RSS

Der erste Kontakt

14 Dez

Sophie:

Ich suche. Nach irgendjemanden, der einen nützlichen Tipp für mich hat. Der mir helfen kann, endlich anzukommen. Der mir vor allem hilft, meinen Alltag so einzurichten, dass er zu mir passt, dass ich zurecht komme. Und weniger auffalle. Alles zusammen.

Google ist wenig hilfreich. „Sie können mich in meiner Praxis telefonisch erreichen unter…“  – nichts für mich. Eine andere Praxis bietet astrale Lebensberatung. Nein, danke.

Irgendwann finde ich die Homepage des Philosophen. Mit Email-Adresse.Und vielen Informationen. Seine Praxis ist zwar weiter weg, aber das verringert die Gefahr, dass man sich zufällig irgendwo begegnet. Und hier in der Region sind Entfernungen sowieso relativ. Ein Versuch ist es wert.

„Sehr geehrter Platon,

ich würde gerne mit Ihnen einen Termin zu einer Erstberatung vereinbaren. Über eine Rückmeldung Ihrerseits wäre ich sehr dankbar.

Mit freundlichen Grüßen

Sophie“

Platon:

Anfragen per Email sind keine Seltenheit. Etwa die Hälfte der Kontaktaufnahmen erfolgt auf diesem Wege. Gelegentlich gehen bei mir solche Emails unter. Vermutlich, weil ich ohnehin ausgebucht bin. Und weil ich die Tendenz zum Aufschieben habe. Und zum Unkonkreten.

Ich kann nicht erklären warum, vielleicht ist es auch nur Zufall, aber ich habe wohl noch nie eine Anfrage dieser Art so schnell beantwortet:

„Sehr geehrte Sophie,

zur Zeit habe ich immer Dienstags zwischen 17.30 und 18.30 Uhr einen Termin frei. Hier wäre eine Erstberatung möglich. Ich weise aber darauf hin, dass für meine Praxis keine kassenärztliche Zulassung vorliegt. Ich rechne überwiegend mit Jugendamt, Berufgenossenschaften, Heilfürsorge, Agentur für Arbeit etc. und Privatzahler bzw. Privatversicherte direkt ab.

Mit besten Grüßen

Platon“

Sophie:

Huch. Der ist ja schnell. Elf Stunden zwischen meiner Nachricht und der Antwort. Und auffallend wenig Fehler, die ablenken können. Erstaunlich.

Aber ich bleibe skeptisch. Schließlich erzählt er mir hier Sachen, die ich schon weiß. Ich kann lesen. Und wenn ich seine Email-Adresse habe, kann er doch davon ausgehen, dass ich seine Homepage ebenfalls gelesen habe. Aber gut – vielleicht weiß er selbst nicht mehr, was auf seiner Homepage steht?

Wenn er dienstags Zeit hat, heißt das, ich kann am Dienstag kommen? Den nächsten?
Oder jeden Dienstag? Aber er weiß doch gar nicht, was ich will? Zur Sicherheit frage ich nach. So, dass nicht auffällt, dass ich seine Aussage unpräzise finde. Dabei wird sich auch zeigen, ob die schnelle Antwort nur ein Zufall war.

„Sehr geehrter Platon,

Vielen Dank für Ihre Antwort. Mir ist bewusst, dass Ihrerseits keine kassenärztliche Zulassung vorliegt. Ich wäre ­ im Rahmen meiner Möglichkeiten ­ Privatzahler. Wäre Ihrerseits bereits der kommende Dienstag anvisiert? Von meiner Seite aus wäre das möglich.

Mit freundlichen Grüßen

Sophie“

Platon:

Ich bleibe bei einem Wort hängen. „Anvisiert“. Sonderbar. Und dann denke ich über „Im Rahmen meiner Möglichkeiten“ nach. Ist klar und einfach. Irgendwie ehrlich.

Ja, mache ich:

„Sehr geehrte Sophie,

Der kommende Dienstag ist um 17.30 ist für Sie reserviert.

Mit freundlichen Grüßen

Platon

Sophie:

Sehr schön. Klar, einfach, präzise. Damit ist die Sache klar, ich werde es versuchen.

Advertisements
 
5 Kommentare

Verfasst von - 14. Dezember 2013 in Alltägliches, Briefe

 

Schlagwörter: , , , , , ,

5 Antworten zu “Der erste Kontakt

  1. Anita

    14. Dezember 2013 at 15:34

    Ich bin gespannt! 😉

     
  2. Mone

    14. Dezember 2013 at 21:19

    Hallo, ich finde Platons 1. Antwort nicht unpräzise. Er sagt mit ihr, dass er dienstags Zeit hat. Er weiß aber doch gar nicht, ob du, Sophie, zu diesem Termin auch Zeit hast. Denn du hattest ja noch keine Terminvorschläge gemacht. Das tust du (erst) mit deiner 2. Email. Platon kann nicht voraussetzen, dass du zu jeder seiner Terminzeiten auch hinkommen kannst. Nur dann hätte er bereits einen Termin für dich reservieren und dir mitteilen können.

