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22. Nachricht von Sophie an Platon

30 Aug

Sophie

„Hallo Platon,

ich glaube nicht, dass es mit einer einfachen Aufklärung getan ist. Zumal ich nicht den Eindruck habe, dass überhaupt ein grundlegendes Verständnis vorliegt. Das setzt ja nach meiner Beobachtung bei sehr einfachen und klar nachvollziehbaren Dingen aus. Ein Beispiel: In mein Büro sind die Fenster undicht, bei Regen dringt Wasser ein. Nun ist direkt unter den undichten Fenster die Steckdosenleiste angebracht, eine der Steckdosen ist hierbei herausgerissen und die Drähte liegen frei und blank herum. Beides an sich sind schon Faktoren, die ich für grenzwertig bzw. gefährlich halte, in der Kombination aber denke ich, dass hier eine wirkliche Gefahrenquelle vorliegt. Meine Hinweise auf die kaputte Steckdose wurde mit einem „Das ist schon seit zwei Jahren so“ abgetan, beim letzten Regen brachte man mir Handtücher und Leinensäcke, um die undichten Fenster „abzudichten“. Und mein Hinweis auf die äußerst ungünstige Kombination Wasser und blank liegende Kabel wurde mit einem „Nicht hingreifen, dann passiert schon nichts“ erledigt. Nun finde ich die physikalische Grundlage von Wasser und Strom nicht unbedingt schwer nachvollziehbar, dennoch stoße ich selbst bei den Redakteuren, die Mitglied im Betriebsrat sind, auf taube Ohren. Wie soll ich ihnen dann etwas erklären, was noch weit weniger nachvollzieh-, vor allem aber nicht sichtbar ist?

Zudem habe ich hier zunehmend den Eindruck, dass es nicht interessiert, wer hier eigentlich mit wem warum arbeitet. Die Leute kommen, machen ihr Ding, drehen Däumchen, trinken Kaffee und hauen ab, so schnell es wieder geht. Nicht, dass ich es ihnen verdenken kann. Auch andere Faktoren lassen sich nicht einfach abstellen. Der Kampf ums Licht und den Neonröhren zum Beispiel. Ich bin ja nicht immer alleine im Büro und wenn die andere Kollegin der Meinung ist, dass es bei Sonnenschein und Schreibtischlampe zu dunkel im Büro ist… nun, dann kann ich nichts machen. Gleiches gilt für Außentermine, Konferenzen, dem alltäglichen Gewusel und Gewimmel und einem schnellen „Ruf mal eben da an.“ Und das sind ja nur die äußeren Faktoren. Von den qualitativen Mängeln spreche ich da noch gar nicht.

Zu Punkt 2: Wenn ich hier etwas in den letzten Wochen gelernt habe, dann, wie ich nie werden möchte. Meine Kollegen haben die Zustände hier akzeptiert. Ich erlebe sie resigniert, perspektivlos, ohne Engagement. In einer passiven „Kann man eh nicht ändern“-Haltung. Das ist deprimierend und ich glaube nicht, dass hier eine „Neubewertung“ hilfreich ist.

Aber auch bezüglich Ihres dritten Punktes habe ich Zweifel. Sicher, die Kündigung scheint mir der einzig gangbare Weg. Aber was dann? Sie kennen die Situation hier auf dem Arbeitsmarkt, in dem Bereich, den ich gelernt habe, gibt es kaum Anstellungen und hier schon mal gar nicht. „Beste Chancen“ sehe ich da nicht, eher im Gegenteil. Und gerade im freiberuflichen Bereich kann ich mich nur schlecht verorten. Ich bekomme ja nicht einmal problemlos einen Wocheneinkauf hin, wie soll ich da selbstständig und eigenverantwortlich für alle Faktoren wie Versicherungen, Steuer, etc. arbeiten können? Das käme doch einem beruflichen Selbstmord gleich.

Wahrscheinlich war es ein großer Fehler, dass ich überhaupt hierhergekommen bin…

Liebe Grüße

Sophie“

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2 Kommentare

Verfasst von - 30. August 2014 in Briefe

 

2 Antworten zu “22. Nachricht von Sophie an Platon

  1. Forscher

    30. August 2014 at 11:41

    „Ich erlebe sie resigniert, perspektivlos, ohne Engagement“

    Gibt es denn noch Firmen, bei denen das anders ist?

     
  2. kiwigirl

    1. September 2014 at 16:26

    ich bin mir noch immer nicht ganz im klaren, was die genaue tätigkeit von sophie ist. ich weiß jedoch, dass es auch noch einrichtungen gibt, in denen das anders läuft, häufig sind dies aber alternative und kleinere einrichtungen, mit eigenen trägern und es ist nicht ganz einfach sie zu finden…

     

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