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17. Nachricht von Sophie an Platon

22 Apr

Sophie:

„Hallo Platon,

1. Meine klassische Gegenfrage: Wie definieren Sie Konzentrationsprobleme? Mir fällt es schwer, bestimmte Dinge auszublenden, gerade in ungewohnter Umgebung. Das ist dann ein ziemlicher Aufmerksamkeitsfresser. Aber meist sind das Dinge, die mir unangenehm sind oder unglaublich faszinieren – ein hohes Pfeifen, das Surren von Lampen, sich drehende Gegenstände oder Ähnliches. Meinen Sie so etwas? Ansonsten ist es, gerade bei Dingen, die mich interessieren, eher umgekehrt der Fall. Ich bin über Stunden hochkonzentriert und versinke dann komplett in der Aufgabe. Besonders beim Lesen „tauche“ ich komplett ab. Ablenkende Geräusche verhindern, dass ich mich so konzentrieren kann. Sobald ich dann aber mal drin bin, höre ich auch nicht mehr, wenn mich jemand anspricht. Ich könnte dann auch nicht mehr sagen, wie viel Zeit vergangen ist.

2. Prinzipiell nicht. Im Gegenteil. Ich bringe sogar die Dinge zu Ende, die mir unangenehm sind. Einfach aus dem Grund, weil ich sie angefangen habe. Nach Möglichkeit bringe ich Dinge auch an dem Tag zu Ende, an dem ich sie begonnen habe. Das kollidiert nur leider zwischendurch mit meinem (nicht vorhandenen?) Zeitmanagement. Und in den letzten Monaten vermehrt mit meiner Müdigkeit, die dazu führt, dass ich einfache Zusammenhänge nicht mehr richtig erfasse und so nicht vorankomme.

3. Nein. Normalerweise weiß ich morgens bereits, wie mein Tag aussehen wird und welche Tätigkeiten anstehen. Diese arbeite ich dann in der Reihenfolge, die ich mir zurecht gelegt habe, ab. Da spielt auch Punkt 2 mit rein, denn wenn etwas länger dauert, als geplant, bekomme ich wieder ein Zeitproblem, weil ich alles nach hinten schiebe, um das, was ich gerade mache, fertig zu bekommen. Ich würde mir etwas Spontaneität oder auch Flexibilität in der Hinsicht wünschen, aber da kann ich leider nicht mit dienen. Kleinere Lücken kann ich unter Umständen gut nutzen, das hängt aber von der Tagesform ab.

4. Gibt es da einen zeitlich eingrenzbaren Rahmen? Ich könnte es nur situativ einordnen. Unruhig werde ich vor allem dann, wenn ich in Situationen bin, die ich nicht einordnen kann und aus denen ich nicht weg komme. Oder wenn ich einen dieser „zu laut, zu grell“-Tage erwische.

5. Nein.

6. Nein. Auch wenn viele der Ansicht zu sein scheinen, dass ich genau das mache. Meist stellen diese Leute dann fest, dass ich wider Erwarten doch alles – und meist mehr als der Rest – mitbekommen habe. Das hat schon meine Grundschullehrerin wahnsinnig gemacht: Sie war der festen Überzeugung, dass ich ihr überhaupt nicht zuhören würde. Wenn sie mich dann mal „erwischen“ wollte, nahm sie mich unvermittelt mit der Frage: „Was habe ich eben gesagt?“ dran. Ich wiederholte dann immer die zuvor gefallenen Sätze. Irgendwann beschwerte sie sich mal bei meinen Eltern, dass ich einerseits so passiv wirke, sie andererseits aber keine Handhabe gegen meine vermeintliche Unaufmerksamkeit habe, weil ich ja doch alles mitbekäme.

7. Nein.

8. Nein. Eher im Gegenteil – falls das überhaupt noch geht.

9. Lesen. Star Trek schauen. Montags und Donnerstags mache ich außerdem die Wohnung sauber und wasche, bevor ich die DVD einschalte.

Liebe Grüße

Sophie“

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8 Kommentare

Verfasst von - 22. April 2014 in Alltägliches

 

8 Antworten zu “17. Nachricht von Sophie an Platon

  1. Reiner Sauer

    22. April 2014 at 9:19

    zu 7 Frage: Was für Nudeln? Was für Spinat? noch andere Zutaten?

