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16. Nachricht von Sophie an Platon

10 Apr

Sophie:

„Hallo Platon,

Was die Geräuschkulisse angeht, ist das eher etwas, was meiner Beobachtung nach von der Tagesform abhängig ist. Bestimmte Geräusche gehen prinzipiell nicht (Staubsauger, Mixer,  Föhn (!!), Bohrmaschine, Telefonstationen, etc.), bei anderen Geräuschquellen gelingt es mir an manchen Tagen, diese leichter zu ignorieren. Ich höre sie zwar permanent und weiß, dass sie da sind, bekomme aber genug Konzentration auf, um nicht „hinzuhören“. Das ist ein bisschen wie das Beispiel, es sei nicht möglich, nicht an einen bestimmten Gegenstand zu denken. Es ist möglich. Es ist nur ziemlich anstrengend. Wenn ich dann Tage habe, die sowieso schon ein hohes Maß an Konzentration fordern, bekomme ich das dann nicht mehr ohne Weiteres hin. Und je länger ich solchen „Aufmerksamkeitsfressern“ ausgesetzt bin, desto schwieriger wird es. Irgendwann entsteht dann eine Art „Hallenbad-Effekt“ – ich kann einzelne Geräusche nicht mehr zuordnen und trennen, sie vermischen sich zu einem ganz unangenehmen Schallteppich. Ähnlich der Geräuschkulisse in einem Hallenbad.

Ich höre sehr wenig Musik. Die meiste Musik macht mich eher noch unruhiger, einige Musikelemente rufen sogar eine latente Aggression hervor. Ich mag „Wasserlieder“, das sind meist Klavierstücke. Ich nenne sie „Wasserlieder“, weil ihre Grundkomposition an fließendes Wasser erinnert, wie in Bachläufen. Ich weiß nicht, ob nachvollziehbar ist, was ich meine… auf jeden Fall kenne ich nur sehr wenige dieser Lieder, spontan fallen mir nur drei ein. Es ist das gleiche Grundprinzip, das Smetanas „Moldau“ zugrunde liegt, auch wenn mir diese an einigen Stellen zu unruhig wird und zu viele Instrumente hat. Aber schlafen kann ich damit nicht, im Gegenteil.

Liebe Grüße

Sophie“

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2 Kommentare

Verfasst von - 10. April 2014 in Alltägliches, Briefe

 

2 Antworten zu “16. Nachricht von Sophie an Platon

  1. Reiner Sauer

    10. April 2014 at 9:52

    Ich erinnere die beruhigende Wirkung des Meeresrauschens beim Ausflug.
    Warum nicht das Aufnehmen und sich so eine angenehme, beruhigende Geräuschkullisse verschaffen? Seit es diese kleinen digitalen (Stereo) Recorder gibt, nehme ich ab und an auch die Umgebungsgeräusche mit wenn ich Fotografiere.
    Gute Erinnerungen mitnehmen und nicht nur ansehen, sondern auch anhören!
    Was ich auch sehr gut nachvollziehen kann ist die Empfindlichkeit auf Geräusche nach Tagesverfassung. Das trainiere ich mittlerweile. Wenn ich Anfange mich wie ein Brummkreisel zu drehen und dem Teufel jedes Geschäft vorschlage, wenn er dafür nur den Strom abstellt, dann, sage ich mir, „es ist nicht wegen mir, ich kann nichts dafür und ich kann es nicht ändern“.
    Mittlerweile gelingt es mir immer besser den Focus wieder auf das zu richten was ich tun will.
    Das kann auch eine Weile bedeuten ganz abschalten. Reset. Den „Kopf“ abschalten wie bei autogenem Training. Im Fühlen versinken nenne ich das. Zwar alles immer noch wahrnehmen, sich innerlich aber immer weiter davon entfernen, bis es mich nicht mehr berührt.
    Ziel ist es, sich nicht ablenken zu lassen, sondern ganz bei sich selbst sein.
    Nicht die Konzentration und Kraft darauf verschwenden nicht hinzuhören, sondern seine Kraft und Konzentration auf das richten was man tut.

     
  2. Anita

    11. April 2014 at 15:02

    An das Meeresrauschen, es aufzunehmen und abzuspielen, habe ich auch direkt gedacht.

    Mein Kleinster kann nur schlafen, wenn eine CD in Dauerschleife läuft. Nicht laut. Aber verlässlich, immer da.

    Die Große lässt das Radio über Kopfhörer ganz leise laufen, damit sie zur Ruhe kommt.

    Dazu kommt bei Dir Sophie, wenn ich es richtig verstanden habe, dass es noch alles „neu“ ist und sich noch keine Routine bzgl. der Geräusche eingespielt hat.

    Gibt es denn einzelne Geräusche, die Du gut ertragen kannst und die beruhigend wirken?

    Ich persönlich „fahre“ über Lesen „sämtliche Systeme“ runter. Bis ich ganz warm und ruhig geworden bin. Das Runterfahren ist wichtig, denn dann herrscht nicht Kontrollverlust, sondern Ruhe und somit wird Schlaf möglich.

     

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