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Von Mäusen und Würmern

08 Nov

Platon

„Da beisst die Maus keinen Faden ab“ – dieses Sprichwort verstehe ich nicht. Nicht einmal im Ansatz. Ich denke, es ist auch vermutlich das einzige. Bin gespannt, was Sophie dazu sagt. Ich habe extra nicht im Internet recherchiert. Wenn ich müsste, dann würde ich folgende Deutung anbieten: Es ist so wie es ist, basta!

Sophie

Wo ist „da“? Ich habe Mäuse. Schon ziemlich lang. Das sind witzige Tierchen, eines von denen ist ein bisschen dick. Da wäre es gut, wenn sie weniger beißen würde. Nicht nur Fäden, sondern generell. Grundsätzlich gehören Stoffe nicht zu den bevorzugten Speisen meiner Mäuse. Die futtern eher Sämereien. Und nagen an Holz. Ich wüsste nicht einmal, ob eine Maus ohne Weiteres irgendwo einen Faden abbeißen könnte. Ist ja für Menschen schon schwer (meine Oma hat beim Nähen manchmal den Faden abgebissen) und Mäusezähne sind zwar scharf, aber bei Weitem keine Schere.

Platon

„Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach“ – Dieses Sprichwort ist gegen Mut, aber für Sicherheit. Gegen wilde Spekulation, für sichere Anlagen. Tatsächlich sehe ich bei dieser Redewendung einen Spatz in der Hand, im Hintergrund ein einfaches Haus, mit rotem Ziegeldach und einer Taube obendrauf. Immer. Komisch eigentlich. Oder? Sehen das andere auch so? Ich habe die Vermutung, dass ich dieses Sprichwort, sofern ich es für mein eigenes Handeln anwende, als Entschuldigung verwende. Für fehlenden Mut, für fehlende Zuversicht, für langweiliges Sicherheitsdenken. Trotzdem mag ich das Sprichwort. Vielleicht, weil es so bodenständig ist. Mir tut nur der arme Spatz leid, der so oft herhalten muss.

Sophie

Zu dem Spatz in der Hand habe ich ein ganz gestörtes Verhältnis. Vier Jahre lang saß ich in einem Kunstsaal in der Schule, in dem auf einem Plakat an der Wand genau dieses Sprichwort hing. Ein rotes Plakat mit Piktogrammen für „Spatz“, „Hand“, „Taube“ und „Dach“. Und vier Jahre lang habe ich mindestens einmal in der Woche zwei Stunden auf meinem Platz gesessen und überlegt, was das eigentlich soll. Anfangs konnte ich nicht mal die Vögel unterscheiden, was zu „Lieber einen Vogel auf der Hand als einen auf dem Dach“ führte. Vielleicht macht der Vogel auf dem Dach mehr kaputt, sodass man dann einen „Dachschaden“ hat, also verrückt ist? Wer einen Vogel hat, ist auch irgendwie verrückt, aber vielleicht nicht ganz so schlimm wie der mit dem Dachschaden. Irgendwann googelte ich das Sprichwort. Dann wusste ich, was das heißen sollte – was es bedeutet, ist mir aber bis heute nicht klar. Denn es gibt viele Tauben auf Dächern. Aber wer hat schon mal das Glück, einen Spatz in der Hand zu halten? Wenn, dann ist das Tier meist krank oder schon tot. Und dass ein toter Vogel in der Hand besser sein soll als lebende in der Luft, das glaube ich nicht. Es sei denn, man gehört zu den Menschen, die Vögel als Plage betrachten. Aber dann mag ich das Sprichwort erst recht nicht.

