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Das Handy – Teil I

03 Dez

Platon

Ich bin mal wieder spät dran. Es ist 18 Uhr und stockdunkel. Ich habe  noch zwei Hausbesuche vor mir. Der Tag ist voll mit Terminen. Der morgige Tag wird nicht anders aussehen. Daher habe ich noch einige Terminabsprachen zu erledigen. Das mache ich üblicherweise während der Autofahrten zwischen den Terminen. So auch jetzt. Immerhin benutze ich ein Headset per Kabel. Mit den Bluetoothdingern komme ich nicht zurecht. Allerdings verfummelt sich mein Headsetkabel auch immer, mal um den Schalthebel, die Handbremse oder sonst irgendwie. Beim Telefonieren habe ich dann aber wenigstens beide Hände frei. Ich kann dann parallel etwas trinken, mir Notizen machen oder einen Apfel oder eines meiner Brote essen. Oder einfach den Kopf aufstützen.

Sophie

Der Philosoph und sein Handy, das ist eine ganz seltsame Geschichte. Er gehört zu den Menschen, die das Ding eigentlich ständig in der Hand respektive am Ohr haben, aber dennoch nur sehr schwer bis gar nicht erreichbar sind. Schon das eine oder andere Mal konnte ich einen Blick auf das Display erhaschen und sah dann „4 unbeantwortete Anrufe, 3 Kurznachrichten“ – manchmal auch noch Stunden später. Und er gehört auch zu den Menschen, bei denen nicht eine Stunde vergeht, ohne dass das Ding klingelt. Was mich, gelinde gesagt, in den Wahnsinn treiben würde. Nachdem ich auch bemerkt hatte, dass er gerne während der Fahrt telefoniert und gleichzeitig schaltet, hatte ich darum gebeten, dass er aus Sicherheitsgründen wenigstens ein Headset nutzt. Es brauchte noch etwas Druck seitens der staatlichen Ordnungsmacht, die ihn prompt mal mit dem Handy am Ohr erwischte, aber letztendlich sah er ein, dass das Headset doch dazu beiträgt, dass er die Hände frei hat. Allerdings war mein Gedanke, dass er diese dann nutzt, um sie am Steuer zu lassen – und nicht, um Notizen zu machen. Diese Eigenart, immer fünf Dinge gleichzeitig zu machen, ist schon fast symptomatisch. In meinem Kopf entsteht ein schon fast comicartiges Bild: Der Philosoph, heillos verknotet im Headset-Kabel, den Kugelschreiber in der linken, ein angebissenes Brot in der rechten Hand, mit dem Kinn lenkend und dabei sagend: „Nö, alles im Griff.“

Platon

Die vorletzte Familie des Tages hat ein schönes Eigenheim in dunkler Ortsrandlage. Obwohl es eine große Auffahrt gibt, parke ich immer auf dem Rasenstreifen vor dem Haus an dem Feldweg. Nach einer halben Stunde fahre ich hier wieder weiter zum letzten Hausbesuch. Unterwegs suche ich mein Mobiltelefon. Finde es aber nicht. Ich vermute, dass es in einer der vielen Kurven vom Beifahrersitz zwischen die Tür und der Sitzbefestigungsschiene gefallen ist. Angekommen, gleitet meine Hand tastend durch den Fussraum und alle anderen Ecken und Winkel des Innenraums. Kein Handy. Ich werde nervös und klingel an der Tür. Ich bitte die Familie, ob sie mich einmal anrufen könne. Alle laufen zum Auto. Meine Unordnung im Inneren ist mir etwas unangenehm. Von Außen ganz zu schweigen. Wir hören aber alle kein Klingeln. Erschwert wird die Aktion durch den Nachbarn, der bei sehr lauter Musik in der Einfahrt sein Auto aussaugt. Ich erspare es mir aber, um Ruhe zu bitten.

Sophie

Auch so eine Sache: Ständig sucht der Philosoph etwas. Wirklich ständig. Zu den Top Ten gehören (in der Reihenfolge) Brille, Schlüssel, Handy, Geldbeutel und irgendwelche Ordner, die man ja nun wirklich beim besten Willen nicht einfach übersehen kann. Ich habe gegen diese ständige Sucherei ein gutes Mittel: Jedes Teil hat seinen festen Platz. Meine Brille ist auf der Nase, mein Schlüssel steckt im Schloß, mein Handy ist in der Tasche und mein Geldbeutel liegt in der Küche. Der Philosoph gehört aber zu den Menschen, die ihre Dinge ständig irgendwo anders hinlegen und dann teils nicht mal mehr wissen, ob sie sie überhaupt dabei hatten. Ich merke mir zwischenzeitlich jede Brille, die ich im Büro liegen sehe, denn ich weiß zu hundert Prozent, dass die Frage: „Wo ist eigentlich meine Brille?“ früher oder später kommen wird. Immer.

Insofern war es nur eine Frage der Zeit, bis das Mobiltelefon auch unterwegs mal verloren ging. Wobei ich gar nicht wissen will, wie viele zusätzliche Kilometer der Philosoph durch Ostfriesland fährt, weil er irgendwas in irgendwelchen Familien liegen gelassen hat. Oder wie viele Kilometer er am Tag zusätzlich läuft auf der Suche nach dem nötigen Kleinkram. Und wenn ich ganz ehrlich bin: Manchmal macht mich die Sucherei wirklich wahnsinnig. Viel häufiger aber kann ich mir ein leichtes Grinsen einfach nicht verkneifen. By the way: Wo ist eigentlich mein USB-Stick hingekommen?

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2 Kommentare

Verfasst von - 3. Dezember 2014 in Chaotenwelt

 

2 Antworten zu “Das Handy – Teil I

  1. Michaela

    5. Dezember 2014 at 7:52

    Kommt mir sehr bekannt vor… Ich bin auch eine „ständig Sachen Suchende“. Dabei habe ich schon, ähnlich wie Sophie, für einige Dinge feste Plätze… aber manchmal landen sie da nicht und dann wird es immer kritisch. 😉

     
  2. anderssein2000

    6. Dezember 2014 at 10:32

    *gröl*… Du wirst es erleben, wenn Du hier bist Sophie…. meine Brille und ich pflegen ein sehr ambivalentes Verhältnis. Sie versteckt sich ständig an den unmöglichsten Stellen. Am besten versteht sie es allerdings, sich unmittelbar vor mir liegend so zu tarnen, mit der Umgebung à la Chamäleon zu verschmelzen, dass ich sie nicht finde….

     

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