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Die Autofahrt – Teil I

26 Apr

Sophie:

Der Philosoph ist pünktlich. Und ich dafür nervös. Für einige Momente überlege ich, ob es nicht doch besser ist, mit zwei Wagen zu fahren. Aber ich habe bereits zugesagt. Das Wageninnere erinnert mich etwas an sein Büro. Ein gewisses Grundchaos lässt sich schlicht nicht verbergen. Wobei ich zugeben muss, dass auch mein Wagen schon mal etwas überfrachtet sein kann. Kabelsalat unter dem Radio (wenn er ein Headset hat, warum benutzt er es dann nicht? Hätte ihm den Strafzettel erspart), klappernde CDs in der Seitenablage und auf die Rückbank schaue ich sicherheitshalber gar nicht.

Der Philosoph fährt nicht an, bevor wir beide nicht angeschnallt sind. Ein Pluspunkt. Es gibt Menschen, die fahren „schon mal“ los, schnallen sich dann während der Fahrt an oder achten nicht darauf, ob die Mitfahrer angeschnallt sind. Da bin ich rigoros. Ich achte darauf, dass ich nahe der Tür sitze. Nicht, dass ich bei voller Fahrt schnell aussteigen könnte, aber den Fluchtweg direkt an der Schulter, das vermittelt doch etwas Sicherheit. Und den Tacho habe ich so auch genau im Blick.

Platon:

Sophie wird gleich einsteigen. Ich habe mein Auto noch auf die Schnelle notdürftig aufgeräumt. Es ist eigentlich in einem ganz passablen Zustand von innen. Denke ich zumindest. Obwohl ich häufig Kinder und Jugendliche durch die Gegend fahre. Einmal hat mir ein Mädchen die gesamte Rückbank mit Pferdehaaren und dem passenden Geruch dazu versaut. Ich hatte sie vom Reiten abgeholt. Oder die ganzen Jugendlichen in ihren Arbeitsklamotten mit den dreckigen Stahlkappenschuhen.

Sophie steigt jetzt ein. Sie orientiert sich im Auto, läßt ihren Blick einmal schnell durch das Innere des Wagens huschen. Sie sitzt eher außen, etwas angespannt. Wir warten beide, wer sich wohl zuerst anschnallt. Ich lasse schließlich zuerst den Gurt einrasten, bevor dann Sophie das gleiche macht. Flüchtige Berührungen der Arme können vermieden werden. Ich starte und fahre los. Ich gebe mir Mühe, akkurat und unauffällig zu fahren.

Sophie:

Es dauert nicht lang und ich erwische den Philosophen dabei, dass er mit überhöhter Geschwindigkeit fährt. Ich weise ihn auf die 70er-Zone hin. Das nächste Ortsschild passieren wir mit 60 Stundenkilometer. Wieder kann ich mir eine Bemerkung nicht verkneifen, ab dem Ortsschild gilt 50. Gleichzeitig befürchte ich, dass es dem Fahrer jetzt schon zu doof wird. Ist sicher nervig, wenn so ein kleiner Klugscheißer ständig von rechts reinquatscht. Aber der Philosoph nimmt nur die Geschwindigkeit runter.

Beim Stopschild bleibt er nicht vorschriftsmäßig stehen, sondern rollt weiter, wenn auch ohne Gas. Ich beiße mir auf die Zunge, ich will den Bogen nicht überspannen. Auch zum Blinken hat er ein durchaus ambivalentes Verhältnis, wie mir scheint. Mal blinkt er gar nicht, dann wieder da, wo es gar nicht nötig wäre. Hinzu kommt, dass der Blinker ein Geräusch von sich gibt, das mich wahnsinnig macht. Bei einem Autokauf wäre dieser Blinker meinerseits ein Ausschlusskriterium.

Platon:

Wir kommen etwas ins Gespräch, ich merke aber, dass Sophie alle meine Fahrkünste und die Armaturen intensiv beobachtet. Ich würde etwas zu schnell fahren innerorts. Ja. Ich gehe etwas runter vom Gaspedal. Ich sage ihr, sie könne ruhig alles direkt sagen, was ihr auffiele. Ich würde den Blinker wohl auch nur eher zufällig verwenden, sagt sie. Ja, da muss ich ihr recht geben. Ich bin leider ein Blinker-Muffel. (Obwohl mir oft unangenehm auffällt, wenn andere Verkehrsteilnehmer nicht blinken). Allerdings ist mein Blinker ziemlich laut, zudem macht er ein extrem nerviges Geräusch. Ich merke, wie der Blinker Sophie stört. Sie bestätigt meine Vermutung. Plötzlich bin ich für das Blinken ganz neu sensibilisiert: Jetzt geht es nicht mehr darum, den Blinker zu vergessen, sondern ihn nicht zu lange blinken zu lassen.

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2 Kommentare

Verfasst von - 26. April 2014 in Die Autofahrt, Die Sitzungen

 

2 Antworten zu “Die Autofahrt – Teil I

  1. Ismael Kluever

    26. April 2014 at 11:09

    *schmunzel* ich kenne eine Autistin, die ganz fasziniert von Blinkern im Auto ist. 🙂

     
  2. kiwigirl

    1. August 2014 at 16:28

    da kann ich mich nur anschließen. ich finde das geräusch auch angenehm 🙂

     

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