzeitig auch nicht unhöflich sein, schließlich hätte sie sich gar nicht um meine Decke kümmern müssen. Irgendwann war klar: Ohne Fachmann respektive Fachfrau kommen wir nicht weiter. „Wir reden mit der Schneiderin“, beschloss die Bekannte. „Die kann uns am ehesten sagen, was möglich ist.

Platon

Die großen Fragen sind nun, welches Füllmaterial verwendet wird und wie eine Lösung mit genähten Kassetten aussehen könnte. Also eher Kirschkerne oder Reis oder irgend etwas anderes? Soll alles in Beutel bzw. Kassetten eingenäht werden? Wie groß sind dann die einzelnen Kassetten? Wie groß wird die Decke? Und wie schwer? Was wird es kosten? Wann ist es fertig? Usw. …

Ich beschließe, Sophie mit meiner Bekannten alleine zur Näherin zu schicken. Ich habe ohnehin Termine. Decken sind auch nicht mein Fachgebiet. Und es ist vielleicht eine gute Erfahrung für Sophie, dass einmal alleine zu regeln.

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18 Kommentare

Verfasst von - 13. Dezember 2014 in Alltägliches

 

18 Antworten zu “Die Gewichtsdecke – Teil I

  1. Aspergiller

    13. Dezember 2014 at 12:11

    Ich liebe auch schwere Decken, habe aber noch nicht das Gewicht nachgemessen. Wundervoll: Im kalten Winter im warmen Bett, zwei dicke Bettdecken („Handelsware“), dazu in der unteren Körperhälfte noch die Tagesdecke obendrauf und eine Wärmflasche. Dazu: Fenster auf, um frische Luft zu erhalten – ich bin ja auch noch Asthmatiker. Das brauche ich nachts, da mir normalerweise eine lange und ruhige Schlafphase zu meiner Regeneration reicht.
    Interessanterweise gibt es inzwischen auch schon so etwas, wie eine „Pressure Vest“ (z.B. http://www.pressure-vest.com/, http://www.squeasewear.com oder http://www.snugvest.com), was bei mir, so wie ich angepasst bin bzw. ASS ‚leicht‘ vorliegt, doch etwas befremden auslöst, mit einem solchen Kleidungsstück durch die Gegend herumlaufen zu müssen. Bei mir reichen etwas festere normale Kleidungsstücke, d.h. bei einem Anlass mit Oberhemd/Krawatte doch noch eine leichte Weste unter dem Jacket. Ich will jedoch nicht ausschliessen, dass jemandem ein derartiges Spezialkleidungsstück helfen kann, wie ich nicht ausschliessen kann, dass diejenigen, die es benötigen damit (leider) ordentlich abgezockt werden.

     
    • dualessein

      17. Dezember 2014 at 8:56

      vielleicht wäre da Ismaels Hinweis mit dem Neoprenanzug hilfreich? Es gibt ja welche, die so dünn sind, dass man sie problemlos unter der Kleidung tragen kann.

       
      • Aspergiller

        17. Dezember 2014 at 15:13

        Im Star Trek-Roman „Die Eisfalle“ (engl. Originaltitel: Ice Trap – http://memory-beta.wikia.com/wiki/Ice_Trap) laufen die Mannschaftsmitglieder in einem Neoprenanzug herum. Der hält zwar warm, aber an einer Stelle wird geschrieben, wie sich ein Mannschaftsmitglied darüber beklagt, dass dieser Neoprenanzug leider bei starkem Wind einem doch nicht das gleiche „gute“ Gefühl gibt, wie ein dicker Parka. Ich persönlich ziehe ebenso ein Kleidungsstück vor, dass mir neben Wärme auch jenes Gefühl der Schwere gibt. Meine kurzärmeligen Seidenhemden vertrage ich auch nur im Sommer, wenn es richtig heiss ist.

         
      • dualessein

        17. Dezember 2014 at 16:38

        Wärme ist bei Jacken jetzt so gar nicht mein Fall. Ich mag es auch nicht kalt, aber ich laufe lieber eine Nummer zu kühl herum als dass ich nachher einen dicken Parka anhabe und das Gefühl bekomme, mich nicht mehr bewegen zu können. Winterjacke geht gerade noch einigermaßen, solange ich mir nicht zu unbeweglich vorkomme.

         
  2. Ismael Kluever

    13. Dezember 2014 at 13:04

    Mir fällt spontan ein, dass sich Temple Grandin mal eine „Presse“ konstruiert hat, weil ihr gleichmäßiger Druck auf dem Körper gut tat. Und eine ebenfalls autistische Bekannte meinte mal scherzhaft, dass sie am liebsten immer in einem zu engen Neoprenanzug herumlaufen würde.

    Aber, liebe Sophie, fällt dir unter so einer Last nicht das Atmen schwer?
    Da musst du doch bei jedem Atemzug einige Pfund stemmen, die dir da nachts auf dem Brustkorb bzw. Rücken liegen!

