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6. Nachricht von Sophie an Platon – Teil III

30 Jan

Sophie:

“ […] 5. Auch das ist ein Beispiel, das unwahrscheinlich ist. Aber es gab mal während meiner Schulzei jemanden, der vielleicht dem nahe kam, was man als „Freundin“ bezeichnet. Wir galten beide als seltsam, waren beide Außenseiter und interessierten uns beide für Star Trek. Es gab keine dieser „Wir umarmen uns, weil wir Freunde sind“-Szenen und keine inhaltsleeren Gespräche. Sie atte ein neues Star­-Trek­-PC­-Spiel, dann kam ich zu ihr und wir spielten es durch. Ich hatte ein neues Raumschiff­, dann kam sie und schaute es sich an und wir erörterten, ob der Maßstab korrekt ist oder die Details angemessen ausgearbeitet sind. In den Schulpausen trafen wir uns immer an der gleichen Stelle und sprachen über die Star­-Trek-­Folge, die am Vortag gelaufen war. Wir entwickelten ein Spiel, eine von uns nannte eine Kennnummer (z. B. 74656) und die andere musste dann sagen, welcher Raumschifftyp das ist und wie das Schiff heißt (Intrepid­ Klasse, U.S.S. Voyager) Es war einfach, klar und strukturiert.

Wenn es nichts zu sagen gab, sagten wir nichts. Und vor allem gab es nie diese Missverständnisse, weil jemand Dinge verstand, die nie gesagt worden waren. Wir kannten uns insgesamt zwei Jahre, dann verließ sie die Schule und der Kontakt brach ab.

Ja, es hilft mir, wenn ich solche Dinge vorab weiß. Gerade Bauarbeiten machen mich generell nervös, sie sind mit Veränderungen, Staub und vor allem Lärm verbunden.

Ich war bislang einmal auf einer Insel, habe das aber als extrem voll in Erinnerung. Bis zur Ostseite kam ich dann wohl gar nicht, die Strände, die ich sah, waren voll mit Menschen.

Vielleicht sollte ich noch mal einen Versuch wagen, denn grundsätzlich mag ich die See. Vor sieben Jahren war ich auf einer Hallig, kurz nach meiner Ankunft gab es einen heftigen Sturm und dann ein Land­Unter. Ich mag die Weite, den Blick bis zum Horizont, die Dünenlandschaft, den Wind, das Salz in der Luft, die Bewegung des Wassers, das Sonnenlicht, das sich dort spiegelt, die Muscheln, die Seehunde, die Leuchttürme, die Deiche, die Schafe, die Möwen (vor allem ihren Flug bei Sturm), die Art, wie die Wellen brechen, das Sammeln der Zugvögel und auch das vermeintlich „Karge“. Aber ich mag auch den Sturm, wenn es kalt und windig wird, wenn die See sich nicht bändigen lässt, wenn die Gewitterwolken aufziehen und es in Strömen regnet.

Wenn es mir bislang zu laut vor Menschen geworden ist, bin ich meist Richtung Leuchtturm gefahren, dort sind ab dem beginnenden Herbst weniger Menschen als in den Orten und ich habe meine Ruhe. Aber vielleicht war ich bislang auch nur auf der „falschen Seite“ der Insel.

Liebe Grüße

Sophie“

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Verfasst von - 30. Januar 2014 in Alltägliches, Briefe

 

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