Platon

Beim „Ohrwurm“ sehe keinen Wurm. Auch kein Ohr. Ich habe dafür einige Lieder im Kopf, die für mich Ohrwürmer waren. Auch solche, die ich gar nicht als Ohrwurm haben wollte: Lambada. Saturday Nigt von Whigfield, dieses Trommellied, zuletzt sogar tatsächlich Helene Fischer. Den Titel muss ich wohl nicht nennen. Dröhnte ja zu oft aus vorbeifahrenden Autos. Ich kann jetzt sogar nicht einmal sagen, welchen Ohrwurm ich besonders mochte, nicht als Eindringling wahrnahm, sondern als Wonne. Lange halten diese Würme bei mir ohnehin nicht an. Noch schlimmer sind übrigens für mich solche Ohrwürmer, die nichts mit Musik zu tun haben, sondern mit belastenden Aussagen von Mitmenschen, die mich sehr getroffen hatten. Die können auch länger anhalten

Jetzt fällt mir doch noch ein positiver Ohrwurm ein: Fragile von Sting …

Und was fällt euch noch so ein?

Sophie

Wenn jemand sagt, dass er einen Ohrwurm habe, muss ich immer ein Lachen unterdrücken. Ich sehe dann einen grünen Wurm, der sich irgendwo kurz vorm Trommelfell im Gehörgang eingenistet hat. Und obwohl Tiere in irgendwelchen Körperöffnungen eigentlich eine ziemlich unangenehme Sache sind, finde ich den Ohrwurm (zwischenzeitlich) ganz niedlich. Denn entgegen dem ersten Gedanken hat er nichts mit einem parasitären Befall durch des Menschen durch Wirbellose zu tun.

Das, was andere als „Ohrwurm“ bezeichnen, kenne ich von der Beschreibung auch. Ich nenne das allerdings „Echo-Erinnerung“. Das kann eine Melodie oder auch nur ein Fragment einer Melodie sein, dass sich dann über Stunden immer und immer wieder in meinem Kopf wiederholt. Das können aber auch visuelle Eindrücke sein. Es gibt ein Handyspiel, bei dem man immer drei gleichfarbige Steine in eine Reihe bringen muss. Diese lösen sich dann auf und andere Steine rutschen nach. Das Spiel habe ich zwischenzeitlich gelöscht, weil es über Stunden solche Echo-Erinnerungen auslöst. Gerade abends ist das sehr nervig, denn dann sehe ich die halbe Nacht bunte Steine vor meinem geistigen Auge, die sich in Dreierreihen sortieren und auflösen. Und in dem Zusammenhang frage ich mich gerade: Wenn das beständige imaginäre Wiederholen von Liedern ein Ohrwurm ist (ganz nebenbei: Helene Fischer als Ohrwurm würde ich als Vorstufe zur Folter bezeichnen…) – habe ich bei dem Spiel dann einen Sehwurm?

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3 Kommentare

Verfasst von - 8. November 2014 in Brett vorm Kopf

 

3 Antworten zu “Von Mäusen und Würmern

  1. mikesch1234

    8. November 2014 at 12:08

    Kirchenmäuse können Fäden sehr gur beißen … !
    Nach einem 3 wöchigen Urlaub waren aus meinem Talar, der seinen Urlaub in der Sakristei der Kirche verbrachte, mehrere Stoffstücke herausgeknabbert worden, an den Armen hingen teilweise Fetzen.
    Die herausgebissenen Stofffetzen fanden sich dann im Windbalg der Truhenorgel wieder, wo sich die armen Kichenmäuse ihr Nest dort ausgepolstert hatten 🙂
    Wir stellten Lebendmausefallen auf – und alle armen Kirchenmäuschen zogen nach und nach in einen Park um.

     
  2. Johannes Lewke

    8. November 2014 at 13:09

    Ohrwürmer habe ich fast durchgehend, meistens angenehme. Zur Zeit sind das bei mir oft Johann Sebastian Bachs Motette „Jesu meine Freude“ oder die Bach-Kantate „Ich hatte viel Bekümmernis“. Mal ist es nur eine Arie, manchmal auch das ganze Werk.

     
  3. Karin Moser

    12. November 2014 at 14:30

    das mit dem „Sehwurm“ ist Klasse *g*

     

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