    Der 2. Absatz von Platons Email ist tatsächlich dem Umstand geschuldet, dass manche Menschen nur oberflächlich lesen oder manche Informationen einfach überlesen. So ist alles in einer Email: Terminzeiten und Zahlungsmöglichkeiten.

    Außerdem können sich Webseiten ändern oder nicht erreichbar sein. Mit dem 2. Absatz sollte also nur die Gefahr von „aber ich wusste ja gar nicht, dass … und bin nun völlig umsonst hergekommen (und habe Zeit des Therapeuten verschwendet)“ verringert werden.

     
    • dualessein

      15. Dezember 2013 at 0:30

      Hallo,
      Hier zeigt sich wahrscheinlich schon ein erster Unterschied in der Kommunikation. Platons Antwort zeigt, dass er in der Aussage, dass ein Termin vereinbart werden möchte, bereits eine (eigentlich mehrere) Frage(n) hineindeutet und diese – obwohl sie explizit nicht gestellt wurde – beantwortet. Das wäre einmal die Frage: „Vergeben Sie noch Termine?“, die er für sich mit „Ja“ beantwortet, was ich aber so gar nicht mitbekomme. Dann stellt er bereits für mich die zweite Frage: „Wann wäre ein Termin möglich“ und beantwortet sie indirekt, indem er Dienstage anbietet.
      De facto habe ich ihm aber lediglich mitgeteilt, dass ich einen Termin vereinbaren möchte. Nach einem „Wann“ hatte ich noch gar nicht gefragt. Was Platon gemacht hat – er hat „zwischen den Zeilen gelesen“. Und eine Antwort geschickt, die wiederum ein – wenn auch geringes – „Zwischen-den-Zeilen-lesen“ nötig hat.
      In Bezug auf den zweiten Absatz ist deine Erklärung ebenfalls stimmig. Hier läge dann ein klassischer „Theory of Mind„-Fehler vor – ICH weiß, dass ich die Information bereits habe. Allerdings gehe ich davon aus, dass andere Menschen das wissen, was ich weiß. Und muss mir dann erst mal bewusst machen, dass jemand, der mich nicht kennt, das gar nicht wissen KANN. Dann noch davon auszugehen, dass eine andere Person sich wiederum in Dritte hineinversetzt und für diese mitdenkt – das ist dann quasi erweiterte Theory of Mind, da passe ich dann ganz. Aber vielleicht äußert sich Platon auch noch dazu.
      Sophie

       
      • dualesseinzwei

        15. Dezember 2013 at 11:56

        Hallo Mone,
        hallo Sophie,
        ich kann beide Kommentare nachvollziehen und auch bestätigen. Mone hat allerdings meine 1. Antwort so gelesen und verstanden, wie ich es wohl intendiert habe.
        Den Detailblick, den Sophie beschreibt, habe ich üblicherweise nicht, nur dann, wenn ich mich bewußt darauf konzentriere.
        Ich halte mich nicht länger mit Details auf, sondern versuche das Gesamtbild zu erfassen, zu kategorisieren, zu typisieren. In diesem Fall kategorisierte ich wie folgt: Jemand möchte eine Erstberatung. Dann überlege ich: habe ich Zeit und passt das Thema (die meisten nennen in der ersten Mail schon mehr oder weniger die Probleme). In diesem Fall kannte ich das Thema nicht, hatte aber Zeit. Ich habe offenbar trotzdem gleich schon meine Terminvorschläge gemacht. Ob ich damit die Fragen von Sophie richtig oder falsch beantwortet habe, oder ob ich zwischen den Zeilen gelesen habe oder es erwarte, interessiert mich nicht sonderlich. Ich sehe in erster Linie die Kategorien Anfrage und Terminvorschlag. Problematisch würde es erst werden, wenn ich falsch oder zu grob kategorisiert hätte.
        Mir war übrigens auch bewußt, dass allein durch die Nennung des Begriffs „Erstberatung“ ein Besuch auf meiner Homepage stattgefunden hatte. Die Erstberatung ist ja auch kostenfrei und unverbindlich, wie es dort geschrieben steht.
        Mit der Nennung der Zahlungsmöglichkeiten möchte ich gleich von Beginn an, wie Mone schon sagt, späteren Irritationen vorbeugen. Die Nennung der weiteren Kooperationspartner ist in der Tat ungefragt. Damit möchte ich wohl andeuten, dass ich mit seriösen Institutionen zusammenarbeite und erprobte und anerkannte Verfahren einsetze, und nicht im Bereich Esoterik und Handauflegen unterwegs bin.

        Liebe Grüße

        Platon

         
  3. amicus

    16. Dezember 2013 at 15:26

    Bin total begeistert. Ich hoffe es geht so weiter.

     

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: