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7. Nachricht von Platon an Sophie

09 Feb

Platon:

„Hallo Sophie,

danke für Ihr Vertrauen. Alles mit sich alleine auszumachen, kann auf Dauer krank und müde machen. Sie können mir grundsätzlich immer schreiben. Ich wollte Sie nur nicht mit weiteren Fragen meinerseits in dieser Woche wieder zu sehr beanspruchen.

Sie befinden sich gerade in einer Phase, in der viele Dinge für Sie neu sind, in der Sie sich neu orientieren und strukturieren müssen. Sie hatten das ja auch schon geschrieben. Hinzu kommen die Dinge, die auch so schiefgelaufen sind. Und nicht zuletzt der Kontakt mit mir, der Ihre Aufmerksamkeit und Ihre Ressourcen ebenfalls in Anspruch nimmt. Dann sind solche Tage, an denen nichts mehr geht, nur allzu verständlich.

Grundsätzlich ist es keine Katastrophe, wenn man aus gesundheitlichen Gründen nichts mehr geht. Die Mehrzahl der Menschen kennt solche Tage. Dann ist man schlapp und müde, man hat Kopfschmerzen, den einen plagen dann große Selbstzweifel, den anderen terrorisieren Angstattacken. Das Spektrum der negativen Empfindungen und Emotionen ist hier sehr weit. Auch ich kenne solche Tage. Aber dann geht es bald wieder, das Tal ist dann durchschritten. Und dann kommen auch wieder gute Tage.

Diese große Müdigkeit signalisiert Ihnen Ihr Körper. Nach den Jahren der Schwerstarbeit kommen die ersten Ermüdungserscheinungen. Darum auch meine Hausarbeit für Sie, um besser überblicken zu können, wie viel Ruhe und welche Ernährung Sie Ihrem Körper gestatten.

Ein weiterer Schritt wird dann sein, zu „erforschen“, welche Aktivitäten (zum Beispiel Fotografieren, etc.) und welche Entspannungsverfahren Ihnen wieder Kraft und Lebensfreude bringen.

Wenn es Ihnen zusätzlich gelingt, diejenigen Fahrpläne zu erkennen, die Ihnen auf Dauer Kraft entziehen, und neue Fahrpläne zu entwickeln, die Ihnen das Leben in und um soziale Situationen erleichtern, dann ist schon viel gewonnen. Das wird ein zentraler Punkt unserer Zusammenarbeit sein. Und: wieder möglichst viele positive Erfahrungen im Umgang mit anderen Menschen machen. Und: Geduld und Gelassenheit.

Es sind oft nur Kleinigkeiten, die allerdings eine große Wirkung haben können. Das haben Sie jetzt gestern wieder leidvoll erfahren müssen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass Sie die Dinge sortieren und strukturieren können. Dass Sie die Dinge auch restrukturieren können.

Liebe Grüße

Platon“

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13 Kommentare

Verfasst von - 9. Februar 2014 in Alltägliches, Briefe

 

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13 Antworten zu “7. Nachricht von Platon an Sophie

  1. Sina

    9. Februar 2014 at 15:54

    Hups. @ Platon: es sieht aus, als hast du Sofie’s Nachricht nicht ganz verstanden.

