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4. Nachricht von Platon an Sophie

16 Jan

Platon:

„Hallo Sophie,

menschliche Kommunikation ist permanent von Unsicherheit geprägt, hundertprozentiges Verstehen kann nicht überprüft werden, dafür wären weitere Kommunikationsprozesse nötig, die ebenfalls dann wieder überprüft werden müssten und so weiter und so weiter.

Ja, ich habe diese Unsicherheit bewusst provoziert, und Sie haben sehr gut reagiert.

Ich kann gut nachvollziehen, was Sie durchgemacht haben und aktuell auch noch durchmachen. Sie vollbringen Tag für Tag Höchstleistungen, die irgendwann Ihren Körper auslaugen. Die zentralen Probleme, die Sie ständig bewältigen müssen, werden mir von Mail zu Mail klarer. Sie haben zahlreiche Punkte angesprochen, die ich gerne alle wieder mit Ihnen Schritt für Schritt durchgehen möchte.

Haben Sie aktuell neben der Tätigkeit im Beruf noch andere Aufgaben zu erledigen? Zum Beispiel für Ihr Studium? Gibt es noch weitere Schulungen?

Sie baten um Rückmeldung, ob Ihre Emails unangemessen seien: Ich empfinde unseren Kontakt und vor allem Ihr Verhalten inklusive der Emails als angemessen und sehr zielführend. Unsere Kommunikation ist aus meiner Sicht sehr anspruchsvoll und tiefgreifend. Ein Grund dafür, warum ich das so empfinden kann, ist mein zunehmendes Wissen über Ihre „andersartige“ Wahrnehmungsfähigkeit. Ich stelle Ihre Gedanken und Reaktionen dieser besonderen Wahrnehmungssituation in Rechnung. Dadurch macht ihr Verhalten für mich wieder einen ganz konkreten Sinn und ist verständlich.

Ich sehe für Sie einige Perspektiven und Ziele. Denke aber auch, dass Sie zur Zeit an einem kritischen Punkt sind, gerade in Bezug auf die Sicherung des Arbeitsplatzes und Ihres körperlichen Gesundheitszustandes. Diese Themen müssen wir sehr bald angehen.

Ich habe noch weitere Fragen, die ich jetzt aber aus Zeitgründen nicht formulieren kann. Ich werde also wohl noch weitere Emails schreiben.

Liebe Grüße

Platon“

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5 Kommentare

Verfasst von - 16. Januar 2014 in Alltägliches, Briefe

 

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5 Antworten zu “4. Nachricht von Platon an Sophie

  1. Ismael Kluever

    16. Januar 2014 at 10:35

    Lieber Platon,

    ist die nüchterne, akademisch wirkende Formulierungsweise (unabhängig vom Inhalt) bewusst für die Adressatin so gewählt?

    LG Ismael

     
    • dualesseinzwei

      16. Januar 2014 at 13:39

      Hallo Ismael,

      ich kann mich kaum noch erinnern, in welcher Verfassung ich war, als ich diese Nachricht verfasst habe. Ich denke aber, dass ich versucht habe, mich möglichst konkret und präzise auszudrücken. Insofern, ja, für die Adressatin so gewählt. Allerdings wirkt meine Nachricht auf mich nicht übermäßig akademisch und nüchtern, auch wenn ich sie jetzt wiederholt lese. Vielleicht fragen wir am besten einmal Sophie, ob auch ihr diese Nachricht nüchterner erscheint als meine bisherigen.

      Liebe Grüße

      Platon

       
  2. dualessein

    16. Januar 2014 at 15:03

    Hallo,

    ich finde die Formulierung sachlich und klar, wie auch in den vorigen Nachrichten. Allerdings ist natürlich auch die Frage, in welchem Vergleich die Formulierungen nüchtern wirken sollen. Daher wäre hier jetzt Platz für meine Standard-Frage: „Nüchtern im Vergleich zu was?“

    Liebe Grüße,

    Sophie

     
    • Ismael Kluever

      16. Januar 2014 at 19:42

      Mein Maßstab ist der Eindruck, den ich von meinen eigenen Texten in der Kommunikation (Internet-Chat) mit Autistinnen und Autisten habe. Statt eines lockeren Gesprächsstiles, der eigentlich meiner Gewohnheit entspricht, benutze ich häufiger als sonst einen sachlicheren und nüchterner wirkenden Stil.
      Statt „ich habe ein Auge auf … geworfen“ also „Ich habe besonderes Interesse an…“ (Schließlich werfe ich nicht mit Organen herum.) Das betrifft auch emotionale Inhalte: Statt „Ich habe dich in’s Herz geschlossen“ dann „Ich mag dich“ oder „Ich habe dich gern.“
      Nach näherem Kennenlernen wird meine Wortwahl dann auch schon lockerer, mit unter auch flapsig.
      Meine Kommunikation ist fast ausschließlich privater bzw. persönlicher Natur. In dieser Hinsicht ist der Austausch natürlich nicht mit eurem zu vergleichen. Aber ein wenig meinte ich, diese Tendenz zum besonders sachlichen Formulieren auch bei Platon herauszuspüren.

       
  3. amicus

    16. Januar 2014 at 15:39

    Hallo ihr Lieben,
    ich finde die Formulierungen auch nicht nüchtern oder akademisch -meine ganz persönliche Wahrnehmung, und um Wahrnehmung geht es ja- sondern sachlich und auf den Punkt gebracht. Ich glaube auch, dass es -nach meiner Erfahrung mit ASS- wichtig ist einige Punkte zu beherzigen um Verwirrungen beim Gegenüber zu vermeiden, drei seien hier (ohne näherer Erklärung) genannt:
    *Machen sie klare und präzise Aussagen
    *Bleiben sie logisch
    *Bleiben sie sachlich
    Ich habe den Eindruck, lieber Platon, du beherzigst ,bewusst oder unbewusst, diese Vorgehensweise. Ich bin erstaunt wie schnell Du dich in den wenigen Treffen auf dein Gegenüber eingestellt hast (Du hast ja selber einmal bemerkt, du seist kein Fachmann auf dem Gebiet). Das zeugt von hoher Empathie-Fähigkeit. Chapeau!
    Bis bald
    AMICUS

     

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