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Eine weitere Autofahrt – Perspektivwechsel – Teil I

03 Mai

Platon:

Sophies Auto ist nicht gerade als groß zu bezeichnen. Ich hatte einmal gesagt, dass ich auch gerne mit ihr fahren würde und nun ist es soweit. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob ich wirklich in diese überdachte Zündkerze passe. Das sieht doch alles sehr beengt aus. Ich achte darauf, Sophie in der Enge des Wagens nicht zu berühren. In meinem Auto ist doch etwas mehr Platz.

Sophie schnallt sich an, startet aber den Wagen noch nicht. Sie wartet offenbar, bis sie das Klicken hört, mit dem auch mein Gurt einrastet. Dann setzt sie den Blinker, fährt von „ihrem“ Parkplatz und schleicht in der vorgeschriebenen Geschwindigkeit durch den verkehrsberuhigten Bereich. Ich fahre hier immer etwas schneller. Nicht viel, wirklich nicht. Aber ein bisschen schneller dann doch.

Sophie:

Jetzt fährt der Philosoph einmal mit mir mit. Wir wollen ungepulte Krabben im Hafen kaufen. Im Krabbenpulen sei er ganz gut, behauptet er. Dafür kann ich schneller lesen.

Der Philosoph steigt jetzt ein. Etwas steif setzt er sich auf den Beifahrersitz. Ich schnalle mich zuerst an, da er offenbar mir den Vortritt dabei geben möchte. Im kleinen Auto kommen wir uns körperlich doch näher, als ich dachte. Aber es kommt bislang zu keinen zufälligen Berührungen.

Platon:

Während der Fahrt stelle ich Sophie Fragen und möchte ein Gespräch beginnen. Sie fährt sehr niedrigtourig, schaltet bereits früh. Aber irgendwie kommt das Gespräch nicht recht in Gang. Offenbar hat sie Schwierigkeiten, sich auf den Weg, das Fahren und das Sprechen zu konzentrieren. Eine mir unbekannte Situation, ich kann beim Fahren ganze Romane erzählen.

Ich habe das Amaturenbrett im Blick, merke, wie Sophie beständig mit dem Gaspedal die Geschwindigkeit korrigiert. Von meinem Standpunkt sieht es aus, als würde sie kurzzeitig zu schnell fahren – 52 statt 50 km/h. Meine entsprechende Bemerkung dementiert Sophie, sie fahre genau 50. Ich meine, die Nadel sei über der Markierung, Sophie sagt, von ihrer Position aus verdecke die Nadel die Markierung. Gleichzeitig merke ich, dass selbst auf nun offener Strecke Gespräche nicht leichter fallen. Sophie scheint sich wirklich ausschließlich auf das Fahren konzentrieren zu wollen.

Sophie:

Ich fahre los und der Philosoph fängt an zu reden. Ich kann mich schlecht auf beides konzentrieren. Er erzählt und fragt immer weiter. Dann behauptet er, ich sei kurzzeitig zu schnell gefahren. Da irrt er sich aber. Oder seine Augen sind nicht mehr die besten. Der Zeiger hat den Strich bei 50 km/h nicht überschritten. Ich versichere ihm, nicht zu schnell gewesen zu sein, aber er bleibt bei seiner Aussage. Insgesamt irritiert mich seine Anwesenheit.

 

Stutzig geworden?

Falls jemandem etwas auffällt, darf er sich gerne zu Wort melden. Die Auflösung kommt morgen.

 

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3 Kommentare

Verfasst von - 3. Mai 2014 in Alltägliches, Die Autofahrt

 

3 Antworten zu “Eine weitere Autofahrt – Perspektivwechsel – Teil I

  1. Ismael Kluever

    3. Mai 2014 at 13:39

    Ahh… – ihr habt die Plätze getauscht! 😉

     
  2. Séraphine

    3. Mai 2014 at 21:11

    Liebe Sophie,
    Es ist zwar interessant, die Metapher „Zündkerze“ für dein Auto zu verwenden, aber dies passt nicht in den Stil von Platon. Genauso ist er nicht so darauf bedacht, ein Gespräch so genau wie möglich wiederzugeben, wie du es tust (bzgl. 50 km/h oder 52 km/h). Es passt eher zu dir. Also hast du versucht, das Geschehen aus der Sicht Platons zu schildern.
    Und nun zu dir, lieber Platon,
    Sophie würde niemals die Redewendung: „Da irrt er sich aber. Oder seine Augen sind nicht mehr die besten“ verwenden. Nicht in dieser grammatischen Konstellation, und Sophie würde selten eine Vermutung anstellen, die sie nicht ausdrücklich belegen kann. Außerdem kommt mir der Satz „dafür kann ich schneller lesen.“ doch sehr falsch für Sophie vor.
    Dementsprechend bin ich der Meinung, dass sich der Perspektivwechsel nicht nur auf die Autofahrt bezieht, sondern auf die tatsächlichen Perspektive. Platon schreibt als Sophie und Sophie als Platon!

     
    • Anita

      4. Mai 2014 at 6:56

      Das kann man auch daran erkennen, dass Sophie plötzlich “rechts eingerückt” steht und Platon “linksbündig” schreibt.

       

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