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14. Nachricht von Sophie an Platon

25 Mrz

Sophie:

„Hallo Platon,

ich würde die Katze um keinen Preis der Welt mehr hergeben. Ich kann sie nicht einfach abschieben. Sie kommt, wenn sie mich nach Hause kommen hört und obwohl man Katzen eine gewisse Launenhaftigkeit nachsagt, hat er mich noch nie gebissen oder auch nur gekratzt. Seitdem ich mich um sie kümmere, habe ich zumindest eine gewisse Struktur in meine Einkäufe bekommen. Ich habe kein Problem damit, wenn ich mit einem leeren Kühlschrank zu Hause sitze, aber für die Katze käme das nie in Frage, ­ also muss ich mich in regelmäßigen Abständen ins Kaufhaus wagen, um Futter zu kaufen. Ich bin das Problem und nicht die Katze.

Heute gab es viele kleine Begebenheiten, daher weiß ich nicht genau, welche relevant sind. Da war die Kollegin, die mir gemailt hat, dass sie heute nicht arbeiten könne, weil ihre Katze überfahren worden sei. Wie hätte ich reagieren müssen?

Da war der Kollege, der mit mir eine Diskussion anfangen wollte, weil er ein Bild von mir für die „Betriebsfest­-Zeitung“ wollte und sauer war, weil ich den dazugehörigen Zettel („Wenn ich einen Tag Prinzessin wäre, dann…“ ­ „Mein Lieblingswitz lautet…“) auch nicht ausgefüllt habe. Aber ich möchte das auch gar nicht. Wieder die gleiche Frage: Wie hätte ich reagieren müssen? Wie kann ich kommtende Woche reagieren?

Und dann ist da noch das Problem mit dem Licht. Aus irgendeinem Grund machen alle Kollegen am helllichten Tag das Licht im Büro an, die Neonröhren summen und flackern. Ich kann das Licht in meinem Büro nicht separat regeln, sondern „teile“ es mir mit den Nachbarbüros. Entweder haben alle Büros das Licht an oder keines. Und die Kollegin ist der festen Überzeugung, dass sie „nichts sieht“, wenn das Licht aus sei. Dabei haben wir auf beiden Seiten große Fenster in jedem Büro und die PCs sind ja auch eine Lichtquelle. Auch hier weiß ich nicht, wie ich damit korrekt umgehen kann…

Liebe Grüße

Sophie“

Eine Frage, die uns interessiert: Immer wieder liest man davon, dass es eine besondere Beziehung zwischen Tieren und autistischen Menschen gibt. Wie sind eure Erfahrungen mit Tieren?

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6 Kommentare

Verfasst von - 25. März 2014 in Briefe

 

6 Antworten zu “14. Nachricht von Sophie an Platon

  1. autsme

    25. März 2014 at 14:37

    Ja stimmt. Hat ein Goldenretriever als kind zum Therapien. Hat mich sieben Jahr begleitet. Manchmal hat ein Betreur sein Hund mit mit den geh ich dann spazieren und mit den kann ich draußen sachen viel besser machen ohne den würd sowas gar nicht machen. Der gibt mir sicherheit und kraft von sich ab an mich. Mag tiere mehr als Menschen die lügen nicht und nehm ein wie er ist. Lachen ein nich aus und lassen ein autistisch sein.

     
    • dualessein

      28. März 2014 at 22:55

      Mein Eindruck ist, dass sie auch genau merken, wenn es einem zuviel wird. Und einen dann vollkommen selbstverständlich in Ruhe lassen.

