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15. Nachricht von Platon an Sophie

08 Apr

Platon:

„Hallo Sophie,

durch unsere Zusammenarbeit werden zwangsläufig Dinge angestoßen, und so mancher Stein kommt langsam ins Rollen und kann dann auch eine Eigendynamik entwickeln. Wichtig dabei ist, dass Sie in mir jederzeit einen Ansprechpartner haben, der Sie bei dieser „Entwicklung“ begleitet und unterstützt.

Ihre Beobachtung zur „Geräuschkulisse“ ist sehr interessant und eventuell hilfreich. Ich entnehme dem, dass Ihr Wahrnehmungslevel zu bestimmten Zeiten unterschiedlich empfindsam ist. Das ist ja schon ein gutes Zeichen. Wenn es immer gleich wäre, dann gäbe es keine Faktoren, die diese unterschiedlichen Empfindsamkeiten verursachen. Nun gilt es diese Faktoren zu entdecken. Mir kommt gerade der Gedanke, ob nicht hier in der Gegend das „Grundrauschen“, also der ständige Lärm, niedriger ist. Dadurch erlangen einzelne Geräusche – relativ gesehen – eine ganz andere Stärke und Dominanz. Vielleicht sollten Sie in Ihrer Wohnung für ein erhöhtes Grundrauschen sorgen, vielleicht Musik? Einen Fernseher haben Sie ja nicht. Wäre Musik im Hintergrund eine Option zum Einschlafen?

Das „sich erklären“ ist so eine Sache. Ich verstehe Ihre Fragen und Einwände. Die Frage wäre auch, ob überhaupt Sie, oder nicht besser jemand anders die Erklärung für Sie abgeben sollte. Damit würden Sie die Verantwortung abgeben und könnten mit etwas  mehr Distanz abwarten, wie es angekommen ist. Beide Varianten haben sicherlich Vor- und Nachteile. Kommunikation ist prinzipiell unsicher. Daher bin ich mir natürlich nicht sicher, dass es so ausgeht wie angenommen, würde Ihnen auch nichts versprechen.

Ich bin mir aber sicher, dass ich diesen Weg – früher oder später – für den einzig möglichen erachte.

Liebe Grüße

Platon“

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3 Kommentare

Verfasst von - 8. April 2014 in Alltägliches, Briefe

 

3 Antworten zu “15. Nachricht von Platon an Sophie

  1. Ismael Kluever

    11. April 2014 at 8:53

    Gegenüber dem Vorschlag, die Empfindlichkeit gegenüber dem „Grundrauschen“ in der Umgebung zu reduzieren, in dem Sophie ein Grundrauschen in der Wohnung erzeugt, sich an einen gewissen Geräuschpegel gewöhnt und so Stresstoleranz entwickelt, bin ich skeptisch.

    So wie ich es verstanden habe, ist das Problem von Autisten ja gerade, dass es in ihrer Wahrnehmung kein Grundrauschen gibt, dass sich von den aktuell relevanten Sinneswahrnehmungen unterscheidet, sondern dass alle Reize in gleicher Weise ungefiltert aufgenommen werden. Ich würde deshalb vermuten, dass auch ein Klangteppich (Radio) in der Wohnung eher Dauerstress bedeutet und keinen Gewöhnungseffekt haben würde.

    Oder was meinst du, Sophie?
    Wie ist die Erfahrung der anderen Autisten hier in der Leserschaft?

     
    • Anita

      12. April 2014 at 10:27

      Es kommt auf die Grundverfassung an, in der ich mich befinde.

      Mein Großer zB nimmt im Unterricht den MP3Player her, um das Gemurmel der anderen zu übertönen. Mit seiner Musik, um ein Gleichmaß an kontrollierbarer Geräuschkulisse für sich zu schaffen.

       
  2. kiwigirl

    1. August 2014 at 15:25

    ich habe den verdacht, dass die geräusche wenn es dunkel ist lauter sind, weil die volle konzentration auf den hörkanal bzw. denkkanal geleitet wird und das visuelle wegfällt.
    dadurch das ich befürchte wieder nicht schlafen zu können, sind gedankenschleifen und störende geräusche ein oft begleitender effekt.

     

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