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Filmtage – Teil I

12 Nov

Platon

Ich hatte die Idee, mein Seminar mit Videobeispielen abwechslungsreicher zu gestalten. Ich fragte einige meiner Klienten, unter anderem auch Luzy aus dem Mutter-Kind-Heim. Ich bekam Zusagen. Nun frage ich Sophie, ob sie mir dabei helfen würde. Mir fehlt einfach die Zeit zum Schneiden der Videoaufnahmen. Außerdem habe ich den Eindruck, dass Sophie talentierter und genauer ist in Bezug auf Aufnahme und Schnitt. Und ich dachte, dass es ihr vielleicht sogar Spaß machen würde. Sie sagt sofort zu.

Sophie

Der Philosoph fragt mich, ob ich ihm bei Filmaufnahmen helfen könnte. Kurze Videobeispiele für die Seminare, Teilnehmer hätte er schon. Filmen ist mein Ding, meine Kamera und ich sind eine Einheit, also sage ich zu. Er hält mir seine Kamera hin, aber allein beim Blick auf das Aufnahmeband (!) lehne ich ab. Das geht effizienter, erkläre ich.

Am Morgen des Drehtages liegt der Schnee hoch. Mit meinem Mini-Auto habe ich keine Chance, durch den Schnee zu kommen. Der Philosoph holt mich ab, aber alles dauert länger. Als wir auf den Parkplatz des Drehortes fahren, schiebt der Wagen zentimeterweise Schnee beiseite. Beim Aussteigen versinke ich bis über beide Knöchel. Eigentlich mag ich Schnee, er dämpft die Geräusche der Umwelt so schön. Aber als Arbeitsbedingung ist diese Wetterlage denkbar ungünstig.

Platon

Es ist ein sonniger, kalter Wintertag. Über Nacht gab es 20 Zentimeter Neuschnee. Alle Termine an diesem Tag stehen jetzt unter Zeitdruck. Die Fahrten im Auto dauern heute wesentlich länger. Auch Sophie hat im Anschluss einen Termin. Die Zeit ist also knapp. Sophie richtet im Büro alles her. Ich muss einige Male Probesitzen und Fragen stellen, um Bild und Ton zu optimieren. Unsere Lichtquellen werden hin- und hergeschoben. Wir diskutieren die Einstellungen, am Ende wird es so gemacht, wie Sophie es möchte. Sie ist flink auf den Beinen, springt auf und ab. Ich merke, wie ich etwas überrascht bin. So kenne ich sie gar nicht aus unseren Sitzungen. Positiv überrascht.Ich schaue auf die Uhr, Luzy ist schon jetzt verspätet. Ich trete auf die Straße und sehe sie in weiter Ferne sich mit Kinderwagen und Tochter durch den Schnee zu kämpfen. Ich eile ihr entgegen und helfe ihr.

Sophie

Im Büro checke ich die Lage. Gegenlicht. Das ist schlecht. Ich richte Scheinwerfer aus, verlege Kabel, platziere den Philosophen auf seinem Platz. Der Ton will nicht so, wie ich will. Im Mikro merke ich einen Kabelbruch. Verdammt. Aber ich habe vorgesorgt – sowas mache ich immer. Ein Diktiergerät soll extra den Ton aufzeichnen, falls das erste Mikro versagt. So kann ich zumindest die Tonspur separat hinzufügen. Das Bild gefällt mir noch nicht, aber für eine genaue Ausrichtung brauche ich die Interviewpartnerin – und die ist nicht da. Sie sollte aber schon seit fünf Minuten da sein. Der Philosoph meint, dass sie ein Kind hat. Ich hoffe, es ist ein ruhiges.

Dreharbeiten sind immer mit einigen Unvorhersehbarkeiten verbunden. Das Schöne ist, dass sich ein Teil dieser Unvorhersehbarkeiten wiederholen. Ungünstige Drehorte, Probleme mit der Technik, und leider auch Leute, die keine Ahnung haben. Alles schon gehabt. Besonders beliebt machen sich bei mir Menschen, die durchs Bild latschen oder mitten im Satz abbrechen und sich dann mit einem „Kann man ja rausschneiden“ entschuldigen. Nein, kann man nicht. Latscht irgendein Mensch durchs Bild, ist die Aufnahme meist im Eimer. Weil ein Bewegtbild kein Foto ist. Ich auf den Ton angewiesen bin. Und auch beim Medium Film Sätze zumindest aus einem Subjekt, einem Prädikat und einem Objekt bestehen sollten. Allerdings hoffe ich, dass mir solche Diskussionen heute erspart bleiben. Zumal der Philosoph selbst nicht ganz unerfahren ist. Die Interviewpartnerin immer noch nicht da ist…

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Verfasst von - 12. November 2014 in Alltägliches

 

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