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9. Nachricht von Platon an Sophie

20 Feb

Platon:

„Hallo Sophie

jetzt bin ich unsicher, ob ich angemessen reagiere. Würde Ihnen gerne helfen, kann aber zurzeit wohl nur wenig machen. Vielleicht stören Sie sogar meine Anfragen auch, da können Sie ehrlich mit mir sein.

In jedem Fall habe ich in den letzten Wochen einen – so wie ich denke – tiefen Eindruck bekommen, wie Sie die Welt wahrnehmen und sich darin fühlen.  Kann ich Sie in irgendeiner Form unterstützen? Hilft es Ihnen, wenn Sie mir schreiben?

Platon“

Und wieder die Frage an die Leser: Welche Optionen würdet ihr vorschlagen? Tipps, Tricks, den einen oder anderen Kniff? Oder würde eine solche Situation für euch mit der gleichen Unsicherheit behaftet sein, wie sie bei Platon im ersten Abschnitt anklingt?

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6 Kommentare

Verfasst von - 20. Februar 2014 in Briefe

 

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6 Antworten zu “9. Nachricht von Platon an Sophie

  1. reynard1603

    20. Februar 2014 at 12:16

    Ich denke, Tipps, Tricks und Kniffe gibt es gar nicht. Wenn man in der AS-NT-Kommunikation „verstehen“ will und unterstützen will, hilft nur das einfache Nachfragen. Und das hat Platon gemacht. Unsicherheiten werden immer bleiben, aber man kann sie eingrenzen, über authentisches Nachfragen.

     
  2. Mueller7de

    20. Februar 2014 at 12:27

    Ich kenne diese Unsicherheit anderer in Sachen Taubblindheit.
    Wenn ich unter Belastung stehe, setze ich mich auf mein Sofa, trinke meinen Kaffee und lass die Zeit verstreichen, bis ich wieder zeitlich und verstandesmäßig mit dem „Jetzt“ kompatibel bin.
    Es ist dann sehr wichtig für mich, dass auf nichts reagiert werden muss.
    Unsicherheit anderer kann ich dann nicht abfangen.
    Meine Leute wissen das, sie wissen auch, dass es nichts Persönliches ist und auch nichts Schlimmes passiert. Sie wissen: Ich brauche die Zeit jetzt für mich.
    Es ist sehr wichtig für mich, dann, wenn es wieder besser geht, die Initiative zu haben und mich hinterher nicht rechtfertigen oder entschuldigen zu müssen. Ich nehme den Faden dann da auf, wo ich gerade stehe und freue mich wieder über Kontakt.
    Ich kann nur mit den Leuten etwas anfangen, mit denen man sowas absprechen kann und die damit umgehen können.
    Das oben Gesagte wurde über viele Jahre entwickelt. Man muss Menschen finden, die damit kompatibel sind und man sollte sich nach Möglichkeit im Vorfeld absprechen können.

     
  3. Ismael Kluever

    20. Februar 2014 at 15:00

    „Welche Optionen würdet ihr vorschlagen? Tipps, Tricks, den einen oder anderen Kniff?“

    *schmunzel* Jetzt kommt von mir die Frage, die in meiner persönlichen Konversation mit Autisten von beiden Seiten dauernd vorkommt:

    „Was meinst du jetzt genau?“

    Also Optionen, Tipps und Tricks wofür?

    Ich möchte auch häufig praktische Ratschläge zur Alltagsbewältigung geben. Aber die „passen“ manchmal nicht zu autistischen Wahrnehmungs- und Lebensweisen. Das sollte dann aber nicht zur Frustrationen auf beiden Seiten führen. Also: Geduld!

    Viel wichtiger als praktische Tips scheint mir menschliche Präsenz zu sein. Einfach „da sein“ und gemeinsam das Leben und Erleben reflektieren. Nach meinem Eindruck gibt es nämlich eine größere Zahl von Autisten, die die Kommunikation mit ihren Mitmenschen sehr schätzen*. Nur kommen die Kontakte auf konventionellem Wege nicht so leicht zustande und die Formen des Austausches sind andere als üblich. Via Internet geht es nach meiner Erfahrung recht gut. Es hilft, einander die jeweilig andere Lebenserfahrung mitzuteilen und so einander auch Wertschätzung zu zeigen.