     
  2. Amy

    22. April 2014 at 14:44

    Bei dem beschriebenen Hyperfokus bin ich mir für mich ja nie sicher, ob ich das jetzt gut oder nicht so gut finden soll. Klar, wenn ich es schaffe in so eine extreme Konzentrationsphase zu kommen (was dank der Depression schon lange nicht mehr klappt), ist das durchaus erst mal nicht unangenehm oder störend, ich schaffe sogar enorm viel in kurzer Zeit und bin dabei sehr exakt. Andererseits bin ich aber nicht unbedingt davon überzeugt, dass Zustände, in denen ich meine physischen Bedürfnisse nicht mehr wahrnehmen kann, wirklich gut für mich sind. Hunger, Durst, eine volle Blase, Ermüdung, das alles bemerke ich nicht mehr währenddessen. Trotzdem war ich aber auch immer fasziniert und begeistert von der Leistung, die ich so erbringen konnte…

     
  3. Kakerlake

    24. April 2014 at 22:30

    Hallo Sophie,

    was Du zu Punkt 2 schreibst, kommt mir sehr bekannt vor…und ich bin richtig froh damit nicht allein zu sein (Hatte ja inzwischen schon den Verdacht, dass mit mir „irgendwas“ anders sein muss…. 😉 )
    Ich bringe die Dinge auch nach Möglichkeit immer am selben Tag zu Ende. Egal was es ist. Überhaupt gehe ich an Aufgaben sehr stoisch heran. Ich mache sie einfach. Und beschwere mich auch nicht über einen RIESENBERG Arbeit. Ich bin jemand, der die Stecknadel in einem Heuhaufen suchen kann…und findet. Egal wie lange es dauert und wie groß der Heuhaufen sein mag. Halm für Halm wird der Haufen abgetragen…bis ich die Nadel gefunden habe.
    Immer nach dem Motto: Je eher ich anfange, umso früher bin ich auch fertig. Dauert eine Aufgabe zu lange macht manchmal mein Körper schlapp. Einfach weil ich weder Hunger noch Durst, oder Müdigkeit wahrnehme. Erst wenn mir die Beine einknicken…oder die Augen zufallen merke ich wie viel Zeit vergangen ist. Oder wenn ich plötzlich unerträgliche Kopfschmerzen bekomme…und selbst dann denke ich noch nicht an die nahe liegenden Dinge wie Essen…oder Flüssigkeitszufuhr…
    Bei meinen Umzügen habe ich immer am selben Tag alle Möbel aufgebaut und alles in die Schränke geräumt. Ich höre erst auf, wenn der letzte Karton ausgepackt und alles an seinem Platz ist. Ich arbeite bis zur völligen Erschöpfung. Jedes Mal.
    Ich kann einfach nicht anders. Mich macht es wahnsinnig Dinge zu verschieben. Ich will immer alles sofort erledigen. Etwas aufzuschieben macht mich unruhig und bremst mich …vielleicht weil dann meine Liste durcheinander kommt. Die Reihenfolge stimmt dann nicht mehr und bringt alles durcheinander. Und damit geht’s mir nicht gut. Diesbezüglich bin ich sehr unflexibel, merke es auch, sehe mich jedoch nicht im Stande es zu ändern.

    Viele Grüße, Kakerlake

     
    • dualessein

      24. April 2014 at 22:32

      Kleiner Tipp für die Nadel im Heuhaufen: Ein Magnet ist unglaublich hilfreich.

       
      • Kakerlake

        24. April 2014 at 22:54

        Volltreffer. Wieso bin ich nicht darauf gekommen? (Mangelnde Flexibilität….)

         
      • dualessein

        24. April 2014 at 22:56

        Ich bin selbst erst vor ein paar Jahren drauf gekommen.

         
  4. kiwigirl

    1. August 2014 at 15:54

    ich habe eine strukturfrage an die autisten unter euch, also nicht inhaltlich. und zwar ist mir im laufe des lesens aufgefallen, dass es mir schwer fällt, wenn nicht themen bezogenes unter dem zu lesenden ist, nicht das zu letzt gelesene zu vergessen, den anschluss sozusagen. geht euch das auch so?
    und es ist schwierig, mir die fragen zu merken, wenn ich sie nicht direkt sehe? ich habe kurz drüber nachgedacht und es fällt mir auch schwer, wenn ich in der hochschule fragen beantworten muss, die nicht schriftlich einsehbar vorliegen, ist das nur mein persönliches problem, oder geht es anderen damit ähnlich?lg

     

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