     
    • dualessein

      17. Dezember 2014 at 8:50

      Hallo Ismael,
      nein, das Gewicht verteilt sich ja gleichmäßig auf dem Körper. Somit liegen dann nicht 25 Kilo auf dem Brustkorb, sondern nur ein Bruchteil davon.

       
  3. anderssein2000

    13. Dezember 2014 at 13:53

    Darf ich einen Vorschlag machen?
    Nachdem ich nun weiß, was Du brauchst, wie das umsetzbar IST, mache ich Dir die schwere Variante. Nur, werde ich sie garantiert nicht mit der Post schicken, die müsste dann persönlich übergeben werden, denn 25kg werde ich persönlich nicht stemmen.

    Ich würde es so machen, mit Reis, dass ich die Decke von rechts nach links tunnel und an der einen Längsseite einen langen Reißverschluss einnähe, so dass die Schläuche mit dem Reis herausgenommen werden können (so ist jeder Schlauch nicht so schwer und für mich simpel zu verarbeiten) um den Bezug auch mal zu waschen.

    Meine Zahlungsmodalitäten kennst Du (breit und lüstern grinsend): dieses Mal verlege ich mich auf Mäusespeck….

     
    • dualessein

      17. Dezember 2014 at 9:00

      Ich suche gerade den großen „Ich knutsch dich virtuell ab“-Smiley.

       
      • anderssein2000

        17. Dezember 2014 at 9:19

        nicht doch… *grins*

         
  4. reynard1603

    13. Dezember 2014 at 14:40

    Vielleicht könnte bei Sophie auch eine Squease-Vest hilfreich sein. Ich hab so eine aufblasbare Weste kürzlich in Dresden am Rande des Autismus-Kongresses mal ausprobiert. Die sollen aber auch sehr teuer sein.
    http://www.squeasewear.com

     
    • dualessein

      17. Dezember 2014 at 8:54

      Ich kenne die Jacken, hatte vor einiger Zeit mal eine gesehen. Die lassen sich ja zwischenzeitlich per App steuern. Aber a) sind sie wirklich teuer und b) finde ich sie, was das Tragen angeht, sehr unangenehm. Zumal die ja nur Druck auf den Oberkörper ausüben. Was mir aber nicht reicht.

       
  5. Anneke

    14. Dezember 2014 at 2:42

    Ich habe letztes Jahr einige körnerkissen genäht.
    Da kommen z.B Weizenkörner rein. Die sind schwerer als z.B Erbsen oder Kirschkerne, können aber wegen der gröberen Körnung deutlich einfacher verarbeitet werden als Sand.

     
    • dualessein

      17. Dezember 2014 at 8:52

      Auf Weizen reagiere ich allergisch, da hatte ich mal ein Kissen. Und Kirschkerne kommen wegen der Lautstärke bei Bewegungen nicht in Frage.

       
  6. raababy

    28. Dezember 2014 at 14:44

    Hallo, wir haben zwei solcher Decken: eine selbstgenähte mit Plastikgranulat gefüllt (10 kg), eine gekaufte (15 kg) mit Sand gefüllt, beide aus Neoprenstoff. Mein Sohn benutzt sie sehr gerne. Ich nähe keine mehr selbst, da ich ständig am Nachnähen bin, da die Decke immer in Bewegung ist. MIt Kernen habe ich sehr schlechte Erfahrung gemacht, sowohl Kirschkerne als auch Erbsen sind im Laufe der Zeit verschimmelt (und zu laut) Die Sanddecke ist sehr leise und deswegen nur zum Schlafen da, leider auch nicht waschbar, aber mit einem Bettbezug überzogen sogar bei einem nachts noch nassen Kind gut zu handhaben (einfach zum Durchlüften über einen Wäscheständer hängen). Zum Konzentrieren haben wir noch eine Sandweste bzw. für die besseren Tage ein schweres Nackenhörnchen, das hilft ungemein bei den Hausaufgaben.

    Ich wünsche Ihnen viel Glück mit Ihrer neuen Decke, dass diese wirklich alle Erwartungen erfüllt. Vielen Dank für den Blog (das wollte ich schon immer mal sagen).

     
  7. Michael

    11. Januar 2015 at 0:03

    Ich habe hier gerade eine ganz tolle Selbstnähanleitung für eine Gewichtsdecke gefunden und da fiel mir dieser Blogbeitrag ein. Wer also selbst nähen kann oder jemanden kennt…

    http://www.ruhrpottzwerge.de/2014/06/11/gewichtsdecke-ganz-einfach-selbstgemacht/

     
  8. Sven

    19. Februar 2015 at 14:05

    Ich habe diesen Quilt gekauft. Schlafen wirklich gut, und was ich am meisten mag, ist, dass es umhüllt mich auf eine nette Art.

     

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