    „Kann ich Sie in irgendeiner Form unterstützen? Hilft es Ihnen, wenn Sie mir schreiben?“

    Ich kann natürlich nicht für Sophie sprechen. Aber aus meiner Erfahrung der letzten Monate kann ich sagen: Es lohnt sich, den Kontakt geduldig zu halten und kontinuierlich zu kommunizieren. Auch, wenn sich keine schnellen „Lösungen“ für konkrete Probleme zeigen. Manchmal ist es ja auch nur ein kleiner Tipp, ein Hinweis, dass es im Bahnhof XY einen „Raum der Stille“ gibt oder dass zu einem bestimmten Zeitpunkt das Schwimmbad weniger frequentiert ist als sonst. Auch das ist schon ein Zeichen des Sich-Hineinfühlens und deshalb wertvoll, finde ich.
    _________________________________
    * Vor meinen ersten Kontakten mit Autisten hatte ich das Vorurteil, Autisten hätten generell kein Interesse an anderen Menschen. Solche mag es geben. Aber diejenigen, denen ich im Internet begegne (das ist ja ein selektierender Faktor), sind recht kommunikativ, oft sogar extrovertiert und m. E. ausgesprochen liebenswürdig!

     
    • dualessein

      22. Februar 2014 at 0:37

      Das habe ich auch schon häufiger gelesen und gehört: „Autisten wollen ja keinen Kontakt.“ Aber wer ein bisschen in der Fachliteratur blättert, wird feststellen, dass das nicht stimmt. Das „Wollen“ ist nicht der Punkt, sondern es hakt beim Wissen, wie der Kontakt zustande kommt, vor allem aber gehalten werden kann.

      Mir geht es beispielsweise häufig so, dass ich Menschen „vergesse“, die ich nicht in meinem direkten Umfeld habe. Ich weiß, dass sie existieren und rein rational weiß ich auch, dass für diese Menschen die Zeit auch in irgendeiner Form weiterläuft und Dinge geschehen – aber ich bin dann immer überrascht, wenn ich plötzlich mit einer Veränderung konfrontiert bin. Das kann man sich ein wenig so vorstellen: Sobald die Person mein direktes wahrnehmbares Umfeld verlässt, erstarrt sie für mich in der Zeit. „Lebendig“ wird die Person dann erst wieder, wenn sie wieder in meinem direkten Umfeld eine Rolle spielt. Selbst, wenn mir die Leute danach erzählen, was sie alles in dieser Zeit, die ich nicht unmittelbar mitbekommen habe, erlebt haben, fällt es mir schwer, dass mit einem realen Inhalt zu füllen. Und dann vergehen in Kontakten ganz schnell Monate, in denen ich mich nicht melde – einfach, weil die Person ja eigentlich in dem Moment nicht existiert.

      Das Internet hat da durchaus einiges geändert. Zum Beispiel reicht bei mir die kleine grüne „Online“-Lampe bei Facebook, um mir deutlich zu machen, dass eine Person gerade nicht „erstarrt“, sondern aktiv ist. Die kann ich dann auch relativ einfach anschreiben. Wobei ich durchaus auch Schwierigkeiten habe, nachher die „Online-“ und die „echte“ Person übereinander zu bringen und als ein und dieselbe Person zu identifizieren.

       
  4. reynard1603

    20. Februar 2014 at 21:00

    Zur Frage an die Leser: Tipps, Tricks und Kniffe gibt es in dieser Situation glaube ich nicht. Wenn Unsicherheit besteht, hilft nur klares Nachfragen, und das hat Platon gemacht.

     
  5. Anita

    6. März 2014 at 21:51

    Tja.

    nachfragen und Ruhe bieten. Geduldig sein.

    Das ist das, was in einem Haushalt mit 4 autistischen Kindern so den Tagesablauf mitbestimmt.

    Rückzug anerkennen und anbieten.

    Alleine lassen, aber da sein. Warten können. Und das Warten aushalten lernen.

     

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