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11. Nachricht von Sophie an Platon

25 Feb

Sophie:

„Hallo Platon,

Im Moment bin ich vor allem ziemlich ausgelaugt (ich glaube, das ist das richtige Wort). Ob man dem Respekt zollen sollte, weiß ich nicht. Denn in der Regel ist das wie ein zweites Leben, das sich im Verborgenen führt und von dem keiner erfahren hat.

In Bezug auf die soziale Interaktion bin ich kein Genie und kann das wohl auch nicht verheimlichen, aber all die anderen Dinge halte ich tunlichst hinter verschlossenen Türen, soweit möglich. Man muss ja nicht noch „bescheuerter“ wirken, als man sowieso schon wahrgenommen wird. Wobei ich mich schon frage, wie viel Energie ich eigentlich in dieses Versteck-Spiel investiere, nur damit ich nicht auffalle. Und ob es das überhaupt wert ist. Andererseits möchte ich mich nicht ständig erklären – zumal ich das gar nicht kann. Also alles eine eher ambivalente Sache.

Gerade denke ich, dass ich wahrscheinlich viel zu spät reagiert habe. Ich hätte eher eingreifen und mich nicht so lange mit dem Status Quo zufrieden geben sollen.

Liebe Grüße,

Sophie“

Was meint ihr: Wie viel an „Anpassung“ ist angemessen? Und wo verläuft die Grenze bis hin zur Selbstverleugnung? Was ist nötig, um miteinander interagieren zu können? Und auf was kann getrost verzichtet werden?

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5 Kommentare

Verfasst von - 25. Februar 2014 in Alltägliches, Briefe

 

5 Antworten zu “11. Nachricht von Sophie an Platon

  1. Reiner Sauer

    25. Februar 2014 at 20:14

    Ich denke alle Anpassung wird dann zur gefährlichen Selbstverleugnung, wenn man Schmerzen aushält, die der Gesundheit schaden! Das ist oft nicht einfach, weil wir, je nach Umfeld, von Geburt an gelernt haben Leiden sei normal. Persönlich kann ich anfügen, meine Toleranzschwelle gegenüber Leiden wird immer geringer und es geht mir immer besser dabei. Sich das Leiden bewusst machen, statt Aushalten und Verdrängen und umgehend Handeln. Wir sind nicht geboren um zu Leiden, sondern Glücklich zu sein. Auf Menschen die mich Leiden machen, kann ich gerne verzichten.

     
  2. Kakerlake

    25. Februar 2014 at 23:11

    Hallo Sophie,

    für mich ist Anpassung nur so lange angemessen, wie es mir nicht schadet und/oder meine private Zeit verbraucht…Wenn ich mich derart „verstellen“ muss, dass ich im Anschluss daran nicht mehr fähig bin, meinen privaten Alltag zu bewältigen, dann empfinde ich das als Ungleichgewicht. Wenn mich also diese Anpassungsleistungen so viel Kraft kosten, dass ich meine freie Zeit damit verbringen muss, mich davon zu regenerieren. Für mich unterm Strich also nichts mehr übrig bleibt.
    Die Grenze zur Selbstverleugnung ist meines Erachtens nur schwer zu definieren und kann nur in einem Selbst gefunden…bzw., gefühlt werden. Wenn ich Dinge tue, die ich eigentlich nicht tun will…und die mir schaden…oder wehtun, dann ist das für mich Selbstverleugnung. Irgendwann schleicht sich dann auch der Gedanke eines Doppellebens ein, gepaart mit einer großen Unzufriedenheit.
    Zum Interagieren ist meiner Meinung nach Respekt, Achtung und Wertschätzung nötig…und zwar von beiden Seiten. Wenn ich meinem Gegenüber nur eine Rolle vorspiele, dann wird er auch nur diesem vorgespieltem Bild seine Wertschätzung, Achtung und seinen Respekt entgegen bringen und mich nicht wirklich erreichen.
    Ich glaube, es hat etwas mit dem Selbstwert zu tun. Denn wenn ich mich nicht selbst für Wert erachte, mich den Menschen so zu zeigen wie ich bin, bleibt mir nur das Schauspielern. Und dann gehe ich unerfüllt aus einer Interaktion heraus. Und schließlich schleicht sich auch wieder das Gefühl der Selbstverleugnung ein.
    Ich habe mich auch zu viele Jahre selbst verleugnet, bis ich zum Schluss nur noch damit beschäftigt war irgendwie in dieser Welt zu überleben und ja nicht aufzufallen. Wenn ich aus der Arbeit kam, war ich zu nichts mehr fähig und konnte nur versuchen zu regenerieren…aber bevor ich das geschafft hatte, musste ich schon wieder in die Arbeit. Auch Wochenenden und Urlaube konnten meine Energiereserven nicht mehr auffüllen. Ich beging mit mir selbst ein ständiges Minusgeschäft…bis ich mich eines Tages fragte: „Was mache ich da eigentlich? Soll das mein Leben sein? Wo bin ICH unter all dem Berg von Pflichterfüllung, Anpassung und Erschöpfung?“ Und beschloss: So kann das nicht weiter gehen. Und zu dieser Erkenntnis bist Du, Sophie, ja inzwischen auch gekommen.