       
      • autsme

        28. März 2014 at 23:02

        Ja 🙂

         
  2. Kakerlake

    26. März 2014 at 18:28

    Hallo Sophie,

    Tiere haben mich mein Leben lang begleitet und ich könnte mir ein Leben ohne Tiere nicht vorstellen. Zu meinen Favoriten zählen Pferde und alles was Federn hat (oder verspricht mal welche zu bekommen…).
    Was fasziniert mich so an ihnen?
    Vielleicht, weil es keine Botschaft zwischen den Zeilen gibt. Es ist eine wortlose Verständigung, bei der die „Übersetzung“ unnötig ist. Tiere drücken sich durch ihr Verhalten aus. Da ich sehr genau beobachte, bemerke ich die kleinen Unterschiede im Verhalten eines Tieres sofort. Befindet sich ein Tier mit mir in Interaktion erfolgt immer auch eine Reaktion auf mein Verhalten. Dann ist also ganz klar etwas von mir bei dem Tier angekommen…und ich kann sicher sein, dass MEIN Verhalten die Reaktion des Tieres ausgelöst hat. Es ist wie ein (nicht wertender) Spiegel.
    Wenn sich ein Tier vor äußeren Einflüssen fürchtet verstehe ich das sofort. Vielleicht, weil ich genauso schreckhaft bin und jede kleine Veränderung registriere. (Es findet also ein wortloses verstehen statt.)
    In diesen Momenten fühle ich eine starke Verbundenheit…und Zugehörigkeit. Das zu spüren ist ein regelrechtes Geschenk und ergreift meinen ganzen Körper, ohne es in seinen Einzelheiten beschreiben zu können.
    Es ist einfach da…und es ist ein großes Glück.
    Und es ist für mich das, wofür es sich zu leben lohnt.
    Leider sind diese Augenblicke sehr rar und viel zu schnell wieder vorbei.
    Es tut mir gut z.B. den ganzen Tag bei den Pferden auf der Weide zu sein und ihrem Rhythmus von gehen und ruhen zu folgen. Denn er entspricht mir. Oftmals löse ich mich erst bei Dunkelheit von den Pferden und kann es kaum abwarten gleich am nächsten Morgen wieder hin zu fahren. In einer Pferdeherde zu stehen und das ruhige mahlen ihrer Zähne zu hören, das zufriedene Schnauben, das zarte Zischen der Schweifhaare, die die Fliegen verscheuchen, das leise Gluckern und Grummeln in ihren Bäuchen, der dumpfe Ton, der entsteht, wenn sie mit ihrer hochsensiblen Haut zucken um eine Pferdebremse loszuwerden….das „Klappern“ ihrer Ohren, wenn sie den Kopf schütteln, das Stampfen ihrer Hufe auf dem Boden, das Atmen, wenn sie zur Ruhe kommen und nicht zuletzt dieser wunderbare würzige Geruch, den die meisten Vegetarier verströmen, scheint mir so vertraut, als wäre das mein natürlicher Lebensraum und ich im Grunde meiner Seele ein Pferd.
    Zwischen den Pferden kann ich einfach sein…es gibt keine (konstruierten) Regeln, keine Höflichkeiten, kein zwischen den Zeilen lesen (müssen)…. Alles ist genau so gemeint, wie es gerade ausgedrückt wurde. Ich kann bleiben oder mich zurückziehen…ohne mich erklären zu müssen.
    Es gibt auch Momente, in denen ich mich mit Menschen verbunden fühle…aber die sind äußerst selten…jedoch nicht weniger beglückend. (Allerdings stellt sich schnell wieder das Gefühl der Fremdheit ein. Das Gefühl der Verbundenheit trägt mich also nicht.)
    Ein Tier in der Wohnung zu halten ist für mich etwas anders. Denn dort bleibt mir kaum die Möglichkeit des Rückzugs. Ein zu meinen Füßen liegender hechelnder Hund kann mich in den Wahnsinn treiben. Vielleicht weil es ein „eingesperrtes Geräusch“ ist. „Eingesperrte Geräusche“ sind die, die in Räumen stattfinden. Geräusche hallen von den Wänden wieder, verfremden und verstärken sich. Und gerade zu Zeiten der Anspannung und Überlastung ist das für mich nicht auszuhalten.
    Auf der anderen Seite empfinde ich eine große Verantwortung zu meinen Tieren und versuche ihnen ein artgerechtes Leben zu ermöglichen. Ich tue alles in meiner Macht stehende, damit es meinem Tieren gut geht. Z.B. regelmäßig zum Einkaufen zu gehen…

    Viele Grüße, Kakerlake

     
  3. Anita

    11. April 2014 at 13:23

    Pferde waren zu meiner Jugendzeit DER Ruhepol überhaupt.

    Und unsere Katze, die beschlossen hat bei uns zu bleiben, ist es heute!

    So klar in der Kommunikation, ein Freigänger, der nur dann kommt, wenn er uns ertragen kann. Und dafür sogar unseren Wirbelwind aushält. Der nie böse wird.

    Tiere geben Ruhe und agieren verständlich.

     
  4. kiwigirl

    1. August 2014 at 14:40

    ich mag tiere gern, weil sie klar sind. besonders esel finde ich faszinierend und beruhigend. ich musste jedoch leider feststellen, dass tiere mich ablehnen und mir so wie ich es beobachte aus dem weg gehen. das liegt vermutlich darin, dass mein verhalten oft stürmisch ist, zum beispiel bei freude und somit unvorhersehbar und das ich sehr vorsichtig bin im umgang mit anderen und so auch mit tieren.

     

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