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Zwischen Gedanken – Nach den Filmtagen

19 Nov

Platon

An einem der darauf folgenden Tage haben wir noch weitere Interviews aufgezeichnet. Bei allen Interviews geht es um die Erfahrungen der Interviewten, die sie im Kindergarten und der Schule gemacht hatten. Themen dabei sind Traumatisierungen, ADHS und Störungen des Sozialverhaltens. Das erfordert von Sophie beim Schnitt ein Verständnis der Thematik. Neben dem filmischen Anspruch muss sie also auch inhaltlich mitdenken.

Ich rechne damit, dass Sophie die Videobeiträge recht zügig schneidet. Das nächste Seminar steht kurz bevor. Wenigstens einen Beitrag möchte ich schon dort zur Auflockerung und zur Bereicherung der Methodenvielfalt vorführen. Ich rechne mit ca. 3 Minuten, viel länger soll das Video nicht sein. Das sollte von Sophie zügig zu schaffen sein. Doch es dauert länger als erwartet. Viel länger.

Sophie

Ich bin motzig. Der Ton der Videoaufnahmen ist eine Katastrophe. Der Kabelbruch macht sich bemerkbar, das Sicherheitsband ist nicht mitgelaufen – also bleibt nur der schlechte Ton. Ein lautes Rauschen, Knacken, Tonabbrüche, Knistern – das wird Arbeit.
Das Schnittprogramm am PC streikt und ruckelt und will gerade auch nicht. Ich überlege, die Tonspur vom Bild zu separieren und mit einem externen Programm zu bearbeiten. Dann muss ich nachher alles wieder Stück auf Stück zusammenfügen. Viel Arbeit für die paar Minuten. Und wahrscheinlich nur mit mittelwertigem Ergebnis. Ich stampfe den Film von 30 Minuten Aufnahme auf knapp zweieinhalb Minuten ein, immer im Blindschnitt, weil der PC den Geist aufgibt. Ein neuer muss her. Aber ich stecke gerade zwischen Umzugskisten fest, muss aus meiner alten Wohnung raus. Da bleiben nicht viele Mittel für neuen PC und Schnittprogramm… aber unter normalen Umständen würde ich ein qualitativ so mieses Video gar nicht abgeben wollen.

Platon

Erst einige Wochen später gibt sie mir die ersten zwei Beiträge. Auf zwei weitere werde ich selbst Monate später noch warten. Das wundert mich. Ich denke, dass ihr die Filmarbeit Spaß macht. Sie schnell fertig ist. Und ungerne im Zeitplan hinterherhinkt. Doch irgendwie verrinnt die Zeit und ich muss wiederholt nachfragen. Auf den letzten Drücker kommen dann die beiden ersten Videos. Die Tonqualität ist mäßig, das war aber auch zu vermuten, da unser Mikrofon beim Drehen schon negativ auffiel. Der Schnitt und das Bild sind sehr gut. Warum braucht Sophie nur so lange?

Sophie

Mehrere Nächte verbringe ich am Schneiden und vor allem am Versuch, den verdammten Ton zu verbessern, immer mit latentem Ärger über das Programm. Und den Philosophen, der drängelt. Nach nur wenigen Tagen. Ich speichere die Projekte auf meinem PC, sobald der Philosoph sie möchte, muss ich nur noch exportieren. Eines Abends schreibt er eine Email, er hat am nächsten Morgen ein Seminar und möchte einen Teil der Filme. Fällt ihm früh ein. Ich beginne, noch in der Nacht zu exportieren, da die Qualität gut sein soll, dauert der Export mehrere Stunden. In den frühen Morgenstunden schicke ich ihm die beiden angeforderten Filmdateien. Später erfahre ich, dass sie ihn nie erreicht haben.

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Ein Kommentar

Verfasst von - 19. November 2014 in Alltägliches

 

Eine Antwort zu “Zwischen Gedanken – Nach den Filmtagen

  1. Kakerlake

    20. November 2014 at 20:29

    Oh je, mitten im Umzugstress einen Film schneiden, wo man im Voraus weiß, das der Ton schlecht ist?!
    Ich könnte das nicht. Wenn ich umziehen muss, nimmt mich das ganz und gar in Anspruch. Nicht nur am Umzugstag…sondern bereits ab dem Moment, wo ich meine Kündigung abgegeben habe.
    Aber davon mal abgesehen, wenn ich einen Film drehe und schneide…dann brauche ich eine Deadline, wann er fertig sein soll. Ansonsten verspiele ich mich ewig mit dem Feinschnitt. Schließlich will ich ja ne gute Arbeit abliefern.
    Immer.
    Wenn es also keine Deadline gibt, dann lasse ich mir Zeit, denn es ist nicht nur die Arbeit am Film selbst, nein, dem geht eine innere Arbeit voraus. Und die dauert dann auch länger als der Filmschnitt selbst. Werde ich in dieser inneren Arbeit unterbrochen (durch nachfragen/drängeln), passiert etwas ganz seltsames. Meine innere Arbeit wird nicht einfach unterbrochen und dann vielleicht beschleunigt, sondern im Gegenteil, sie beginnt wieder bei Null.
    Ich bin dann innerlich wie gelähmt und komme nur ganz schwer wieder in den Vorbereitungsprozess. (Der dann übrigens LÄNGER dauert, als der Erste).
    Werde ich auch im zweiten Prozess gestört, beginnt das Ganze wieder von vorn. Usw.
    Also je mehr man mich drängt, umso länger dauert eine Sache.
    Das ärgert mich selbst am meisten, denn ich kann diese „Lähmung“ und das innere Zurückgehen an den Startpunkt nicht verhindern. Es passiert einfach…und lässt mich unzufrieden und ärgerlich zurück.
    Und das auch noch Wochen, ja manchmal Monate lang.

    Kakerlake

     

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