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Und was machst du so? Der Tauschtag – Teil III

11 Jun

Platon:

Dann müssen wir wieder los. Ich muss immer wieder zwischendurch telefonieren. In Gebäude der Familienhilfe arbeiten die zwei Jungs gemeinsam am Zaun. Dafür, dass diese beiden Jugendlichen auf ihren Schulen über Jahre für besonders negative Furore gesorgt haben, sind sie hier ein tolles Team. Ich versuche, ihr Selbstgefühl zu stärken. Währenddessen fragt mich das Mächen am PC andauernd, wer denn der eine Junge sei. Ich will sie vorstellen, doch davon bringt sie mich mit lautem Geschrei ab. Sophie bekommt alles aus der Entfernung mehr oder weniger mit.

Sophie:

Die Situation in der Wohnung ist anstrengend. Die Leute scheinen nett, aber drei Fremde auf einen Haufen in einer fremden Wohnung – nicht ganz mein Fall. Die Kaffeemaschine ist laut und unangenehm, die Wohnung aufgeräumt, aber irgendwie unstrukturiert. Offen und ohne klare Linie. Ständig bleibt mein Blick irgendwo hängen, ein Gesamtbild bekomme ich nicht. In der Kommunikation orientiere ich mich klar am Philosophen, greife seine Themen auf, antworte auf Fragen. Normalerweise würde ich wohl nichts sagen.

Nach einer halbe Stunde geht es wieder zurück. Und ich merke, dass es mir – mal wieder – gerade zu viele Leute werden. Das Mädchen oben, die zwei Jungs am Zaun, die Familie eben, der ständige Ortswechsel, das „Ich mach eben noch“-Prinzip des Philosophen. Ich für meinen Teil bin erst mal bedient und ziehe mich zurück. Beobachte nur noch aus der Entfernung.

Platon:

Zur Belohnung für ihren Einsatz lade ich die beiden Jungs zu einer anderen Fastfood-Kette ein und ärgere mich gleichzeitig, dass ich schon gegessen habe. Da muss ich jetzt aber durch. Sophie bleibt lieber bei dem Mädchen am PC. Nach vollendeter Arbeit an diesem Tag bringen wir den einen Jungen wieder zurück. Der ander fährt mit dem Fahrrad.  Ich kann schlecht abschätzen, inwiefern Sophie auf der Rückbank unserer Unterhaltung vorne folgen kann. Dann fahren wir zurück zum Mädchen am PC, laden es ein und bringen es auch nach Hause. Ich bin wieder einmal ziemlich erschöpft und ich vermute Sophie auch. Ich bringe sie nach Hause. Es ist etwa 19 Uhr.

Sophie:

Der Philosoph war zwischendurch verschwunden. Im Gebäude ist es kalt, daher entschließe ich mich, mit durch Ostfriesland zu fahren, als er einen der Jugendlichen nach Hause bringt. Beim Einsteigen fällt mein Blick auf den Fastfood-Getränkebecher. Also war er noch einmal bei einer Kette. Ich glaube, das Zeug macht wirklich süchtig.

Nachdem der Junge abgeliefert ist, geht es wieder zurück zum Gebäude der Familienhilfe, nun das Mädchen einladen. Himmel, was eine unkoordinierte Fahrerei. Und das jeden Tag, ich würde wahnsinnig werden. Dazu der durchaus als flexibel zu bezeichnende Zeitplan, der spürbar nach vorne oder hinten gedehnt wird – das ist so komplett anders als das, was ich tagtäglich mache. Und ich merke, dass diese Art zu arbeiten, gehörig an meine Reserven geht.

 

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Ein Kommentar

Verfasst von - 11. Juni 2014 in Der Tauschtag, Die Sitzungen

 

Eine Antwort zu “Und was machst du so? Der Tauschtag – Teil III

  1. Ismael Kluever

    11. Juni 2014 at 13:55

    Ich glaube, Sophie ist so damit beschäftigt, die Beobachtungen und Stressoren des Tages zu verarbeiten, dass sie gar nicht wirklich die Perspektive von Platon einnehmen kann. Sie bleibt distanzierte Beobachterin. Noch scheint der wirkliche Perspektivwechsel zu überfordern.

     

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