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20. Nachricht von Platon an Sophie

18 Jun

Platon

Hallo Sophie,

Sie haben nichts falsch gemacht. Sie waren freundlich und haben Ihr Anliegen angemessen formuliert. Die Arzthelferin war aber offenbar nicht in der Lage, Ihre „Notsituation“ zu  verstehen. Da kann man ihr auch nicht unbedingt einen Vorwurf machen. Vielleicht hatte sie auch schon einen nervigen Tag hinter sich und wartete nur auf die Gelegenheit, ihren Frust abzulassen. Und da kamen vielleicht Sie genau richtig dahergelaufen. Und Ihr Blick wurde einmal mehr völlig fehlinterpretiert. Auch für Ihr Bedürfnis, genau das gleiche Produkt vom gleichen Hersteller haben zu wollen, fehlt völliges Verständnis.

Was hätten Sie anders bzw. besser machen können? Zunächst sollten Sie versuchen, solche Ereignisse nicht zu hoch zu bewerten und darunter zu leiden – und das sagt sich jetzt leider leichter als es getan ist. Die Arzthelferin wird sich darüber wohl nicht tagelang den Kopf zerbrechen, ihr ist es letztlich egal. Vielleicht wird sie abends ihrem Freund berichten, dass wieder mal sonderbare Patienten da waren. Dass sie nicht viel verstanden hat, bemerkt sie vermutlich nicht einmal.

Das passiert übrigens allen Menschen mehr oder weniger regelmäßig, dass es zu Situationen mit anderen Menschen kommt, die nicht nur irritieren, sondern verletzen oder wütend machen können. Je stärker das Selbstwertgefühl ist, um so besser kommt man meines Erachtens damit zurecht. Aber jeder hat mal schlechte Tage oder wird am falschen Nerv getroffen. Sie sollten also weniger darüber nachdenken, wie Sie solche Situationen vermeiden können – das wird sowieso nicht klappen – sondern schauen, welche Bewältigungsstrategien die erfolgreichsten sind. Um letztlich schneller solche Erlebnisse abhaken zu können.

Was hätten Sie in dieser Situation konkret anders machen können? Nicht rechtfertigen oder erklären. Sie hätten fragen können, ob Ihr ganz spezielles Produkt grundsätzlich in der Arztpraxis verschrieben werden kann oder nicht. Wenn die Antwort nein gewesen wäre, dann hätten Sie sich freundlich verabschiedet und wären zu einem anderen Arzt gegangen oder hätten später noch einmal per Email mit dem Arzt direkt Kontakt aufgenommen und die Situation schriftlich erklärt. Sobald Sie sich mit genervten und uneinsichtigen Menschen sachlich auseinandersetzen möchten, wird es vor allem für Sie schwierig. Das sollten Sie wissen. Das soll auch nicht heißen, sich immer zurückzuziehen oder klein beizugeben. Aber kleinen und unnützen Scharmützeln kann man getrost aus dem Weg gehen. Leichter gesagt als getan…

Platon

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3 Kommentare

Verfasst von - 18. Juni 2014 in Briefe

 

3 Antworten zu “20. Nachricht von Platon an Sophie

  1. Mueller8de

    18. Juni 2014 at 9:31

    Du merkst es wenigstens sofort!
    Ich kriege das erst mit, wenn ich bei der Apotheke war und das falsche Produkt in der Hand halte. Was habe ich darüber schon gewütet. Völlig zwecklos, aber irgendwo müssen Wut und Frust nun mal hin. 🙂
    Am Schlimmsten war, als ich endlich meine Taxi-Verschreibung zu Hause hatte, sie mir vorlesen ließ und wirklich restlos alles falsch war. Am nächsten Tag war dann der Behandlungstermin, den ich absagen musste, weil die KK sich querstellt (schon ausprobiert) und die Kosten nicht übernimmt. DAS erfahre ich natürlich erst Monate später und werde von den Taxifaherern dann natürlich angesprochen, wo ihr Geld bleibt. Arrgh!
    Da Du es am Rezept schon siehst: Wie wäre es mit Bockbeinigkeit? „Das ist das falsche Produkt, ich möchte genau das (…)“.

     
  2. Mueller8de

    18. Juni 2014 at 9:33

    Mueller8de aus technischen Gründen gleich Mueller7de

     
  3. Anita

    25. Juni 2014 at 9:42

    Zitat Platon: “ Was hätten Sie in dieser Situation konkret anders machen können? Nicht rechtfertigen oder erklären. Sie hätten fragen können, ob Ihr ganz spezielles Produkt grundsätzlich in der Arztpraxis verschrieben werden kann oder nicht. Wenn die Antwort nein gewesen wäre, dann hätten Sie sich freundlich verabschiedet und wären zu einem anderen Arzt gegangen oder hätten später noch einmal per Email mit dem Arzt direkt Kontakt aufgenommen und die Situation schriftlich erklärt. Sobald Sie sich mit genervten und uneinsichtigen Menschen sachlich auseinandersetzen möchten, wird es vor allem für Sie schwierig. Das sollten Sie wissen. Das soll auch nicht heißen, sich immer zurückzuziehen oder klein beizugeben. Aber kleinen und unnützen Scharmützeln kann man getrost aus dem Weg gehen. Leichter gesagt als getan…“

    womit wir bei der Selbstbewusstseinstärkung wären.

    Die Praxis verlassen, den Arzt später darauf ansprechen, einen anderen Arzt suchen ……. ja leichter gesagt als getan ……

    Das ist das eine.

    Das andere ist, dass Gedankenkarussell abzuschalten. Und das ist viel schwieriger!

     

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