     
  2. Kakerlake

    9. Februar 2014 at 18:06

    Das sehe ich auch so da ist etwas aneinander vorbei gelaufen. Es geht nicht um eine körperliche Erschöpfung…es mag zwar auf den ersten Blick so scheinen…aber es ist ein Overload. Sophie, ich kenne es wenn etwas schief läuft und wenn sich ab da das ganze Gefüge Stück für Stück auflöst, einfach verschwindet… sogar das Gedächtnis wird unzuverlässig …und einfach nichts mehr hängen bleibt, von dem was gerade gesprochen wurde…und auch später nicht mehr abrufbar ist. Und dann soll man noch funktionieren? Aufgaben bleiben liegen…und verwandeln sich in tonnenschwere, unverrückbare Felsbrocken die alles blockieren. Es ist ein furchtbarer Zustand. Und ich gerate dort auch immer wieder hinein …wenn zu viel auf mich einströmt, zu viel von mir gefordert wird, ich zu wenig Ruhezeiten und Rückzugsmöglichkeiten habe. Wie sieht es dann in mir aus? Schwer zu beschreiben, denn es ist ein paradoxer Zustand….der (von mir kreierte) Begriff: „Chaosleere“ kommt dem am nächsten. Für einen Außenstehenden sind diese Zustände natürlich nur schwer nachzuempfinden und daher kommt auch Platons Zuversicht: Du. Sophie, könntest die Dinge neu strukturieren. Vielleicht später mal…im jetzigen Zustand jedenfalls nicht. Ich hoffe, Du hast Deine dritte schwere Decke schon parat…denn die wirst Du jetzt brauchen….
    Viele Grüße, Kakerlake

     
  3. dualesseinzwei

    9. Februar 2014 at 20:06

    Hallo Sina und Kakerlake,

    auch ich dachte bei der Vorbereitung dieser Nachricht für den Blog, ob das alles von mir so zueinander passt.

    Ich denke, dass dieser Blog gerade durch solche Fragen, wie ihr sie hier stellt, erst richtig interessant wird. Wann im Alltag hat man schon die Möglichkeit, über die eigenen Verständigungsprozesse mit weiteren Personen derart offen und gewinnbringend zu diskutieren.

    Ich kann mich erinnern, dass mir die Antwort auf Sophies Nachricht nicht leicht gefallen ist. Ich wollte Sophie einerseits beruhigen. Solche Tage können vorkommen, auch bei anderen Menschen.
    Andererseits versuchte ich ihr die folgende Überlegung zu vermitteln: durch starke körperliche Belastung, durch Stress und durch Schlafmangel wird ein körperlicher Erschöpfungszustand erreicht, der dazu führt, das alle äusseren Reize in erhöhter Sensibilisierung wahrgenommen werden. Das erhöht wieder den Stress, sorgt für zusätzlichen Schlafmangel, und dadurch wird die Wahrnehmung noch sensibler. Ein Kreislauf in die falsche Richtung beginnt, bis zur totalen körperlichen Erschöpfung, die Sophie erst sehr spät als solche wahrnimmt. Dann schalten sich erst einige Bereiche ab, die Konzentrationsfähigkeit, das Sehvermögen, und irgendwann kommt es zur kompletten Notabschaltung.

    Eine Möglichkeit, diesen Kreislauf zu unterbrechen, besteht aus meiner Sicht nun darin, die körperlichen Grundfunktionen wieder zu regenerieren, damit die Wahrnehmungsprozesse wieder auf ein erträglichen Maß an Sensibilität zurückgeführt werden. Und es dann nicht mehr so schnell zu diesen „Zu-laut, zu-grell Tagen“ kommt.

    Könnt ihr diesen Gedankengang nachvollziehen?

    Mich interessiert auch noch, wie Sophie die Nachricht von mir verstanden hat.

    Liebe Grüße

    Platon

     
    • Reiner Sauer

      10. Februar 2014 at 10:50

      „Mich interessiert auch noch, wie Sophie die Nachricht von mir verstanden hat.“

      welche Nachricht ???
      Ich dachte diese Emails sind aus der Vergangenheit ???

       
      • dualessein

        11. Februar 2014 at 8:22

        Ich verstehe das Problem nicht. Das macht ja das Hinterfragen der Kommunikation aus, auf einige Dinge mit Abstand zurückzuschauen und zu fragen, wie sie aufgenommen wurden.

         
      • dualesseinzwei

        11. Februar 2014 at 8:43

        Hallo Reiner,

        Die Emails sind auch aus der Vergangenheit. Ich meinte mit der von dir zitierten Frage, wie Sophie damals meine damalige Nachricht verstanden hatte. Ob sie da auch den Eindruck hatte, dass ich ihre Mail nicht richtig verstanden hätte.

