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Und was machst du so? Der Tauschtag – Teil II

08 Jun

Platon:

Sobald ich das Gespräch mit Lucy beendet habe, gehe ich zum Auto. Dort wartet Sophie. Obwohl es noch etwas früh für ein Mittagessen ist, beschließe ich etwas bei einer Fastfood-Kette zu essen. Sophie begleitet mich unwillig. Schon bei der Bestellung bemerke ich, wie die ganzen Geräusche der Kasse, der Kaffeemaschinen, der „Drive-In“-Bestellungen, der Frittier-Geräte usw. Sophie erheblich irritieren und sprichwörtlich nerven. Sie lehnt dankend ab, als ich frage, ob sie auch etwas haben möchte. Ich suche einen Platz weit hinten, immerhin ist es dort geringfügig ruhiger. Ich esse hastig meine Dinger auf, lese dabei flüchtig in einer Zeitung, und versuche erst gar nicht großartig mit Sophie ins Gespräch zu kommen. Ich kann mir jetzt schon vorstellen, wie Sophie im Blog diesen Fastfood-Restaurant-Besuch kommentieren wird.

Sophie:

Ich warte im Auto, es ist einer der ersten warmen Tage. Schmetterlinge flattern vorbei, im Gebüsch vor mir sitzt ein Vogel und flattert zwischen den Zweigen hin und her. Plötzlich ist der Philosoph wieder da, es scheint doch etwas Zeit vergangen. Er möchte Mittag essen und fährt mit mir Richtung Stadt, um dann bei einer bekannten Fastfoodkette zu halten.

Es stinkt nach altem Fett. Na lecker. Das Restaurant am Bahnhof hat in etwa den Charme einer öffentlichen Toilette. Auch die Geräuschkulisse ist nicht das, was ich mir unter einer „angenehmen Atmosphäre“ vorstelle. Der Philosoph kommt mit zwei pappigen Burgern an einen Tisch und scheint regelrecht begeistert. Ich frage, ob das Zeug wirklich schmeckt. Es riecht nach Chemie und leicht ranzig und auch die Optik lässt mich darauf schließen, dass da viel aufgepeppt wurde. Ich habe mal gehört, dass diese Burger nicht schimmeln wie andere, „normale“ Lebensmittel, wenn man sie längere Zeit liegen lässt. Das lässt darauf schließen, dass da wirklich mehr Lebensmittelchemie als alles andere drin ist. Und mit der Begeisterung, mit der der Philosoph seine Burger isst, sind da wahrscheinlich auch Stoffe drin, die das Belohnungssystem im Gehirn antriggern. Einmal gegessen, kommt man nicht mehr von los. Ich bin froh, als wir den Laden wieder verlassen können.

Platon:

Danach fahren wir zurück zur Bildungsmaßnahme. Ich habe dort ein kurzes Gespräch, bringe dann das Mädchen mit zum PKW, wo Sophie wieder wartet. Wir bringen das Mädchen zum Busbahnhof und holen unmittelbar danach eine andere Jugendliche bei ihr zu Hause ab. Zu dritt fahren wir dann in das Hauptgebäude der Familienhilfe. Dort hat das Mädchen zahlreiche Aufgaben für die Schule am PC zu lösen. Ich unterstütze das Mädchen zunächst dabei, dann kommen noch zwei weitere Jungs. Die Jugendlichen sollen ein sozialpädagogisches Zaunprojekt planen. Ich unterstütze dabei, merke aber, dass die beiden Jungs besser ohne mich klar kommen. Ich fahre mit Sophie zu einer Kollegin, die in unmittelbarer Nachbarschaft wohnt. Dort trinken wir im Garten zusammen mit dem Mann und der erwachsenen Tochter der Kollegin einen Kaffee. Sophie fühlt sich zusehends unsicher, das merke ich. Wir beide berichten vom Blog, erklären, was es damit überhaupt auf sich hat. Zwischendurch zeigt uns meine Kollegin eine große dicke Tagesdecke. Wir planen, bei einer Schneiderin sogenannte „Kassetten“ einnähen zu lassen und zu befüllen. Die Decke soll dann um die 20 Kilogramm wiegen. Sophie ist von der Idee angetan.

Sophie:

Es geht wieder zurück zu dem Gebäude, bei dem wir schon den ganzen Vormittag waren. Ich warte erneut im Auto, dass sich zunehmend aufheizt. Es wird wohl Sommer.

Eine Stund später beginnt die Rumfahrerei. Erst eines der Mädchen Richtung Bahnhof, bei der Gelegenheit wird meine Theorie mit der Fastfood-Kette bestätigt. Offenbar hat der Philosoph dem Mädchen so von dem Papp-Essen vorgeschwärmt, dass diese nun ebenfalls etwas davon möchte. Der Philosoph spendiert einen Burger und fährt dann weiter. Einige Kilometer außerhalb laden wir ein weiteres Mädchen ins Auto und fahren erneut zurück in die Stadt, zur Kinder- und Familienhilfe. Kurz darauf tauchen dort dann auch noch zwei Jungs auf, die draußen am Werken sind.

Der Philosoph macht mit mir einen kurzen Abstecher zu einer seiner Bekannten. Ich mag es nicht, fremde Wohnungen zu betreten und habe dankenswerter Weise im Flur eine Katze vorgefunden, die sich bereitwillig kraulen ließ. Irgendwann komme ich dann doch nicht umhin, weiter in den Wohnraum vorzudringen, der Philosoph ist mit mehreren anderen Menschen bereits einige Räume weiter.

Sophie:

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Ein Kommentar

Verfasst von - 8. Juni 2014 in Der Tauschtag, Die Sitzungen

 

Eine Antwort zu “Und was machst du so? Der Tauschtag – Teil II

  1. alex

    7. Januar 2015 at 20:30

    Hallo, ich kann kaum aufhören, Eurem Blog zu folgen, finde ihn wirklich sehr gut gemacht. Allerdings habe ich etwas Schwierigkeiten bei den Themensprüngen, die Ihr macht. Erst die Sitzungen, dann plötzlich Autofahrten (warum?), dann tretet ihr plötzlich als Rednerteam auf, und nun plötzlich Tauschtag…es sind sehr abrupte und unvorhersehbare Themenwechsel…das ist aber auch das Einzige, was mich stört :-)….ansonsten Hochachtung für Eure Arbeit

     

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