    Viele Grüße, Kakerlake

     
  3. Reiner Sauer

    26. Februar 2014 at 10:22

    Zum Problem Anpassung.
    Zwei Dinge sollten unbedingt getrennt bedacht und behandelt werden. Wir leben in einer in einer künstlichen Welt, dahinter ist die natürliche Welt mehr oder weniger verborgen. Wenn wir Anpassungsprobleme haben, sollten wir zuerst feststellen welche der Welten uns Probleme bereitet. Gegen die natürliche Welt gibt es kein Mittel, die können wir nur Ertragen, das sollte uns aber auch nicht schwer fallen, denn auf diese Welt sind wir in millionen Jahren Evolution vorbereitet worden. Es ist die Welt aus der wir kommen, die uns in einem langen Ausleseprozess geschaffen hat. Wir sind ein Produkt dieser Wirklichkeit, also sollten wir uns in der Wirklichkeit zuhause fühlen können. Die andere Welt ist die Welt, die von Menschen, vom menschlichen Geist und willigen Händen erschaffen wurde. Diese Welt ist eine durch und durch künstliche Welt, die sofort aufhört zu existieren, wenn die willigen Handlanger aussterben. Wenn uns diese künstliche Welt Probleme bereitet, dann müssen wir das nicht aushalten, wenn wir das versuchen, verraten wir uns selbst und werden zwangsläufig krank. Hirngespinste führen uns in die Irre, dort verhungern wir im wahrsten Sinne des Wortes. Es liegt an uns. Wir entscheiden welche Welt uns wichtiger ist. Als Beispiel nenne ich die inzwischen bekannte Laktoseunverträglichkeit vieler Menschen. Sie sind für Milch nicht geschaffen. Milch ist ein künstliches Lebensmittel, genau wie Weizen. Wenn wir das nicht vertragen, dann müssen wir uns nur natürlich Ernähren und sind ein Problem los. Wir können gegen diese Unverträglichkeiten nicht ankämpfen.
    Das sind nur zwei winzige Beispiele für Probleme mit der Menschengemachten, „künstlichen“ Welt. Auch der Blickwinkel darauf ist wichtig. Denn nicht die LaktoseUNverträglichkeit ist das Problem, sondern der Irrglaube, das Laktoseverträglichkeit „normal“ ist.

     
  4. Anita

    6. März 2014 at 22:07

    Anpassung ist schwer greifbar zu machen …………….

    versuch ich es mal mit meinem Alltag:

    Ein Elternabend ist ein Muss. Freundlich grüßen gehört dazu.
    Eine Feier mit diesen Eltern nicht.

    Eltern von befreundeten Kindern einen Kaffee anbieten, gehört sich so und es ist auch wichtig, zu wissen, wo die eigenen Kinder hingehen.
    Der Smaltalk ist aber anstrengend und kann deshalb auch nicht oft geführt werden.

    Gespräche mit Lehrern „gehen“, aber es kostet immens Energie.

    Private Kontakte, nur die, die man sich wirklich selber ausgesucht hat. Den Rest blocke ich.

    Ich für mich setze mir Prioritäten. Was unabdingbar ist, wird im Vorfeld geplant, dann kann ich mich darauf vorbereiten. Kurzfristiges ist sehr schwer. Unwichtigere Dinge minimiere ich oder verhindere sie ganz.

     
  5. kiwigirl

    1. August 2014 at 10:44

    ich glaube anpassung ist eine doppelseitige münze. passt man sich zu viel an, ist es selbstverleumdung und diese führt irgendwann zu depressiven verstimmungen, passt man sich jedoch gar nicht an, ist man isoliert und kann wohl auch nicht auf hilfe von außen hoffen.
    meiner meinung nach muss beachtet werden, dass andere einen vielleicht nicht verstehen und deswegen so handeln wie sie handeln, würde man sie aufklären, hätte man zumindest die chance das sie derartig handeln, dass es einem selbst eine erleichterung ist.
    hierbei finde ich es jedoch auch wichtig, auf gegenseitigkeit zu achten, denn so wie es für mich vielleicht anstrengend ist, über für mich unwichtiges zu sprechen oder keine klarheit aus dem gesagten ziehen zu können, ist es für andere vielleicht anstrengend nicht emotional zu agieren, dass bedeutet für mich einen kompromiss zu finden.
    insgesamt ist sozialleben für mich anstrengend, aber ich glaube das der mensch trotz allem ein soziales tier ist und in irgendeinerweise sozialkontakt benötigt, deswegen strebe ich nach sozialleben, aber versuche die anstrengung so viel wie möglich zu verringern, in dem ich kompromisse schließe, ehrlich bin und mir pausen gönne.

     

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