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Die zweite Sitzung – brieflicher Nachklapp

09 Jan

Platon:

„Hallo Sophie,

ich bitte Sie, mir kurz und spontan jeweils fünf Dinge zu nennen, die Sie an der heutigen Sitzung gut bzw. schlecht fanden.

Bitte antworten Sie innerhalb von 15 Minuten, nachdem Sie diese Email gelesen haben (also nicht zu lange überlegen).

Grüße

Platon“

Sophie:

„Hallo Platon,

fünf Dinge, die ich an der heutigen Sitzung gut fand:

1. Die Rückbezüge auf meine Emails. So war für mich recht schnell zu erkennen, worauf Sie hinauswollen.

2. Ihr aufgeräumter Schreibtisch. Das lenkt weniger ab.

3. Die Freiheit, die Dinge so sagen zu können, wie ich sie denke. Das erspart mir das mühsame Suchen nach „angemessenen“ Formulierungen ­ auch wenn ich mich noch daran gewöhnen muss, dass es wirklich nicht falsch aufgefasst wird.

4. Die fehlende Hektik in der Gesprächssituation. Die auch Ihrerseits zugelassenen Pausen haben die Sitzung ruhiger gemacht. Normalerweise erlebe ich Gespräche weit konfuser und hektischer.

5. Und wichtig: Das Feedback, das Sie mir geben. So erhalte ich eine Rückmeldung, was warum wie von anderen als irritierend empfunden wird und bekomme einen Blick auf die Außenwahrnehmung.

 Fünf Dinge, die ich an der heutigen Sitzung schlecht fand:

1. Ihr Schreibtischstuhl stand leider vor dem Glas mit den Muscheln. Eine der Muscheln ist einer meiner Fixpunkte im Raum.

2. Der Verkehr vor dem Fenster. Besonders die LKW sind auffallend und störend. Kann man aber wohl nicht ändern.

3. Zwischendurch fehlte mir der sprichwörtliche rote Faden. Ich wusste nicht, welche Zielpunkte Sie mit einigen Fragen ansteuern wollten. Oder ob es diese Zielpunkte überhaupt gab.

4. Thematisch fand ich das Thema Essen und andere Menschen (und deren Aussehen) schwierig. Wahrscheinlich, weil ich zumindest zu Ersterem schon einige Diskussionen hatte und mir zu Zweiterem noch nie wirklich Gedanken gemacht habe. Wobei hier zu differenzieren ist: Ich fand es nicht „schlecht“, sondern einfach schwierig.

5. Fällt mir „spontan“ im Rahmen der 15 Minuten nichts ein.

Mit lieben Grüßen

Sophie

P.S. Auch auf die Gefahr, mich jetzt zu blamieren ­ ich warte dann wieder Ihre Reaktion ab?“

Platon:

„Danke!“

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Eine Antwort zu “Die zweite Sitzung – brieflicher Nachklapp

  1. amicus

    9. Januar 2014 at 18:32

    Ach ja, liebe Sophie, das leidige Thema „Essen“. Ein immer wieder auftauchendes Thema bei ASS. Ein, wie ich finde, wichtiges Thema, das aber auch wieder einmal sehr differenziert betrachtet werden muss. Unstrittig ist, dass es bei ASS zu verschiedenen Komorbiditäten kommen kann (dies erwähnte Platon ja auch schon mal) und dazu gehören auch Essstörungen. ( Beispiel: Anorexia nervosa. Etwa 18 bis 23 Prozent jugendlicher Mädchen mit Anorexia nervosa haben Anzeichen des Asperger-Syndroms.) Man sollte aber folgendes beachten: „(…) Essstörung können die Weigerung beinhalten, Nahrungsmittel mit einer bestimmten Konsistenz oder einem bestimmten Geschmack oder Geruch zu essen, weil eine sensorische Überempfindlichkeit besteht. Es kann auch ungewöhnliche Essvorlieben geben oder bestimmte Routinen in Bezug auf Mahlzeiten oder die Art, wie das Essen präsentiert wird (…)“ Zu beachten ist auch: Mehr als 50 Prozent der Menschen mit ASS haben eine olfaktorische Überempfindlichkeit. Wie Nicole Schuster schon so schön schrieb: „Ein guter Tag ist ein Tag mit Wirsing.“ oder manchmal auch mit Spinat. 🙂
    Also auch hier sollte man in der Therapie wieder GENAU hinschauen……

    Weiter so und eine gute nächste Sitzung.
    Euer
    Amicus

     

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