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Zwischen Gedanken – Nach der Trance

25 Jun

Sophie:

Ich habe eigentlich nicht damit gerechnet, dass da heute irgendwas bei herauskommt. Ich bin nicht einmal sicher, ob da etwas herausgekommen ist. Aber lustig war es allemal. Wahrscheinlich werde ich in den kommenden Woche keine Spinne sehen können, ohne grinsen zu müssen.

Die Bemerkung des Philosophen, dass er glaubt, ich sei eingeschlafen, wundert mich. Schließlich habe ich mein kaum vorhandenes Zeitgefühl zwar verloren, bin mir allerdings sicher, dass ich wach war. Es wäre auch zu schön, wenn sich auf diese Weise und so einfach einschlafen ließe. Aber auch der Philosoph schien sich sicher. Und für einige Momente zweifle ich ernsthaft an meiner Wahrnehmung – schließlich fand ich auch eine Spinne zum Schreien komisch…

Platon:

Damit habe ich nicht gerechnet. Wir hatten schon einige Achtsamkeitsübungen gemacht, aber ohne Erfolg. Ganz im Gegenteil, Sophie hat so gut wie keine „Verbindung“ zum eigenen Körper. Wie sollen daher Achtsamkeitsübungen gelingen? Dieses Thema – also Entspannungstechniken bei Mensch aus dem Autismus-Spektrum-Bereich – ist in der Literatur kaum erwähnt. Hier ist aus meiner Sicht in Forschung und Praxis eine große Lücke. Hier ist großer Handlungsbedarf.

Eine weitere Frage ist, wie Bewußstsein und Unterbewußtsein miteinander verknüpft sind, wie beide Bereiche präsent bzw. nicht präsent sind. Ich habe den Eindruck, dass bei Sophie das Bewußte und Unbewußte anders zusammenspielen. Sie muss sich auf alles konzentrieren, zum Beispiel auf jede Körper-Bewegung beim Autofahren. Oder beim Zubinden der Schnürsenkel, bei der Steuerung des rechten und des linken Arms, beider Körperhälften. Prozesse laufen nicht intuitiv ab. Dadurch sind alle Handlungen letztlich sehr anstrengend und wenig multitaskingfähig. Daher vielleicht auch die große Müdigkeit. Und die großen Schlafprobleme.

Sophie:

Immerhin, eine Sache fällt mir auf: Mir scheint, als hätte jemand die Gedanken in meinem Kopf einfach ausgeknipst. Oder zumindest die dahinterstehende Eigendynamik. Im Laufe der Nacht schraubte sich mein Herzschlag wieder in die wohlbekannte Höhe, dennoch fühle ich mich einige Stunden regelrecht gelassen und ruhig. An die Situation beim Arzt verschwende ich keinen Gedanken mehr. An den Rest auch nicht. Das ist eine sehr willkommene Abwechslung – so, als hätte jemand in einem Raum, in dem mehrere Menschen durcheinander reden und immer lauter werden, für einige Zeit für Stille gesorgt. So sollte es eigentlich immer sein.

Platon:

Ob für Sophie Entspannungstechniken und hypnothische Verfahren sinnvoll sind, muss wohl schlichtweg ausprobiert werden. Interessant ist jedenfalls, dass sie auf ganz einfache und direkte Suggestionen, die offenbar nur oft genug wiederholt weren müssen, anspricht. Hier wünschte ich mir Forschungserbnisse und Berichte aus der Praxis. Erfahrungsberichte von Verfahren und Techniken, die vielleicht so manche pharmakologische Intervention ersparen könnten.

Kleine Mitteilung

Achtung, ab heute ändern wir noch einmal den Erscheinungsrhythmus unserer Beiträge. Zum einen wollen wir den Sommer herbeizwingen und euch Zeit geben, die Sonne und das schöne Wetter (ja, das kommt jetzt. Wirklich.) zu genießen (und außerdem nicht langweilig für euch werden), zum anderen arbeiten wir gerade intensiv am Buch zu diesem Blog mit vielen zusätzlichen Hintergrundinfos und brauchen dafür etwas Luft. Außerdem war der bisherige Erscheinungsrhythmus etwas „unrund“ und gerade am Wochenende knubbelten sich die Beiträge schon. Daher:

Ab heute erscheinen neue Beiträge jeden Mittwoch und jeden Samstag um 10 Uhr.

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4 Kommentare

Verfasst von - 25. Juni 2014 in Zwischen Gedanken

 

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4 Antworten zu “Zwischen Gedanken – Nach der Trance

  1. kiwigirl

    7. August 2014 at 8:47

    lieber herr platon,

    was sind achtsamkeitsübungen? und ist mit keine gute verbindung zum eigenen körper gefühlsblindheit gemeint?

    lg

     
    • dualessein

      7. August 2014 at 21:06

      Zu den Achtsamkeitsübungen bietet sich diese Seite ganz gut zum Einlesen an.

      Die fehlende Körperwahrnehmung bzw. mangelnde Verbindung zum Körper hat nichts mit der Gefühlsblindheit, der sogenannten Alexithymie, zu tun. Mit Verbindung zum Körper ist gemeint, dass eine Person stets weiß, was in ihrem Körper gerade „vorgeht“. Fehlt die Verbindung zum Körper, können Dinge wie Schmerz, Hunger, Durst und anderes nicht wahrgenommen werden. Hierbei geht es vor allem um Körpersignale, nicht aber um Emotionen.

      Die Gefühlsblindheit hingegen bezeichnet die eingeschränkte oder gar nicht vorhandene Fähigkeit, eigene Gefühle wahrzunehmen, diese zu erkennen und auch zu verbalisieren. Eine Person zeigt also eine eigentlich emotionale Reaktion, ist aber nicht imstande, diese zu erkennen (z. B. als Angst), zu verbalisieren („Ich habe Angst.“) oder gar zu beschreiben (Zittern, Stein im Magen, Kloß im Hals, etc.).

       
  2. kiwigirl

    7. August 2014 at 8:51

    wie heißt das buch, gibt es das schon im handel?

     
    • dualessein

      7. August 2014 at 21:00

      Es ist in Arbeit. Sobald es erschienen ist, geben wir es hier bekannt.

      Sophie

       

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