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Zwischen Gedanken – Nach dem Spaziergang

05 Apr

Sophie:

In Gedanken bin ich an der See. An dem Blick bis zum Horizont, wo kaum etwas ist, was störend ist. Selbst die Geräusche mochte ich – die Rufe der Möwen, das Rauschen des Windes. Ich liebe es, zu schauen, wie sehr sich das Windgeräusch und auch die herangetragenen Geräusche ändern, wenn man den Kopf dreht. So kenne ich das nur hier an der See.

Zum ersten Mal seit Wochen habe ich für einige Zeit das Gefühl, völlig ruhig zu sein. Gelassen. Der stete Wechsel von Ebbe und Flut ist verlässlich, vielleicht ist es das, was mir eine Art Sicherheit gibt? Die Nordsee wird auch morgen da sein und übermorgen. Ich kann sogar sagen, ob gerade Wasser da ist oder nicht – selbst dann, wenn ich nicht am Deich stehe.

Platon:

Ich hatte Sophie nach dem Spaziergang gefragt, ob ich zuviel geredet hätte. Sie hat dann auf nette Art gesagt, das es ihr schwerfällt, sich auf das Fotografieren und das Sprechen gleichzeitig zu konzentrieren. Und ich hatte eigentlich den Eindruck, sehr wenig gesprochen zu haben. Es scheint, dass es doch nötig ist, sich noch klarer vor Beginn solcher Aktionen abzustimmen.

Insgesamt habe ich den Eindruck, dass ihr die besondere Weite der Landschaft, der Horizont, die salzige Luft, der Wind und die vielen Tiere besonders gefallen haben. Sie wirkte teilweise wie abwesend. Allerdings nur in Bezug auf mich. Sie schien ganz einzutauchen in die sie umgebende Natur, in das Weltnaturerbe Wattenmeer. Ich denke, dass ich gerne einmal so wie sie wahrnehmen würde. Gerade jetzt denke ich das ganz besonders, nach diesem Gang am Meer. Weil ich zwar irgendwie dabei war, daneben stand, aber ihre Sinneseindrückke nicht mit ihr teilen konnte.

Sophie:

Ich habe gesehen, dass der Weg am Meer direkt neben einem Campingplatz ist. Jetzt um diese Jahreszeit ist da niemand. Aber das wird sich wahrscheinlich bald ändern. Ich zweifle, dass dieser Weg dann immer noch den gleichen Reiz hat. Zu viele Touristen trampeln dann dort entlang, hinterlassen Müll und Gestank und erfreuen sich an der Natur zwischen Plastiktüten und Kindergeschrei. Dann müsste ich warten, bis die Saison vorbei ist, um dort in einer ähnlichen Ruhe sein zu können wie bei diesem Spaziergang. Oder ich müsste einen anderen Ort finden, einen, den die Touristenscharen nur schwer ausfindig machen. Denn sonst wird die Ruhe dort zu einer hektischen Unruhe. Und das sollte nicht sein.

Manchmal glaube ich, dass das Meer das Einzige aus der Außenwelt ist, das die Innenwelt zu beruhigen vermag.

Platon:

Bei jedem Gang ist hier die Stimmung anders. Mal stürmisch, mal nebelig. Oder sonnig und  warm, oder kalt und verschneit. Mal sind die Zugvögel dominant, mal die heimischen Tiere. Mal viele Menschen, dann wieder Menschenleere. Flut oder Ebbe. Wellen oder spiegelglatt. Ganz unterschiedliche Geräusche, ganz andere Farben. Immmer wieder anders, immer eine neue Komposition. Auch mir gefiel der Gang.

Ob sie den Weg auch alleine gehen kann? Schwer ist es nicht. Dreimal links. Zurück über die  Deichkrone. Bin gespannt, ob sie es alleine probieren wird. Das würde ihr vermutlich gut tun, wenn sie regelmäßig hier geht. Vielleicht früh morgens, wenn die Sonne aufgeht, und nicht so viele störende Menschen unterwegs sind.

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2 Antworten zu “Zwischen Gedanken – Nach dem Spaziergang

  1. Ismael Kluever

    5. April 2014 at 10:53

    Wenn ich nichts überlesen habe, fallen hier zu ersten Mal die Begriffe „Außenwelt“ und „Innenwelt“.

     
  2. lotos09

    12. November 2014 at 11:24

    „Weil ich zwar irgendwie dabei war, daneben stand, aber ihre Sinneseindrücke nicht mit ihr teilen konnte.“

    Dieses „daneben stehen“ bzw. ver-rückt sein empfinde ich an allen anderen Orten, nur nicht am Deich.

     

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