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Eine Standortbestimmung – Teil II

27 Sep

Sophie steht nun – für sie auch durchaus überraschend – an einem Wendepunkt. Sie hat ihre Arbeitsstelle gekündigt, in einer Situation, in der sie nicht geglaubt hatte, einen Alternativplan in der Hinterhand halten zu müssen. Während siedie Lage vor allem negativ bewertet, entgeht ihr eine entscheidende Sache: Der beständige Kontakt zum Philosophen, die Erklärungen, die Akzeptanz und das So-Sein-Dürfen haben erst die Rahmenbedingungen geschaffen, die es Sophie ermöglicht haben, sich selbst aus einer für sie nicht tragbaren Situation (in diesem Fall die Arbeitsstelle) zu lösen. Und soviel kann schon gesagt werden: Die Kündigung wird sie zu keinem Zeitpunkt als Fehler ansehen.

Die Situation mit dem Drucker in der vorigen zeigte aber, dass es auch im Kontakt zwischen Platon und Sophie durchaus zu Missverständnissen und Situationen kommen kann, die Sophie aus der Bahn werfen. Während der Philosoph sich über seinen Fehler ärgert, bestärken solche Vorkommnisse Sophie darin, dass sie es beruflich und auch im Sozialen nicht schaffen kann, auf einer tragfähigen Basis zu stehen. Dazu kommt der Ärger darüber, dass vermeintliche Bagatellen so eine Auswirkung auf ihren Alltag haben. Das wirft einen neuen Blick auf ein „So-Sein-Dürfen“ – denn während der Philosoph den Fehler bei sich sieht und Sophies Verhalten bezogen auf ihre Art sogar nachvollziehen kann, so gibt es einen Menschen, der ihr noch im Weg steht: Sie selbst.

In den kommenden Wochen arbeiten Sophie und Platon daran, einen Lebensrahmen zu schaffen, der Sophie nicht nur eine Arbeit entsprechend ihren Fähigkeiten und Stärken verfasst, sondern auch das Sozialgefüge neu definiert. Und zwar in einer Art, die das Thema Autismus so mit einbindet, dass es zum Leben dazugehört, aber eben kein Thema mehr ist, über das diskutiert werden muss. Ähnlich, wie niemand über das Atmen spricht oder nachdenkt, obwohl es unvermeidlich zum Leben dazugehört.

Trotz all dieser Wendungen gibt es für Platon und Sophie aber nun eine zentrale Frage zu klären, die an dieser Stelle vielleicht überraschend erscheinen mag: Kann und sollte ein therapeutischer Kontext weitergeführt werden?

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2 Kommentare

Verfasst von - 27. September 2014 in Alltägliches

 

2 Antworten zu “Eine Standortbestimmung – Teil II

  1. reynard1603

    27. September 2014 at 9:31

    Nachdem der wechselseitige reflexive Prozess (man muss es nicht Therapie nennen) so viel Licht ins Dunkel gebracht hat, wäre es meiner Ansicht nach sehr hilfreich, weiterzumachen. Das Thema Autismus so in den Alltag einzubinden, dass die daraus entstehenden Notwendigkeiten so selbstverständlich wie das Atmen erscheinen, ist eine interessante erstrebenswerte Perspektive, aber auch sehr ehrgeizig. Viel Erfolg dabei!
    Reinhard

     
  2. Ismael Kluever

    27. September 2014 at 13:05

    „Kann und sollte ein therapeutischer Kontext weitergeführt werden?“

    Ich gebe zu, dass ich den therapeutischen Kontext des Austausches zwischen Sophie und Platon schon länger nicht mehr erkennen kann. Obwohl doch ein recht großer Erfahrungsschatz vorliegen muss, der ja (wenn auch nur von Platon) auf der RePublica in Berlin vorgestellt wurde*.

    Derzeit wirken die Texte – und das ist keineswegs negativ gemeint! – wie der Dialog zweier Menschen, die in großer gegenseitiger Wertschätzung einander kennenlernen, Freundschaft schließen, vieles aneinander entdecken, dabei aber auch an Grenzen stoßen.

    Natürlich ist der Rat und die Reflektion durch Platon wichtig für die konkrete Lebensgestaltung von Sophie, aber offensichtlich wirkt Sophies Wahrnehmung auch auf Platon zurück.

    Deswegen hat dieser Dialog für mich nicht mehr den Anspruch der „Therapie“, deretwegen Sophie ursprünglich auf Platon zugekommen war. Ohne die Gesamtentwicklung überbewerten zu wollen, aber ich meine ein großes Vertrauen dieser beiden Menschen zueinander herauslesen zu können. Ist der Begriff „Freundschaft“, bei aller Gegensätzlichkeit der Charaktäre, zu hoch gegriffen oder gar eine Überforderung?

    Als eifriger Leser dieses Blogs bin ich jedenfalls gespannt, wie die Geschichte weiter geht. Und ob es irgendwann vielleicht zum „Du“ zwischen Sophie und Platon kommt! 😉

    ___________________
    *Gibt es zu dem Vortrag eigentlich ein Skript? Es würde mich sehr interessieren!

     

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