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Zwischen Gedanken – Die Arbeit

06 Sep

Platon

Sophie hat gekündigt. Das ging jetzt alles sehr schnell. Sie wie ich es beurteilen kann, hat sie das ganz allein aus ihrer inneren Überzeugung gemacht. Ich habe ihr keinerlei Ratschläge gegeben, sondern Perspektiven und Möglichkeiten aufgezeigt. Auch bei der Stelle, die sie nun nicht mehr hat. Für Sophie wird eine neue Zeit anbrechen, vielleicht jetzt ohne Angst, ohne diese gefühlte lähmende Hilflosigkeit.

Es wird für Sie eine enorme Umstellung werden. Alle ihr mühsam vertrauten Tagesabläufe – selbst die gab es bei der gekündigten Arbeit – werden wegfallen. Sie wird sich komplett neu sortieren, ganz neue Dinge im Blick haben müssen. Ihr Orientierung wird sie sich stückweise neu suchen müssen. Das wird Kraft und Überwindung kosten. Aber sie ist nicht alleine. Sie wird von Experten betreut, die unter anderem auch zum Thema „Existenzgründung“ sehr erfahren sind. Auch ich werde sie unterstützen, sofern sie das weiterhin wünscht.

Sophie

Ich fühle mich wie gelähmt. Maximale Unsicherheit. War meine Entscheidung zu schnell? Hätte ich die Situation länger „aushalten“ müssen? Ist es wirklich so, dass das Berufsleben heißt, sich bis an die Grenzen der Gesundheit zu verbiegen? Sechs Monate war ich in diesem Betrieb. Der erste Gedanke an Kündigung kam mir nach sechs Wochen. Aber man kündigt doch nicht einfach so? Vor allem doch nicht, wenn man „einfach nur“ seinen Arbeitgeber moralisch als sehr fragwürdig einstuft. Bin ich zu dünnhäutig? Zu unfähig?

Wobei wahrscheinlich schon der Ablauf der Kündigung für sich spricht. Ich weiß nicht, „wie“ man kündigt. Daher bin ich ins Büro meines Chefs, habe ihm mitgeteilt, dass ich im Laufe der vergangenen Wochen zu dem Entschluss gekommen sei, dass es besser ist, wenn ich den Betrieb verlasse. Ich hatte mit Fragen gerechnet, vielleicht einer Bestätigung meiner Einschätzung – nur nicht damit, dass keine Reaktion kommt. Nur ein Griff zum Telefon, ein kurzes „Kommen Sie mal bitte eben rüber“ und dann Schweigen. Der Verlagsleiter wurde dazugeholt und ab dem Moment habe ich auch verstanden, was es heißt, wenn man eine Angelegenheit „zwischen Tür und Angel“ klärt. „Sie kündigen?“, wollte er im Türrahmen stehend wissen. Ich bestätigte. „Okay. Auf Wiedersehen.“ Sprach’s, zog die Tür wieder zu und verschwand. Mein Chef schwieg immer noch. Offenbar habe ich irgendetwas ganz falsch eingeschätzt.

Platon

Ich denke, dass es eine gute Entscheidug von Sophie war. Dass sie nun die Möglichkeit hat, so zu arbeiten, wie es ihr am besten liegt. Dass sie ihre Themen und ihre Fähigkeiten nun deutlich besser anbringen kann, bearbeiten kann. Und dass sie sich auch persönlich entwickeln kann, die Wertschätzung erfährt, die sie verdient.  Und dass sie zunehmend positive Erfahrungen sammelt. Dass letztlich die demotivierenden Faktoren weitestgehend aus ihrem Leben verschwieden. Es wird wohl immer noch genug Stress und Probleme geben, aber nicht mehr die, die ihr so schwer bei der nun gekündigten Arbeit so sehr zugesetzt haben. Ich bin gespannt. Und werde da sein.

Sophie

Ich merke zunehmend, wie sehr die Stelle im Büro meinem Bedürfnis nach Ruhe und klarer Struktur zuwider gelaufen ist. Wie sehr die fehlende Qualität, der fehlende Anspruch, die fehlende Herausforderung von fachlicher Seite und die Anstrengungen, irgendwelche sozialen Erwartungen zu entsprechen, mir jede Energie geraubt haben. Ich fühle mich, als könnte ich über Wochen durchschlafen. Und komme doch nicht zur Ruhe.

Gleichzeitig hört das Gedankenkreisen nicht auf, immer neue Situationen kommen mir in den Sinn. Mein Lebenslauf bescheinigt mir hohe Qualifikationen. Da frustriert es, dass ich nicht in der Lage bin, mich mit Kollegen über Stoffwechselendprodukte und Verdauungsprobleme zu unterhalten, wie es dort scheinbar normal war und erwartet wurde. Ein bisschen Anpassung sollte doch nicht so schwer sein. Dass ich gerade hier auch – mal wieder – gescheitert bin, macht das nicht einfacher. Und zum ersten Mal habe ich Angst. Angst vor den kommenden Monaten. Im Ausmalen von Horrorszenarien bin ich ganz gut, wie mir scheint.

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Verfasst von - 6. September 2014 in Zwischen Gedanken

 

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