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2. Nachricht von Sophie an Platon

29 Dez

Sophie:

„Sehr geehrter Platon,

vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort.

Heute ist bereits das erste Buch angekommen. Zumindest in Bezug auf das Internet scheinen sich viele Segmente aus der Esoterik in bestimmte Definitionen einzuschleichen, daher werde ich davon wohl Abstand nehmen.

Nachdem vor acht Jahren bereits seitens des Schulpsychogologischen Dienstes eine angebliche Hochbegabung attestiert wurde, kam ich in das Förderprogramme meiner Schule. Anfangs dachte ich, dass hier vielleicht ein Schlüssel liegt für die gefühlte ‚Andersartigkeit‘. Ich habe an mehreren Programmen teilgenommen bzw. teilnehmen müssen, aber da bereits gemerkt, dass ich den richtigen Weg offenbar nicht gefunden habe. Es war mir nicht möglich, in irgendeiner Weise einen adäquaten Kontakt herzustellen.

Nach meinem Abitur schlug meine Schule mich für ein Ausbildungs-Stipendium vor. Hier wurde ich angenommen und hatte die Hoffnung, unter Personen, die das gleiche Berufsziel wie ich haben, eher die ‚gleiche Wellenlänge‘ zu finden. Leider war auch das ein Trugschluss. Und letzten Endes der Punkt, den ich bis heute nicht verstanden habe.

Das, was Sie von einer rein kognitiven Erarbeitung schreiben, kann ich so bestätigen. Jedoch war ich bislang der Meinung, dass andere Menschen das genau so systematisch erlernen müssen. Daher habe ich mich auch immer gewundert, wie diese das erstens so schnell erlernen, es zweitens noch schneller anwenden und drittens dabei auch noch einen solchen ‚Spaß‘ verspüren, dass sie sich freiwillig, wiederholt und quasi exzessiv sozialen Situationen aussetzen. Ich selbst gehe quasi nach einem ausgearbeiteten ‚Fahrplan‘ vor, nach dem ein bestimmtes Aktionsmuster meines Gegenübers ein klares Reaktionsmuster meinerseits nach sich zieht. Dass das jedoch ziemlich fehleranfällig zu sein scheint, erwähnte ich ja bei unserem Gespräch.

Unter diesem Gesichtspunkt wird mir dann auch klar, warum ich viele Situationen, die anderen leicht zu fallen scheinen, für mich eher einem Hochleistungssport gleich kommen.

Nun sind mir neben der sozialen Komponente noch andere Parallelen aufgefallen, wobei ich mir allerdings unschlüssig bin, ob sie wirklich störend sind oder nur von anderen, also von außen, als störend empfunden werden. Da fallen mir auch zahlreiche Situationen ein, in denen seitens meiner Familie versucht wurde, ‚meinen‘ Weg zu einem gewissen Ziel zugunsten eines allgemeingültigen Weges abzutrainieren. Das Ergebnis blieb das gleiche, aber die Art, wie ich Dinge tat, schien falsch zu sein.

Offenbar schätzen Sie das alles optimistischer ein als ich. Ich bin eher skeptisch eingestellt ­ aber wahrscheinlich bleibt das bei den Erfahrungen nicht aus. Allerdings möchte ich nicht wieder warten, bis alles aus den Fugen gerät.

Was das Chaos in meinem Kopf angeht: Ich merke, dass mir unzählige Situationen einfallen, die unschön bis katastrophal verlaufen sind. Und frage mich, ob Autismus wirklich eine Antwort sein kann. Einfach adaptieren kann ich es nicht. Und sortiert ist das ganze auch noch nicht. Vieles erscheint in einem neuen Licht und ich frage mich, ob der Blickwinkel so wirklich stimmt…

Wie könnte eine konkrete Unterstützung aussehen? Ich bin nicht wirklich geübt darin, um Hilfe zu fragen. Zudem weiß ich nicht, ob Sie ­ – da Sie ja offensichtlich über eine gewisse Erfahrung auf dem Gebiet verfügen ­ – bestimmte Konzepte (?) haben.

Mit freundlichen Grüßen

Sophie“

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Verfasst von - 29. Dezember 2013 in Alltägliches, Briefe

 

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