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12. Nachricht von Platon an Sophie

11 Mrz

Platon:

„Hallo Sophie,

Ja, Sie wirkten ängstlich. So wirken Sie vermutlich oft auf die Menschen. Ängstlich, schüchtern, verstört, durcheinander – eine Mischung von allem. Das liegt daran, dass Sie konsequent den Blickkontakt vermeiden und ihr Gesicht keine Regungen zeigt. Zumindest für die meisten Menschen. Wer Sie kennt, kann schon etwas in Ihrem Gesicht „lesen“. In erster Linie ist es wohl Ihr recht starrer und eingefrorener Gesichtsausdruck. Hinzu kommt, dass Sie sehr lange einzelne, für andere nicht nachvollziehbare Punkte im Raum fixieren. Ihr gesamter Körper wirkt angespannt und vermittelt den Eindruck, nicht kommunikationsbereit zu sein. Insgesamt vermitteln Sie (ungewollt) einen Eindruck, der offensichtlich häufig von den Mitmenschen wie folgt interpretiert wird: große Angst, Schockzustand, Traumatisierung, Dissoziation, Psychose. Das sorgt für Verunsicherung bei vielen Mitmenschen.

Dieser Umstand verwirrt auch die Ärzte vermutlich so sehr, dass Ihr eigentliches Anliegen dadurch zweitrangig wird. Hier müssten Sie sich  erklären und „stur“ an Ihrem Anliegen festhalten, also etwas offensiver in der Gesprächsführung werden.

Ja, die Praxis ist laut und wuselig. Ich hatte mir den Besuch auch etwas anders vorgestellt, zeigt aber auch wieder, wie wenig soziale Interaktionen letztlich geplant werden können.

Wundermittel werden die Tabletten jedoch nicht sein, eher die Abwendung von noch schlimmeren Dingen.

Meines Erachtens ist es wichtig, dass wir uns erst einmal um Ihre Ernährung kümmern. Wäre es für Sie in Ordnung, wenn ich Sie bei einem Einkauf begleite?

Platon“

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3 Kommentare

Verfasst von - 11. März 2014 in Briefe

 

3 Antworten zu “12. Nachricht von Platon an Sophie

  1. dasfotobus

    11. März 2014 at 10:45

    Uh, Ernährungsumstellung ist für mich ein ganz böses Thema.
    Das würde meine Lebensqualität stark einschränken, wenn ich da auf besondere Ernährung achten sollte und womöglich Dinge essen müsste, die einfach nicht gehen.
    Ich bin ganz froh, dass ich deutlich abwechslungsreicher esse als als Kind, das hat sich von selbst so entwickelt. So muss es auch nicht mehr zwingend stark auffallen. Im Gespräch mit Menschen, die keine Probleme mit verschiedenen Nahrungsmitteln haben, fällt es dennoch auf, dass mein Essverhalten alles andere als normal ist.
    Da bin ich gespannt, wie es bei Sophie ist und wie Platon und Sophie damit umgehen.

     
  2. Anita

    12. März 2014 at 5:32

    Hallo Platon,

    Zitat: „Das liegt daran, dass Sie konsequent den Blickkontakt vermeiden und ihr Gesicht keine Regungen zeigt. Zumindest für die meisten Menschen. Wer Sie kennt, kann schon etwas in Ihrem Gesicht “lesen”. In erster Linie ist es wohl Ihr recht starrer und eingefrorener Gesichtsausdruck. Hinzu kommt, dass Sie sehr lange einzelne, für andere nicht nachvollziehbare Punkte im Raum fixieren. Ihr gesamter Körper wirkt angespannt und vermittelt den Eindruck, nicht kommunikationsbereit zu sein. Insgesamt vermitteln Sie (ungewollt) einen Eindruck, der offensichtlich häufig von den Mitmenschen wie folgt interpretiert wird: große Angst.“

    Es ist sehr schwierig, dieses Verhalten so zu verändern, dass der Eindruck nicht mehr entsteht. Eine „Öffnung“ kann doch erst dann stattfinden, wenn Vertrauen besteht.

    Ähnliches Verhalten, bei einem „versteinerten“ Gesichtsausdruck kann auch als provokant gewertet werden.

    So jedenfalls ist es bei mir.

    Gruß Anita

     
  3. kiwigirl

    1. August 2014 at 12:08

    ich glaube, dass ich in gewissen sehr stressreichen situationen als psychisch krank oder zurückgeblieben erscheine und es gelingt mir nicht mein schweigen in diesen situationen zu durchbrechen.
    wohl aber ist es so das ich gelernt habe, mein verhalten in grundsätzlicheren sozialen situationen anzupassen, da ich bemerkt habe, dass ich an einem sozialleben sonst schnell von vornherein nicht teilnehmen kann.
    ich suche zum einen blickkontakt in dem ich aber die augenbrauen fokussiere, dies fällt den wenigsten menschen wirklich auf, außerdem schauen auch andere menschen, während der denkphasen von gesprächen im raum umher.
    zudem erkläre ich mein unwohlsein, also meine emotionen, somit muss ich mir darüber keine gedanken mehr machen.
    außerdem habe ich eine gewisse zeit, menschen beobachtet, die vermutlich ähnliche mimik und gestik aufweisen wie ich und bemerkt, dass dies mit unter wirklich verwirrend ist.
    für mich ist es einfacher, wenn man dann darüber verbal spricht, aber ich glaube für menschen die diese problematiken gar nicht kennen, erscheint es weitaus seltsamer.
    ich habe positive erfahrungen gemacht und menschen die diese probleme nicht haben gefunden, die mir die emotionen deutlich machen und erklären, in dem sie mit mir darüber sprechen.

     

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