        Liebe Grüße

        Platon

         
      • Reiner Sauer

        11. Februar 2014 at 11:27

        Das Problem für mich ist, (soweit ich den ganzen Vorgang richtig verstanden habe)
        Die Nachricht von Sophie ist aus der Vergangenheit. Die Kommentare sind von „Heute“,
        mit dem Schlusssatz von Platon:
        „Mich interessiert auch noch, wie Sophie die Nachricht von mir verstanden hat.“
        wird die Geschichte irrational, Vergangenheit und Heute wird vermischt. Platon weiß doch schon wie Sophie die Nachricht verstanden hat… eben weil er sie aus der Vergangenheit kennt. Oder?

         
      • dualesseinzwei

        11. Februar 2014 at 19:07

        Hallo Reiner,

        ja, ich verstehe deine Frage. Allerdings ist mir damals NICHT aufgefallen, dass ich offenbar mit meiner Antwort – so wie es Sina und Kakerlake jetzt gesehen haben – daneben liege. Daher frage ich im „Heute“ nochmals rückblickend Sophie, wie sie damals meine damalige Nachricht verstanden hatte.

        Liebe Grüße

        Platon

         
      • Kakerlake

        11. Februar 2014 at 20:09

        Hallo Reiner,
        ich war zuerst auch irritiert…aber jetzt hab ichs kapiert…und habe dabei etwas gelernt : Nämlich den Blick auf die Kommunikationen der Vergangenheit zu richten…und mein Verständnis von heute dem Verständnis der Vergangenheit gegenüber zu stellen. Das ist sehr bereichernd…denn ich sehe, was ich für Fortschritte gemacht habe. Und es macht mich neugierig weitere Kommunikationen aus verschiedenen Blickwinkeln (und verschiedenen Abständen) zu betrachten.
        Es ist als hätte sich mir gerade eine Tür geöffnet….und voller Vorfreude betrete ich nun den neuen Raum dahinter…
        Kakerlake

         
    • dualessein

      13. Februar 2014 at 15:46

      Ich gehe in aller Regel nicht davon aus, dass im Nicht-Verstehen meines Gegenübers eine Absicht liegt. Bei besagter Nachricht hatte ich durchaus den Eindruck, dass ich mich nicht richtig ausgedrückt, nicht korrekt verständlich machen konnte. Das liegt aber sicher auch daran, dass es schwer ist, etwas zu beschreiben, für das es keine klaren und eindeutigen Worte gibt, was im „allgemeinen Sprachgebrauch“ schlicht nicht existiert. So bin ich gezwungen, mit bekannten Worten Konstrukte zu bauen, um dem, was ich meine, so nah wie möglich zu kommen. Denn „Chaosleere“, wie Kakerlake anführte, ist ein durchaus passender Begriff – nur vermute ich, dass die, die nicht wissen, was gemeint ist, den Begriff auch nicht mit Inhalt füllen können.

       
  4. maedel

    9. Februar 2014 at 20:33

    es geht mehr um die mentale Erschöpfung. Eine Art bleierne Müdigkeit.

     
  5. maedel

    9. Februar 2014 at 20:39

    falls es ok ist schalte den Link frei, wenn nicht , dann verstehe ich das Sophie 🙂
    daher schreibe ich ihn in ein extra Kommentar…

    „Wann soll ich das machen“ oder „die Sache mit der Erschöpfung“
    http://innerwelt.wordpress.com/2013/09/29/wann-soll-ich-das-machen/

     
  6. Anita

    6. März 2014 at 21:26

    Hallo Platon,

    ist es eine Option, zu sagen, was im Vorfeld so verstörend ist, dass man sich auf das Gespräch nicht mehr konzentrieren kann?

    Für mein Empfinden, ist aus Unwissen aufgebauter Druck, hier kontraproduktiv.

    Mir würde das aussprechen dieser Fakten helfen, auch wenn die Situation unabänderbar ist. Aber könntest Du dies aushalten bzw. nachvollziehen?

    LG Anita

     

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