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Das Handy – Teil II

06 Dez

Platon

Ich beschließe, wieder alle Stationen rückwärts ab zu fahren. Mir fällt ein, dass ich an einer ganz dunklen Stelle außerplanmäßig einige Meter in einen Waldweg hereingefahren und kurz aus dem Auto gesprungen bin. Vielleicht liegt dort das Handy? Aber wo war nur dieser kleine Weg? Ich fahre langsam die Landstraße entlang und finde ihn endlich. Ich blinke schon, sehe jetzt aber jemanden mit Hund dort stehen. Etwas weiter ist ein mit Flutlicht erleuteter Sportplatz, dort trainieren Jugendliche. Spontan fahre ich weiter. Nach kurzer Zeit drehe ich aber um und fahre wieder zum Weg. Jetzt ist niemand da. Ich leuchte alles mit den Autoscheinwerfern aus. Suche an einigen Bäumen. Kein Handy. Ich fahre weiter.

Sophie

Ich kann es förmlich sehen. Das Suchen, die latente Panik, das „Wo ist dieses verdammte Telefon?“ begleitet von dem einen oder anderen ordentlichen Fluch. Es gibt solche Geräte, die antworten mit einem Piepen, wenn man pfeift. Vielleicht wäre das eine Hilfe? Wobei – wenn man im Dunkeln durch den Wald geistert, bräuchte es schon Kanonenschläge als Ortung. Oder Leuchtraketen. Wie aus der Schifffahrt, wenn man in Seenot ist…

Platon

Ich überlege die ganze Zeit, wo und wie das Handy verlorengegangen sein kann. Ist es beim Aussteigen herausgefallen? Ich lege es manchmal gerne nach dem Auflegen auf meine Beine. Dann habe ich es gleich wieder griffbereit für den nächsten Anruf. Ich fahre zurück zu dem Haus in Ortsrandlage. Ich vermute, oder besser gesagt, ich hoffe, dass es mir vielleicht auf den kleinen Grünstreifen gefallen ist, auf dem ich immer dort parke. Angekommen, leuchte ich ich wieder aus. Es ist mittlerweile feucht und kalt, der Rasen und die Tropfen glitzern im Scheinwerferlicht. Wieder kein Handy. Denke ich. Nur meine Reifenspuren, die diesmal tief sind, es hatte nämlich auch tagsüber geregnet. Ich setze zurück, habe aber dennoch einen Gedanken. Meine Reifenspur der Vorderachse beschreibt einen Bogen. Beim Ausparken musste ich nämlich das Lenkrad einschlagen, bin also mit dem linken Vorderreifen in etwa an der Stelle langgefahren, an der ich zuvor ausgestiegen war. Einem Impuls folgend steige ich aus und gehe direkt zur Reifenspur. Ich sehe in den Rasen gedrückt die schwarze Schutzhülle meines Handies. Ich puhle es aus dem Rasen. Es ist dreckig. Die Hülle ist gerissen. Auf dem Display ist deutlich mein Reifenabdruck zu erkennen. Ich denke spontan, dass Sophie sich freuen wird. Gerade erst hat sie mir die Hülle besorgt. Ich schalte das Handy ein. Es funktioniert.

Sophie

Ich treffe den Philosophen kurz nach seiner Handy-Suchaktion. Er druckst herum, will nicht so recht heraus mit der Sprache. Dann erzählt er, dass er das Handy verloren hat und die Hülle, die ich erst vor einer Woche auf seinen Wunsch bestellt hatte, kaputt gegangen ist. Er reicht mir das Telefon, die Lederhülle ist quasi unbrauchbar geworden. Der Verschlussmagnet ist gebrochen. Quer über das Display zieht sich ein breiter, schmutzig-grauer Reifenabdruck. Innerlich seufze ich einmal tief. Immerhin: Die Hülle hat nicht lange gehalten. Aber sie hat mehr als offenkundig ihren Zweck erfüllt, das Gerät selbst ist in Ordnung. Vielleicht sollte man langfristig überlegen, den Ortungsdienst eingeschaltet zu lassen. Ich wische das Display ab. Suche den Händler im Internet, bestelle eine neue Hülle. „Wo ist denn jetzt meine Brille?“ ruft der Philosoph derweil aus dem Nebenraum…

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Ein Kommentar

Verfasst von - 6. Dezember 2014 in Alltägliches

 

Eine Antwort zu “Das Handy – Teil II

  1. anderssein2000

    6. Dezember 2014 at 10:36

    hahahaha! Platon, ich mache mir ernsthaft Sorgen! Es gibt sowas, das nennt sich Hörigkeit und ist auch durchaus in den Bezug zu Mobiles zu setzen….

    Sophie, ich bewundere Dich für Deinen Langmut!

     

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